Zurück in München — light11-Besuch bei Ingo Maurer

Auf diesem Bild ist die Leuchte What we do counts mit ihrem Schöpfer Ingo Maurer zu sehen.

Letztes Mal haben wir über unseren Besuch im Münchner Showroom von Ingo Maurer berichtet. Heute möchten wir einen Blick auf die Werkstatt im „studioshowroomwerkstattatelier“ in Schwabing und in die Produktion in Aubing werfen. Hier nehmen die innovativen Ingo Maurer Leuchten erste Gestalt an, um danach in die Fertigung zu gehen.

Innovation ist übrigens keine leere Worthülse für die deutsche Designerlegende, die größten Wert darauf legt, technisch stets am Puls der Zeit zu sein. Daher möchten wir zunächst, bevor wir Sie in die Werkstatt und später die Produktion entführen, einige innovative Schöpfungen von Ingo Maurer vorstellen.

 

 

Ingo Maurer Leuchten: kreativ & innovativ

YaYaHo wird aus einer Vielzahl verschiedener Elemente zusammengestellt.YaYaHo ist ein Niedervolt-Seilsystem, dessen Elemente flexibel bewegt werden können.

Seinen Ruf als Innovator begründete Ingo Maurer z. B. 1984 mit dem Niedervolt-Seilsystem YaYaHo. Das modulare Lichtsystem lässt sich aus verschiedenen Komponenten frei nach Bedarf und Geschmack zusammenstellen. Dabei können Lampen und sogenannte „Parts“ wie etwa einen Spiegel, die als Reflektoren dienen, in ein präzise gespanntes Seilsystem integriert werden. Der Clou: Die einzelnen Elemente können entlang des Seils flexibel bewegt werden, so dass sich eine höchste individuelle Beleuchtung ergibt.

 

Die Bellissima Brutta gehört zu den ersten LED-Leuchten im Wohnbereich

Ein schön hässlicher LED-Blumenstrauß: Bellissima Brutta

Auch im Bereich LED-Technologie erwiesen sich Ingo Maurer Leuchten oft als Vorreiter. Die Bellissima Brutta, übersetzt „die hässliche Schöne“, ist ein Einzelstück aus dem Jahr 1997, das zu den ersten LED-Leuchten gehört, die für den privaten Bereich konzipiert waren. Private Sammler können diesen LED-Blumenstrauß, der auf einer quadratischen Leiterplatte fußt, bei Ingo Maurer bestellen.

 

 

 

 

 

 

 

Ingo Maurer Leuchten können auch organisch sein, wie die Oh LED One beweist

Die erste ihrer Art: Oh LED One

Schon oft hat Ingo Maurer betont, dass sein Blick stets in die Zukunft gerichtet ist und dass ihn die Vergangenheit nicht sonderlich interessiert. So lässt sich wohl erklären, dass er und sein Team stets nach neuen, zukunftsträchtigen Entwicklungen Ausschau halten. 2015 machte er die OLED-Technologie zum Kernelement seiner Tischleuchte Oh LED One. Hierbei dienen zwei OLED-Module als Flächenlichtquellen, die energieeffizientes Licht in einem großen Radius abstrahlen. Das Besondere an OLED: Sie besteht aus organischen, halbleitenden Materialien.

 

 

 

 

No-thanks

Ingo Maurers Statement zum Thema LED-Farbwiederbage: ein Button, der "Nein, danke!" zu einem CRI mit nur 80 sagt.

Darüber hinaus besteht ein stetiges Interesse, alle Verbesserungen im Bereich Lichtqualität und Leuchtmittel umgehend auf Ingo Maurer Leuchten zu übertragen. So achtet man bei den LED-Leuchten etwa darauf, nur aktuelle Modelle einzusetzen. Untermauert wird dieser Anspruch, typisch für Ingo Maurer, wie so oft mit einem Augenzwinkern. Auf der Light + Building 2016 wurden z. B. Buttons ausgegeben mit „CRI 80? – No Thanks“, eine Anspielung auf den Farbwiedergabewert, der zwar schon ab einem Wert von 80 gut ist, aber erst ab einem Wert von 90 als sehr gut gilt.

 

Dank ihres filigranen Designs ist die 18 x 18 ist eine beeindruckende Ingo Maurer Leuchte

WIe ein Blatt im Wind mutet die Ingo Maurer 18 X 18 Decken- und Wandleuchte an.

Ingo Maurer Leuchten wie die 18 x 18 Decken-/Wandleuchte LED untermauern den Anspruch, sowohl unkonventionelle als auch technisch fortschrittliche Designerleuchten zu präsentieren. Sie badet mit einem Farbwiedergabewert von Ra >90 den beleuchteten Bereich in authentischem Licht. Die Optik zeigt sich ebenfalls anspruchsvoll: Der dünne Aluminiumschirm wirkt durch seine Form wie ein Blatt Papier, das mithilfe von zwei Kugelgelenken flexibel ausgerichtet werden kann.

 

 

Ingo Maurer Leuchten: Impressionen aus dem studioshowroomwerkstattatelier

An dieser Werkbank werden Ingo Maurer Leuchten entworfen

In der Werkstatt erhalten Ingo Maurer Leuchten eine erste Gestalt - oft mit traditionellen Werkzeugen.

Gleich neben dem Showroom befindet sich die Werkstatt im „studioshowroomwerkstattatelier“. Hier kommen die Designer aus dem Team von Ingo Maurer zusammen, um ihren Entwürfen eine konkrete Gestalt zu geben. Dabei kommt traditionelles Werkzeug zum Einsatz, was häufig seine Vorteile hat. So wird z. B. manchmal eine alte Kreissäge verwendet, „weil die oft praktischer ist als eine moderne“. So entstehen erste Prototypen, die für die Designer eine gute Grundlage zur Verfeinerung darstellen. Es gilt: Erst nach Rücksprache mit dem Firmenoberhaupt bzw. dessen Absegnung werden Ingo Maurer Leuchten in der Produktion in Aubing gefertigt.

 

Hier werden Dimmer für Ingo Maurer Leuchten getestet

Im "studioshowroomwerkstattatelier" werden auch Leuchtmittel getestet, etwa auf ihr Verhalten beim DImmen.

In einem weiteren Nebengebäude werden u. a. unterschiedliche Leuchtmittel auf ihre „Verträglichkeit“ mit Dimmern getestet. Dabei werden z. B. Installationen mit Vorschaltgeräten und solche mit integrierten Treibern darauf geprüft, ob und wie stark das Leuchtmittel flimmert bzw. flackert. Bei diesem Prozedere wird der gesamte Dimmverlauf genau beobachtet.

 

Dieses detaillierte Modell veranschaulicht die Lichtwirkung originalgetreu

Modelle wie dieses geben dem Team von Ingo Maurer Aufschluss über die Lichtwirkung in der Praxis.

In einem weiteren Raum des „studioshowroomwerkstattateliers“ , in dem auch komplexe Lichtplanungen für Hotels, Bahnhöfe oder Museen erstellt werden, erblickten wir Miniaturmodelle von Gebäuden und Räumen. Um die zukünftigen Lichtwirkungen zu simulieren, bastelt das Team von Ingo Maurer aufwändig beleuchtete Modelle. Diese liefern realistischere Erkenntnisse und sind auch viel genauer als z. B. ein Computer-Rendering, verriet uns ein Mitarbeiter aus dem Ingo Maurer-Team.

 

 

Ingo Maurer Leuchten – auch in der Pizzeria

Eine Sonderanfertigung der Ingo Maurer Campari Light ziert die Pizzeria Passaparol

In der angrenzenden Pizzeria Passaparola adelte eine Campari Light den Raum mit charmantem Licht und Design

Nach so viel kreativer Designkunst und Informationen lud das Team von Ingo Maurer zum Mittagessen in die Pizzeria Passaparola ein – in das Vorderhaus des nach wie vor selben Gebäudes in der Kaiserstraße 47, wo sich früher das „Factory Outlet“ von Ingo Maurer befand. Zur Orientierung: Der Showroom befindet sich im Vorderhaus.  Kaum eingetreten, richteten sich unsere Blicke unisono beinahe ehrfürchtig in Richtung Decke, wo uns eine Sonderanfertigung der Campari Light  entgegenstrahlte. Die Pendelleuchte beeindruckt durch einen Diffusor aus originalen Campari-Flaschen. Diese sorgen aufgrund des sagenhaften Anblicks nicht für einen steifen Hals beim Betrachter, sondern geben dem Licht auch eine unverwechselbare, dezent rötliche Note.

 

 

Ingo Maurer Leuchten: die Produktionshallen in Aubing

Dieser Mitarbeiter fertigt bereits seit 40 JAhren Werkzeuge und Ingo Maurer Leuchten

Berthold Werner ist seit mehr als 40 Jahren für Ingo Maurer tätig. Er ist u. a. für den Werkzeugbau verantwortlich.

Die nächste Etappe unseres Besuchs führte uns zur Produktionsstätte nach München-Aubing. Hier findet nicht nur die Fertigung von Ingo Maurer Leuchten statt. Auch die Abteilungen Service und Reparatur sind hier untergebracht. Obiges Bild zeigt Berthold Werner, von Beruf Gürtler und seit über 40 Jahren, also den Anfangstagen, tätig für Ingo Maurer. Diese Unternehmensgeschichte auf zwei Beinen ist u. a. zuständig für den Werkzeugbau, den er nach Skizzen des Unternehmenschefs durchführt.

 

Claude Maurer mit einer Canned Light

Claude Maurer demonstriert hier, wie die Pendelleuchte Canned Light verbördelt wird.

Auch Claude Maurer, die Tochter von Ingo Maurer, war uns während unseres Besuches im studioshowroomwerkstattatelier und in den Produktionshallen eine stets hilfsbereite und sehr informative Begleitung. Hier hält sie eine Campbell’s-Konservendose für die Canned Light in der Hand. Mit der Maschine neben ihr wird die Dose „verbördelt“, d. h. ihr Rand umgebogen.

 

Die Ingo Maurer Birdie's Nest wird von Hand gefertigt

Hier sehen wir eine Ingo Maurer Birdies Nest im Anfangsstadium, "flügge" wird sie erst später

Auch die Birdie's Nest wird per Hand gefertigt – hier sieht sie noch relativ unspektakulär aus. Auf dem Bild sehen wir, wie die einzelnen Leuchtenarme in den Baldachin geführt werden. Später erhält sie noch die handgefertigten Flügel aus echten Gänsefedern. Dann hat sie die Wandlung vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan endgültig vollzogen.

 

Die Ingo Maurer KoKoRo wird auf edlem Papier gefertigt

Die KoKoRo wird in einen aufwändigen Verfahren gefaltet und gezogen, bevor sie ihre wunderschöne Form erhält.

Die KoKoRo  ist eine Stehleuchte, die in einem sehr aufwändigen Prozess entsteht. Sie beruht auf einem Entwurf von Dagmar Mombach und dem Team Ingo Maurer. Bei der von Designlegende Isamu Noguchi inspirierten und an traditionelle japanische Textilfärbetechniken angelehnten Stehleuchte wird rotes Papier in bis zu acht Arbeitsgängen durch Falten und Ziehen in die endgültige, an wehende Banner erinnernde Form gebracht.

 

Ingo Maurer Leuchten gibt es auch in XXL - Die XXL Dome misst 1,8 m im Durchmesser

Werke von Ingo Maurer sind allgegenwärtig, im Lager ist genug Platz für die mächtig große XXL Dome Pendelleuchte.

Ein großes Lager benötigt auch viel Licht. Mit einem Schirmdurchmesser von 1,80 m und einem Lichtstrom von 7.500 Lumen sorgt die XXL Dome  für mächtig viel Licht, vermutlich wie keine andere der Ingo Maurer Leuchten. Das handwerkliche Meisterwerk mit einem Gewicht von 50 kg wird aus Fiberglas, Metall und Edelstahl gefertigt und kommt mit einer Innenfläche in den Farben grün, rot, orange oder orange.

 

Zum Ende unserer Besichtigungstour durch die Fertigungshallen wurden wir Zeuge eines Werks, das selbst für den Ingo-Maurer-vertrauten Betrachter eine neue Stufe des Außergewöhnlichen darstellt: die Porca Miseria!  Diese Pendelleuchte wirkt wie eine Momentaufnahme einer Explosion. Scheinbar durch die Luft fliegen dabei Bruchstücke von edlem Porzellan und verleihen diesem Werk eine schlichtweg überwältigende Dynamik – selbst auf einer Europalette. Wird sie später eingeschaltet, reflektieren die Scherben das Licht des im Zentrum dieses explosiven Werks befindlichen Leuchtmittels und sorgen so für eine unvergleichliche Beleuchtung.

Jedes Exemplar der Porca Miseria ist ein Unikat, das speziell auf die individuelle Raumsituation maßgeschneidert wird. Daher ist die extravagante „Explosions-Leuchte“ auch ausschließlich über die Ingo Maurer Showrooms in München und New York erhältlich.

 

Ingo Maurer gestaltete das Lichtkonzept der U-Bahnstation am Marienplatz in München

Gemeinsam mit dem Architekten Allmann Sattler Wappner setzte Ingo Maurer "Lichtzeichen" im Münchner Nahverkehr

Unser Heimweg führte uns noch über den Marienplatz von München – und siehe da: Auch hier durfte Ingo Maurer seiner scheinbar grenzenlosen Kreativität freien Lauf lassen. Im Zwischengeschoss der U- und S-Bahnstation unter Münchens zentralem Platz entdeckten wir ein Licht- und Farbkonzept, das Ingo Maurer gemeinsam mit dem Architekten Allmann Sattler Wappner realisiert hat. Dabei werden die Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs von einer warm leuchtenden, orangeroten Decke mit eingelassenen LED-Lichtlinien empfangen. Diese „Lichtzeichen“ (so nennt Ingo Maurer sie) sind unregelmäßig angeordnet, wodurch ein abwechslungsreicher, stimulierender Eindruck entsteht – ein Anblick, der sich wunderbar vom gängigen Grau-in-Grau der meisten öffentlich-unterirdischen Räume abhebt. Ingo Maurer scheint in München übrigens allgegenwärtig zu sein, auch die U-Bahnstation Münchner Freiheit und der U-Bahnhof Westfriedhof sind wesentlich von der deutschen Designerlegende geprägt.

Beeindruckt von der Vielfalt, mit der sich die Kreativität in Ingo Maurers Leuchten manifestiert, machten wir uns auf die Heimreise. Auch die Lebensleistung eines Künstlers, der von vielen als „Lichtpoet“ bezeichnet wird und dessen Werk sich angesichts seiner Vitalität hoffentlich noch lange fortsetzen wird imponierte uns. Wir hoffen, auch Sie für einen der wichtigsten Design-Protagonisten unserer Gegenwart begeistert zu haben.

Übrigens, wenn Sie mehr über sein Werk erfahren möchten: Ingo Maurer selbst war bereits Thema im lightMAG.


 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsabfrage * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.