Richard Sapper – Designer im Spotlight

Richard Sapper - Ensemble von Artemide Tizios

Richard Sap­per ist eine lebende Leg­ende. Der deutsche Design­er ent­warf im Laufe sein­er Kar­riere eine Vielzahl erfol­gre­ich­er Pro­duk­te, darunter auch die berühmte Schreibtis­chleuchte Artemide Tizio, neben der Artemide Tolomeo Tavo­lo wahrschein­lich die bekan­nteste Leuchte ihrer Art. Sap­pers Arbeit­en sind gekennze­ich­net durch sach­liche, klare For­men und inno­v­a­tive Tech­nik. Oft ver­lei­ht er seinen Designs zudem eine Prise Humor oder ein über­raschen­des Ele­ment. Für seine Arbeit­en wurde Sap­per bere­its mit ein­er Vielzahl von Preisen aus­geze­ich­net, unter anderem mit dem Bun­desver­di­en­stkreuz.

 

 

Richard Sapper – Biographisches

Richard Sapper - Fontana Arte 0024 Pendelleuchte

Klas­sik­er von Gio Pon­ti für Fontana Arte: 0024 Pen­delleuchte

Richard Sap­per wurde 1932 in München geboren. Nach­dem er an der Uni­ver­sität Ver­anstal­tun­gen zu Philoso­phie, Anatomie und Inge­nieur­swis­senschaften besucht hat­te, machte er schließlich einen Abschluss in Wirtschaft an der Münch­n­er Hochschule. Als Design­er machte er seine ersten Schritte in der Styling-Abteilung von Merzedes-Benz in Stuttgart, bevor es ihn 1958 nach Mai­land ver­schlug. Hier war er zunächst für das Büro des bekan­nten, ital­ienis­chen Architek­ten und Design­ers Gio Pon­ti tätig. Pon­ti war übri­gens eben­falls als Leuch­t­en­de­sign­er tätig, so ver­ant­wortete er etwa die Wan­dleuchte Fato für Artemide, oder den Pen­delleucht­en-Klas­sik­er 0024 Sospen­sione für Fontana Arte. Let­ztere wurde bere­its 1931 ent­wor­fen und ist bis heute erhältlich.

 

 

Richard Sapper - Brionvega Radio TS502

1965 für Brion­ve­ga ent­wor­fen: Klapp-Radio TS502
Foto von Hol­ger Ell­gaard, geme­in­freie Datei/Public Domain, via Wiki­me­dia Com­mons

Ab 1959 arbeit­ete Richard Sap­per mit dem ital­ienis­chen Design­er und Architek­ten Mar­co Zanu­so zusam­men. Gemein­sam waren sie als Berater für Brion­ve­ga tätig, ein ital­ienis­ches Elek­troun­ternehmen, das sich auf die Fah­nen geschrieben hat­te, mit aus­ge­feil­ten Pro­duk­ten in außergewöhn­lichem Design den damals erfol­gre­ichen deutschen und japanis­chen Pro­duk­ten Konkur­renz zu machen. Zu den bekan­ntesten Entwür­fen für Brion­ve­ga zählen der trag­bare Fernse­her „Doney 14“ von 1962, sowie das Radio „TS502“ von 1965. Hier ist bere­its der typ­is­che Stil Sap­pers erkennbar: Min­i­mal­is­tis­che, plas­tis­che For­men und eine ver­bor­gene „Über­raschung“. Von außen betra­chtet wirkt das Radio lediglich wie ein rot­er Kas­ten – alles kön­nte hier ver­staut sein. Erst mit dem Aufk­lap­pen offen­bart sich das wahre Innen­leben, Laut­sprech­er und Bedi­enele­mente kom­men zum Vorschein.

 

 

 

Richard Sapper - Alessi Wasserkessel

Diesen Wasserkessel entwick­elte Richard Sap­per für Alessi
Foto von Chris­tos Vit­toratos, CC-BY-SA-3.0, via Wiki­me­dia Com­mons

Ab 1959 ist Richard Sap­per auch allein als Design­er tätig. Eine sein­er frühen Arbeit­en ist die Sta­t­ic Tis­chuhr, die er für die Fir­ma Lorenz entwick­elte. Die Uhr wird ein echt­es Erfol­gsmod­ell und wird bis heute hergestellt. Dieser Entwurf brachte Sap­per die erste Ausze­ich­nung mit dem begehrten Indus­triepreis Com­pas­so d’Oro ein. 1972 erscheint die Schreibtis­chleuchte Tizio, die Richard Sap­per für Artemide gestal­tete. Tizio wird eine der meist­ge­baut­en und –verkauften Leucht­en weltweit. In den fol­gen­den Jahren gestal­tete Sap­per eine Vielzahl preis­gekrön­ter Pro­duk­te, darunter Möbel und Uhren. Ab 1978 ist er regelmäßig für die bekan­nte, ital­ienis­che Design­marke Alessi tätig, für die er unter anderem eine Espres­so­mas­chine sowie einen Wasserkessel mit zweitöniger Flöte entwick­elte.

 

 

 

Richard Sapper - IBM Notebook mit Drucker

Von Sap­per gestal­tetes IBM-Note­book mit angeschlossen­em Druck­er
Foto von Chris­tos Vit­toratos, CC-BY-SA-3.0, via Wiki­me­dia Com­mons

1980 wird Richard Sap­per Indus­triedesign­er bei IBM und übern­immt hier die Gestal­tung der Note­book-Serie „ThinkPad“. Mit seinem Design für das erste IBM ThinkPad vol­lzieht sich ein Par­a­dig­men­wech­sel im Bere­ich des IT-Hard­ware­designs: war bis­lang noch ein wenig aufre­gen­der Grau- bzw. Beige-Ton bei der PC-Hard­ware üblich, set­zte Sap­per auf Ober­flächen in ele­gan­tem Schwarz. Seine Idee set­zte sich auf bre­it­er Front durch. Heutzu­tage ist eine schwarze Gehäuse­farbe nichts Ungewöhn­lich­es mehr für PC-Hard­ware. Das Design heutiger ThinkPads erin­nert noch immer an das Ur-Design Richard Sap­pers. Die Fir­ma Leno­vo, die mit­tler­weile die Note­book-Sparte von IBM über­nom­men hat, lässt sich auch heute noch von Richard Sap­per berat­en.

 

 

 

 

Neben sein­er Tätigkeit als Design­er war Richard Sap­per auch in der Lehre stets engagiert. So hat­te er Gast­pro­fes­suren an der Yale Uni­ver­si­ty, der Hochschule für Ange­wandte Kun­st in Wien, der Kun­stakademie in Stuttgart, der Cen­tral Acad­e­my for Art and Design in Peking und der berühmten Domus Akademie in Mai­land inne.

 

 

Richard Sapper – Stilprägendes & preisgekröntes Design

Richard Sap­per ist ein beson­ders viel­seit­iger Design­er, der sich im Laufe sein­er Kar­riere so unter­schiedliche Pro­duk­te wie Leucht­en, Möbeln, Com­put­ern oder Haushalts­geräten gestal­tete. Zu seinen Kun­den zählen große Konz­erne und namhafte Design­marken. Neben IBM, Alessi und Artemide war Sap­per unter anderem für B&B Italia, Kartell, Fiat oder Pirelli tätig.

Richard Sapper - Portrait

Design­er­legende: der deutsche Richard Sap­per

Der Stil Sap­pers ist meist von ein­er gewis­sen Schlichtheit und Klarheit der For­men geprägt. Die eigentliche Funk­tion des Pro­duk­tes ste­ht meist im Mit­telpunkt des Entwur­fes – aus­ge­fal­l­ene Verzierun­gen und Ähn­lich­es sucht man in der Regel vergebens. Gerne lässt Richard Sap­per zudem eine Prise Humor in seine Entwürfe ein­fließen. Auch das Ele­ment der Über­raschung taucht regelmäßig in seinen Arbeit­en auf, erkennbar beispiel­sweise an dem Radio für Brion­ve­ga, das erst mit dem Aufk­lap­pen sein Geheim­nis preis­gibt. Sap­per hält nicht viel davon, sich auss­chließlich einem Pro­dukt oder ein­er Pro­duk­t­gruppe zu wid­men. In einem Inter­view mit dem Ger­man Design Coun­cil äußerte er einst: “Ich liebe eben die Abwech­slung und mir wird auch eine Pro­duk­tsparte schnell zu eng und zu ein­seit­ig.”

 

 

 

Richard Sapper - Artemide Tizio

Der Rock­star unter den Leucht­en: Tizio brachte Sap­per einen weit­eren Com­pas­so d’Oro ein

Für seine Arbeit­en wurde Richard Sap­per mit unzäh­li­gen Preisen aus­geze­ich­net. Den Com­pas­so d’Oro, den begehrtesten aller ital­ienis­chen Indus­trie- und Design­preise, kon­nte Sap­per gle­ich elf­mal errin­gen, zulet­zt 2014 als Award für seine Kar­riere. Dazu kommt eine Vielzahl weit­er­er Ausze­ich­nun­gen, so kon­nte er sich sat­te zwölf­mal den deutschen iF Prod­uct Design Award sich­ern. 1992 gewann er den Lucky Strike Design­er Award, eine renom­mierte, per­sön­liche Ausze­ich­nung, die von der Ray­mond Loewy Foun­da­tion vergeben wird. 2005 kürt ihn das Mag­a­zin „A & W – Architek­tur & Wohnen“ zum „Design­er of the year“, 2009 zeich­net ihn der Rat für For­mge­bung als „Gestal­ter-Per­sön­lichkeit“ aus. 2012 wird Sap­per für seine Ver­di­en­ste als Indus­trie- und Pro­duk­t­de­sign­er mit dem Bun­desver­di­en­stkreuz 1. Klasse prämiert.

 

Seine Arbeit­en sind auch Teil viel­er Des­ig­nausstel­lun­gen in bekan­nten Museen, so präsen­tieren berühmte Museen wie das New York­er Muse­um of Mod­ern Art (MoMA) oder das Lon­don­er Vic­to­ria and Albert Muse­um einige Sap­per-Objek­te in ihrer per­ma­nen­ten Ausstel­lung.

 

 

Richard Sapper – Die Erfolgsgeschichte der Artemide Tizio

Richard Sapper - Artemide Tizio auf dem Schreibtisch

Schreibtis­chleucht­en-Klas­sik­er: Artemide Tizio

Für die ital­ienis­che Pre­mi­um-Marke Artemide ent­warf Richard Sap­per 1972 die Schreibtis­chleuchte Tizio. Mit ihren flex­i­blen, aus­laden­den Leucht­e­n­ar­men erin­nert die außergewöhn­liche Leuchte an die Ästhetik eines Baukrans. Die Arme wer­den durch ein Gegengewicht in Bal­ance gehal­ten. Der geometrischen Strenge der For­men ste­ht eine gewisse Leichtigkeit durch die fil­igra­nen Arme ent­ge­gen, was Tizio zu einem unver­gle­ich­lichen Desig­nob­jekt macht. Auch in punc­to Tech­nik set­zte die Tizio damals Maßstäbe: als eine der ersten Leucht­en über­haupt bedi­ente sie sich der, damals noch jun­gen, Nieder­volt-Halo­gen­tech­nolo­gie. Die Stromzu­fuhr zum Leucht­mit­tel erfol­gt auss­chließlich über die bei­den Leucht­e­n­arme – kein Kabel stört die Ästhetik der Kon­struk­tion.

 

Tizio erschien erst­mals zu ein­er Zeit, als die Nieder­volt-Halo­gen­lampe noch eine echte Inno­va­tion war. Erhältlich waren entsprechende Lam­p­en auss­chließlich für Autoschein­wer­fer. Richard Sap­per kom­men­tierte diesen Umstand einst in einem Gespräch mit der „Zeit“: “Wenn Sie eine Ersatzbirne für die Tizio haben woll­ten, dann mussten Sie zur Tankstelle fahren.” Aus­gangspunkt für die Tizio war der Gedanke Sap­pers, beim Arbeit­en eine effiziente, aber den­noch platzs­parende Leuchte zu nutzen. Er bevorzugte selb­st beim Arbeit­en eine gut beleuchtete Tischober­fläche, der Rest des Raumes sollte hinge­gen im Halb­dunkel verbleiben. Die Leuchte, die er im Sinn hat­te, sollte einen großen Aktion­sra­dius bieten und sich mit wenig Aufwand in die gewün­schte Posi­tion brin­gen lassen.

Richard Sapper - Büro mit Artemide Tizio und Talo Sospensione

Schreibtis­chbeleuch­tung mit der Tizio. Eben­falls im Bild: Artemide Talo Sospen­sione

Das Resul­tat dieser Über­legun­gen war die aus­ge­feilte Tizio, die mit ihrer hohen Flex­i­bil­ität die ide­ale Beleuch­tung für Schreibtis­che darstellt. Dank der beweglichen Arme und des flex­i­blen Leucht­enkopfes lässt sich das Licht der Tizio stets dor­thin richt­en, wo es benötigt wird. Die ver­wen­dete Nieder­volt-Halo­gen­lampe sorgt für exzel­lente Lichtqual­ität bei bril­lanter Farb­wieder­gabe – so wer­den Gegen­stände, Doku­mente, etc. auf dem Schreibtisch in natür­lichen Far­ben wiedergegeben. Gle­ichzeit­ig bietet die ver­wen­dete Halo­gen­lampe mit rund 4.000 Betrieb­sstun­den eine bis zu vier­mal höhere Lebens­dauer, als von herkömm­lichen Glüh­lam­p­en gewohnt. Für ihr durch­dacht­es Design und die exzel­lente Lichtqual­ität wurde die Tizio bere­its mit ein­er Vielzahl von Preisen aus­geze­ich­net, darunter auch der deutsche iF Prod­uct Design Award und der begehrte, ital­ienis­che Indus­triepreis Com­pas­so d’Oro.

 

Richard Sapper - Ensemble von Artemide Tizio Terras

Mit prak­tis­ch­er Stand­säule wird die Tizio zur flex­i­blen Lese­leuchte

Tizio ist in ver­schiede­nen Vari­anten erhältlich. Als Tizio 35 kommt die Schreibtis­chleuchte mit ein­er Gesamthöhe von 100 cm. In der größeren Vari­ante Tizio 50 erre­icht die Leuchte eine Höhe von rund 120 cm. Die Tizio Micro ist mit ein­er Höhe von ca. 76 cm die kle­in­ste Aus­führung im Ensem­ble. Die Tizio Plus bietet eine noch höhere Flex­i­bil­ität als ihre Schwest­ern – hier ist der Leucht­enkopf nicht nur schwenk- son­dern auch drehbar. Als Ter­ra 35 bzw. Ter­ra 50 kommt die ele­gante Tizio als Lese­leuchte mit prak­tis­ch­er Stand­säule. Die Ter­ra-Vari­ante ist auch in ein­er LED-Aus­führung und auch als Tizio Ter­ra Plus mit noch flex­i­blerem Leucht­enkopf zu haben. Die Säule ist auch sep­a­rat erhältlich – so wird aus der Schreibtis­chleuchte im Han­dum­drehen eine form­schöne Stehleuchte.

 

Richard Sapper - Artemide Tizio X30 Sonderedition

Samm­ler­stück: die weiße Tizio X30 mit Sig­natur von Richard Sap­per

Auch die Schreibtis­chleuchte Tizio nicht mehr nur auss­chließlich mit Halo­gen­leucht­mit­teln erhältlich, son­dern auch als energieef­fiziente LED-Aus­führung. Mit ein­er Leis­tung von lediglich acht Watt erre­icht Tizio LED eine Licht­menge von fast 400 Lumen – dies entspricht etwa der Hel­ligkeit ein­er 40-Watt Glüh­lampe. Für Samm­ler und Design­fre­unde ste­ht in der Tizio-Fam­i­lie noch ein beson­deres Schmuck­stück zur Auswahl. Die Artemide Tizio X30 kommt als lim­i­tierte Son­dered­i­tion mit Ober­flächen in glänzen­dem Chrom. Als Bonus ist jede Tizio X30 mit ein­er ein­gravierten Sig­natur Richard Sap­pers verse­hen.

 

 

 

Übri­gens: die Tizio ist eine über­aus robuste und lan­glebige Leuchte. Auf manchen Schreibtis­chen thront immer noch das Orig­i­nal aus den 1970er Jahren. Wurde allerd­ings im Laufe der Jahrzehnte doch ein­mal ein Teil beschädigt, ist das noch kein Grund, um die geliebte Schreibtis­chleuchte auszu­mustern: sämtliche Bestandteile sind auch sep­a­rat als Ersatzteil erhältlich.


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