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Wilhelm Wagenfeld

*1900 †1990

Bauhaus-Schüler und Formgeber

Wilhelm Wagenfeld unterscheidet seine Arbeit konsequent von der Tätigkeit eines Designers oder Künstlers. Der Bauhaus-Schüler bevorzugt einen direkten und praktischen Bezug zu seinen Objekten. Er will sich direkt mit dem Material auseinandersetzen und nicht bloß theoretische Konzepte entwerfen. Daher bezeichnet er sich selbst als Formgeber. Sein bekanntestes Produkt ist die sogenannte Wagenfeld 23 Tischleuchte, die er bereits 1924 im Auftrag seines Lehrers László Moholy-Nagy am Weimarer Bauhaus anfertigt. Diese Leuchte führt die Kunstfertigkeit Wagenfelds beispielhaft vor. Moholy-Nagy weist ihn lediglich an, eine Tischleuchte mit halbrundem Glasschirm, Metallgestell und einem Fuß mit drei Halbkugeln zu kreieren. Das Endergebnis begeistert und verblüfft durch seine einfache und funktionale Gestalt. Heute wird der Lichtspender, der auch unter dem Namen „Bauhaus-Leuchte“ bekannte ist, von der Bremer Leuchtenmanufaktur Tecnolumen vertrieben. Dieses Unternehmen wurde 1980 von Wilhelm Wagenfeld höchstpersönlich autorisiert einer Re-Edition der Leuchte nach Originalplänen herzustellen.

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Wagenfeld beginnt seine Karriere mit einer Lehre bei der renommierten Silberwarenfabrik Koch & Bergfeld in seiner Heimatstadt Bremen. Anschließend tritt er 1923 dem Bauhaus in Weimar als Silberschmied-Geselle bei. Dort entwickelt er nach den Vorgaben seiner Lehrer die ersten Entwürfe der MT 8 und MT 9, die später als „Wagenfeld-Leuchten“ bekannt werden sollen. Allerdings scheitert der erste Versuch einer kommerziellen Vermarktung der Tischleuchte an den Produktionsbedingungen und Kosten. Die Einzelteile der Wagenfeld WA 24 werden in Handarbeit in der Bauhauswerkstatt hergestellt und lassen sich damals nur zu hohen Kosten industriell produzieren. So wird beispielsweise das Opalglas des Leuchtenschirms in den zwanziger Jahren nur für Industrieleuchten verwendet und ist in Privathaushalten praktisch unbekannt. Erst 1928 findet Wilhelm Wagenfeld einen Vertriebsweg für seine Kreation, wobei sie mit einem Preis von 55 Reichsmark für den gewöhnlichen Arbeiter der Zeit vollkommen unerschwinglich bleibt.

Kurze Zeit nach seinem ersten Entwurf kreiert Wilhelm Wagenfeld eine weitere Variante der ikonischen Tischleuchte. Statt eines Metallfußes besitzt die Wagenfeld WG 25 GL eine Basis aus Glas, wodurch dem Klassiker ein neuer Akzent verliehen wird. Die Wagenfeld WG 24 umhüllt sogar das Gestell mit transparentem Glas, das den Blick auf einen schlanken Metallstab freigibt. Auch nachdem das Bauhaus 1926 nach Dessau umzieht, arbeitet Wagenfeld an der Tischleuchte weiter und entwickelt eine Ausführung mit einem Chintz-Stoffschirm. Dieser spannt sich kegelförmig über das Leuchtmittel und wird durch einen zweiten zylindrischen Stoffschirm ergänzt. Eine Metallspitze aus Nickel krönt den Entwurf der Wagenfeld WG 27. Der Formgeber bleibt in Weimar und übernimmt 1928 die leitende Position der Metallwerkstatt der Bauhausschule.


Wilhelm Wagenfeld als Kultur- und Designkritiker

Bereits 1929 konfrontiert Wilhelm Wagenfeld die Nazis, als sie in Thüringen die Macht erlangen. Daraufhin wird er gemeinsam mit 29 Kollegen von der Bauhausschule in Weimar entlassen. Daher zieht er sich in den Thüringer Wald zurück, um als freier Mitarbeiter bei Schott in der Glasproduktion zu arbeiten. In dieser Zeit entwirft er die Wagenfeld WNL 30, eine hochwertige Wandleuchte aus Metall und Glas, die dank ihres satinierten Glasdiffusors und eines beweglichen Gelenkarms für eine blendungsfreie und bedarfsgerechte Beleuchtung neben dem Bett sorgt. Zudem kreiert er ebenfalls ein bis heute erhältliches Teeservice aus feuerfestem Glas. Ungefähr zur selben Zeit wie die Wandleuchte entsteht eine Stehleuchten-Variante der ikonischen Tischleuchte. Die Wagenfeld WST L 30 verfügt über einen Chintz-Schirm, greift aber wieder auf den Metallfuß des Originalentwurfs zurück. In den folgenden Jahren weigert sich Wagenfeld weiterhin von den Nazis vereinnahmt zu werden. Als er ablehnt in die NSDAP einzutreten, wird er zum Kriegsdienst eingezogen und an die Ostfront versetzt. Dort gerät er in sowjetische Gefangenschaft.

Nach dem Krieg eröffnet Wilhelm Wagenfeld eine eigene Werkstatt in Stuttgart, die er bis 1978 leitet. Wie auch schon zuvor schafft er vor allem Objekte aus Metall und Glas. Er kooperiert mit renommierten Unternehmen, wie WMF, Braun und Rosenthal. Dabei zeichnet er unter anderem dafür verantwortlich, dass sich Cormargan als hochwertiges Ersatzmaterial für Silber bei Besteck durchsetzt. Außerdem begleitet er die Entwicklung des Produktdesigns in der Nachkriegszeit mit kritischem Blick. Nach wie vor pocht er auf die Ideale des Bauhaus‘, die Funktionalität und Haltbarkeit der Produkte an die erste Stelle setzen. Im Gegensatz dazu folgt modernes Design viel zu oft Moden und legt keinen Wert auf Haltbarkeit und Qualität. Wagenfeld beanstandet, dass die Gesellschaft durch diese Wegwerf-Mentalität jeden Sinn für ihr kulturelles Erbe verliert.


Wilhelm Wagenfelds Erbe

1990 stirbt Wilhelm Wagenfeld in Stuttgart. Zeit seines Lebens schuf er über 600 Objekte, die vorwiegend in Glas und Metall entstanden. Einige seiner Entwürfe werden bis heute vertrieben und zählen zu den zeitlosen Klassikern des Produktdesigns. Doch sein einflussreichster Entwurf bleibt die „Bauhaus-Leuchte“. Diese wird heutzutage vielfach kopiert und imitiert. Doch nur Tecnolumen produziert seit 1980 die Wagenfeld-Leuchte in einer originalgetreuen Re-Edition. Seitdem wurde sie auch mit zahlreichen Designpreisen, wie z. B: dem iF Design Award, ausgezeichnet. 1986 wurde sie sogar in die permanente Ausstellung des MoMA in New York aufgenommen.
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