Arne Jacobsen – Ikone des dänischen Designs

Die Louis Poulsen AJ T Tischleuchte von Arne Jacobsen ist eine Symbiose aus Funktionalismus und stilvoller Eleganz.

Arne Jacobsen (11. Februar 1902 - 24. März 1971) gilt als einer der bedeutendsten Protagonisten des dänischen Designs. Das von einem ästhetischen Funktionalismus geprägte Œuvre des Architekten und Designers liest sich wie ein Best-of des skandinavischen Designs. Dazu gehören neben Gebäuden wie der Nationalbank in Kopenhagen und dem Radisson Blu Royal Hotel auch so legendäre Sitzmöbel wie der Stuhl Ant oder die weltberühmten AJ Leuchten. Beeinflusst ist das Werk des Arne Jacobsen u. a. von Vertretern des „Form follows function“ wie Ludwig Mies van der Rohe und Walter Gropius, die Jacobsen während seiner Auslandsreisen persönlich kennenlernte.

 

 

Arne Jacobsen: Designhotel mit legendären Stühlen

Arne Jacobsen war ein passionierter Pfeifenraucher.

Arne Jacobsen war ein passionierter Pfeifenraucher.

Eigentlich wollte Arne Jacobsen Maler werden, angeblich hatte er schon als Kind die ungeliebten weißen Tapeten seiner Eltern übermalt. Als „Kompromiss“ lernte er zunächst den Beruf des Steinmetzes, auf Drängen seines Vaters studierte er anschließend Architektur an der Royal Danish Academy of Fine Arts. Ein erstes Ausrufezeichen setzte Arne Jacobsen 1925, als er eine Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung gewann. 1929 konzipierte er gemeinsam mit Flemming Lassen das „Haus der Zukunft“, ein rundes Gebäude aus Glas und Beton inklusive Helikopterlandeplatz auf dem Flachdach – der Durchbruch für Arne Jacobsen als Architekt.

 

 

 

AJ Ameise 210x210

Der Stuhl Ant zählt zu den prominentesten Werken von Arne Jacobsen
Foto via Wikimedia Commons, CC By 3.0, Autor unbekannt

Eines der prominentesten Design-Werke der dänischen Ikone ist der Ant Chair, zu Deutsch Ameisenstuhl. Diese auch unter dem Namen Myren bekannte Sitzgelegenheit entwarf Arne Jacobsen 1952 für die Kantine eines Pharmazieunternehmens. Jacobsens Ameise besteht mit Ausnahme der drei Beine aus einem einzigen Stück Furnierholz. Dieses wird so geformt, gepresst und verleimt, dass es seine berühmte Form erhält: Eine Lehne, die sich am unteren Ende verengt und so an die charakteristische Taille einer Ameise erinnert. Ant wurde schnell zum weltweiten Bestseller, verkaufte sich bis dato über sieben Millionen Mal.

In der Lobby des SAS Hotels in Kopenhagen können sich Gäste in den Schwanenstühlen von Arne Jacobsen entspannen.

Die Lobby des SAS Hotels in Kopenhagen ist mit mehreren Exemplaren des Swan Chair bestuhlt.

Foto von fhwrdh, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

 

Arne Jacobsen entwarf für das SAS Royal Hotel u. a. den Ameisenstuhl, den Sessel Schwan sowie die AJ F Stehleuchte.

Arne Jacobsen entwarf für das SAS Royal Hotel u. a. den Ameisenstuhl, den Sessel Schwan sowie die AJ F Stehleuchte.

Foto von Blunt, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Als Opus magnum des Arne Jacobsen gilt das SAS Royal Hotel, das heute Radisson Blu Royal heißt – ein Werk, bei dem sich das dänische Multitalent 1960 sowohl als Architekt als auch Designer auszeichnen konnte. Heute gilt das Fünf-Sterne-Hotel als das erste Design-Hotel der Welt und Wahrzeichen Kopenhagens – seinerzeit wählten die Dänen die Kombination aus Flachbau und dem scheinbar darüber schwebenden Turm zum hässlichsten Bauwerk in der Stadt. Arne Jacobsen zeichnete nicht nur für die Architektur, sondern auch das Design des gesamten Interieurs verantwortlich – inklusive Möbeln, Vorhängen, Besteck und Leuchten. Im Zuge dessen schuf Jacobsen nicht nur weitere legendäre Designklassiker des 20. Jahrhunderts wie den Egg Chair oder Swan Chair, sondern auch die ikonenhaften AJ-Leuchten für Louis Poulsen.

 

 

Die AJ-Leuchten von Arne Jacobsen

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Die AJ T, hier zu sehen im Louis Poulsen Showroom in Vejen, verkörpert den puristischen und eleganten Stil von Arne Jacobsen

Die Louis Poulsen AJ Leuchten gelten als das Meisterstück von Arne Jacobsen als Leuchtendesigner. Sie verkörpern in mustergültiger Weise seinen Ansatz, optischer Zurückhaltung den Vorrang zu geben und mit Funktionalität und stilvoller Eleganz zu überzeugen – siehe die AJ T Tischleuchte auf obigem Bild. Geometrische Elemente wie Zylinder, Kreise und Linien verschmelzen zu einem harmonischen Objekt, das auch ohne effekthascherische Ausschmückung eine starke Präsenz entwickelt. Passend zur gestalterischen Unaufdringlichkeit bevorzugte Jacobsen auch farbliches Understatement, zog matte Pastelltöne auffälligen Farben vor (erst 2010 stellte Louis Poulsen zum 50-jährigen Jubiläum fünf neue Farbausführungen vor). So gefallen Werke von Arne Jacobsen neben ihrer funktionalen Ausrichtung durch dezente Akzente – in der Musik würde man von leisen Zwischentönen sprechen – die den Betrachter für sich gewinnen.

 

Auf diesem Bild fungiert die AJ T von Arne Jacobsen als ausrichtbares Leselicht

Mit ihrem schwenkbaren Schirm sorgt die AJ T für individuelles Leselicht. An der Wand sind drei Exemplare der Louis Poulsen AJ Royal W zu sehen.

Hierfür stattete Arne Jacobsen seine AJ-Leuchten mit einem Hauch organischer Ästhetik aus, was vermutlich daran liegt, dass er als Hobbygärtner einen ausgesprochen grünen Daumen hatte. Dieser natürliche Touch manifestiert sich exemplarisch am asymmetrischen, fließend geformten Leuchtenkopf der AJ Tischleuchte, der sich nahtlos an eine zylindrische Lampenfassung anschließt. Dazu gefällt dieser unorthodoxe Lichtspender durch seinen leicht geneigten Stiel und die charakteristische Aussparung im Fuß. Die hat ihre eigene Geschichte: Der Legende nach, Arne Jacobsen war passionierter Raucher, diente sie ihm als Fassung für seinen Aschenbecher. Der Schirm lässt sich schwenken, so dass sich die AJ T als ausrichtbare Leseleuchte empfiehlt.

 

 

Louis Poulsen – light11 zu Besuch in Dänemark

Ein Mitarbeiter von Louis Poulsen hat sich die AJ T auf der Unterarm tätowieren lassen

Eine AJ-Leuchte von Arne Jacobsen ziert den Unterarm eines Louis-Poulsen-Angestellten.

Die AJ Leuchten von Arne Jacobsen fanden schnell große Beachtung, sowohl Fachleuchte als auch breite Öffentlichkeit zeigten sich begeistert. Das dänische Unternehmen Louis Poulsen hatte von Anfang an den Vertrieb der AJ-Leuchten übernommen, die heute aus hochwertigen Materialien wie Stahl (Schirm, Standrohr) und Zinkdruckguss (Leuchtenfuß) in Eigenproduktion gefertigt werden. Bei unserem Besuch bei Louis Poulsen im Jahr 2015 durften wir uns übrigens persönlich davon überzeugen, mit welcher Akribie AJ-Leuchten von Arne Jacobsen gefertigt werden. Die Bewunderung für die Koryphäe des skandinavischen Designs geht bei den dortigen Angestellten sogar soweit, dass bei einem von ihnen ein Tattoo einer AJ-Leuchte den Unterarm ziert.

 

 

Weitere AJ Leuchten von Arne Jacobsen

Die mittlerweile zu Klassikern des skandinavischen Designs avancierten AJ-Leuchten sind in mehreren Ausführungen erhältlich. Neben der bereits oben vorgestellten Tischleuchte greift auch die Stehleuchte AJ F die Formensprache des asymmetrischen Schirms, des geneigten Stiels und der Aussparung im Fuß auf. Die Wandleuchte Louis Poulsen AJ Royal W wartet ebenfalls mit dem gleichen charmant-ungewöhnlichen Schirm auf. Mit einem flachen Diffusor aus dreischichtigem, mundgeblasenem Opalglas beeindruckt die AJ Eklipta LED Wandleuchte. Wird sie eingeschaltet, erzeugt sie sanftes, gleichmäßiges Raumlicht. Dabei wirkt Eklipta durch die klare Kante um das Glas herum im eingeschalteten Zustand wie ein strahlender Heiligenschein. Auch eine Pendelleuchte geht auf das Konto von Arne Jacobsen. Die Louis Poulsen AJ Royal verströmt schon durch ihr klassisches, halbkugelartiges Design, dezent verziert mit Ringlamellen, ein heimeliges Flair. Eingeschaltet stellt die 1971 mit dem iF Design Award ausgezeichnete Pendelleuchte gemütliches Zonenlicht für Esstische bereit.

 

Das Design der Santa & Cole AJ Royal F wird von der Form einer Ellipse dominiert

Die Santa & Cole AJ Royal F Stehleuchte steht für harmonische Beleuchtung.

Doch nicht alle Leuchten von Arne Jacobsen werden von Louis Poulsen vertrieben. 1956 entwarf Jacobsen die AJ Royal F Stehleuchte, ebenfalls als Vorgriff auf das Interieur des SAS Hotels. Auch hier spielt Arne Jacobsen gekonnt mit Asymmetrie. Sowohl der Schirm aus weißem Leinen als auch der Leuchtenstiel sind entgegen der Sehgewohnheiten seitlich versetzt positioniert. Harmonisch geht es dagegen bei der Formensprache zu: Schirm und Sockel bilden jeweils die Form einer Ellipse ab.

 

 

 

 

 

Im Kopenhagener Radisson Blu ist das Zimmer mit der Nummer 606 vollständig mit Schöpfungen von Arne Jacobsen ausgestattet

Das Zimmer mit der Nummer 606 ist das einzige im Kopenhagener Radisson, das vollständig mit Werken von Arne Jacobsen ausgestattet ist. Foto von Richard Moross, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons.

Die Santa & Cole AJ Royal F ist übrigens immer noch Teil des Radisson Blu Royal. Dessen Zimmer mit der Nummer 606 wurde nämlich weitestgehend in dem Zustand behalten, wie ihn sich Arne Jacobsen ursprünglich vorgestellt hatte. Wer möchte, kann dieses Zimmer sogar buchen und hier übernachten. Dann kann man neben AJ Royal F, Swan, Egg und Drop Chair dem Geist eines Mannes nachspüren, dem es wie kaum einem anderen gelang, Funktionalität mit dezenter Ästhetik zu verbinden.


 

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