Poul Henningsen — Designer im Spotlight

Auf diesem Bild verwöhnen drei Exemplare der PH 50 von Poul Henningsen einen Esstisch

Der Däne Poul Henningsen gehört zu den wichtigsten skandinavischen Leuchtendesignern, dessen Name auch lange nach seinem Tod im Jahr 1967 weit über die Grenzen Dänemarks nachhallt. Sein Magnum Opus, die Louis Poulsen PH Pendelleuchte, gilt als weltweite Ikone. Wir möchten heute dem Phänomen Poul Henningsen nachgehen, der nicht nur Leuchten entwarf, sondern auch als Journalist und Kultur- und Gesellschaftskritiker einen bleibenden Eindruck hinterließ.

 

Dieses Bild zeigt die Designikone Poul Henningsen mit einer Zigarette im Mundwinkel
Poul Henningsen war eine vielschichtige Persönlichkeit mit vielen Interessen, die weit über das Entwerfen von Leuchten hinausgingen

Poul Henningsen kommt am 9. September 1894 in Ordrup, Dänemark zur Welt. Seine Eltern, eine Autorin und ein Satiriker, bringen ihm Toleranz und Aufgeschlossenheit bei. So entwickelt sich Poul Henningsen zu einem vielseitig interessierten, kritischen Freigeist, der sich zu vielen Themen äußerst, etwa zur Gleichberechtigung. Das Architekturstudium (1911-1917), bei dem er seinen persönlichen Stil entwickelt – eine elegante Ausprägung des Funktionalismus mit einer Neigung zu natürlichen Formen – bricht er ab. Er absolviert eine Lehre zum Steinmetz, arbeitet als Erfinder, Maler, Möbeldesigner und Architekt. Zwischen 1926 und 1928 bringt er das linke Magazin Kritisk Revy raus – für ihn ein Vehikel, um die konservative Kultur zu kritisieren. Auch als Regisseur betätigt er sich, dreht 1935 den dokumentarischen Danmarksfilm (Dänemarkfilm), im 2. Weltkrieg arbeitet er als Architekt für den Vergnügungspark Tivoli Gardens in Kopenhagen. Später engagiert er sich als Gegner des Faschismus, der ihn zwingt, Dänemark Richtung Schweden zu verlassen. Auch nach dem 2. Weltkrieg bleibt Poul Henningsen bis zu seinem Tod ein unruhiger Geist, der oft aneckt – wie 1965, als er beim Eurovision Song Contest mit einem Songtext für den dänischen Beitrag Sozialkritik übt.

 

 

Poul Henningsen: Entwicklung einer Designikone

Als in den 1920er-Jahren der Siegeszug des elektrischen Lichts beginnt, das die Petroleum-Lampe verdrängt, stört sich Poul Henningsen am grellen Licht der Glühlampe. Er vermisst den weichen Schein der Petroleum-Lampe. 1919 gründet er sein eigenes Designbüro, beschäftigt sich mit Lichtdesign und Lichttheorie, mit Spiegelungen und Schatten. Im Zuge dessen entwirft er 1924, basierend auf genauen Berechnungen des Lichteinfalls, die ersten PH-Leuchten (benannt nach seinen Initialen), die dank unterschiedlich großer Lampenschirme aus Metall blendfreies, sehr sanftes Licht abgeben. Im selben Jahr beginnt er die Zusammenarbeit mit der dänischen Firma Louis Poulsen, für die er sich in den Folgejahren nicht nur als Designer, sondern auch als Redakteur betätigt. 1925 gewinnt er mit seinen PH-Leuchten die Goldmedaille der Pariser Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes. Später folgen Modelle mit mattiertem Glas.

 

Auf diesem Bild wurde die PH 5 Classic über einem Esstisch montiert, den sie in wohliges Licht taucht.
Hier verwöhnt die PH 5 Classic, gehalten in klassischem Weiß, einen Esstisch mit sanftem Licht.

1958, nach vielen Jahren der Weiterentwicklung, hat Poul Henningsen seine heute legendäre Pendelleuchte PH5 (die „5“ steht für den 50-cm-Durchmesser des größten Schirmsegments) zur Marktreife gebracht. Die Konstruktion dieser Leuchte mit drei Schirmen, die nun aus Aluminium gefertigt werden, basiert auf genauen Berechnungen des Lichteinfalls. Dabei bedient sich Poul Henningsen der Mathematik: Ein System aus drei Schirmen bildet eine logarithmische Spirale, in dessen Brennpunkt das Leuchtmittel platziert wird. So wird das Licht so reflektiert, dass es mehrheitlich nach unten abstrahlt – und dies aus allen Blickrichtungen 100% blendfrei. Gleichzeitig strahlt die PH 5 sanft-diffus zu den Seiten. Dazu gewährleiten farbliche Lackierungen auf den Innenseiten der Schirme eine warme Lichtabgabe.

 

Dieses beim Louis-Poulsen-Werksbesuch aufgenommene Bild veranschaulicht die akkurate Berechnung von PH-Leuchten
Die Schirmproportionen eines jeden PH-Modells werden genau berechnet, um für die erwünschte Lichtwirkung zu erzielen.

Bis zum heutigen Tag fertigt Louis Poulsen die PH-Leuchten streng nach den Originalaufzeichnungen von Poul Henningsen. Bei unserem Werksbesuch im Jahr 2015 konnten wir uns persönlich davon überzeugen, wie akkurat das legendäre Dreischirmsystem je nach PH-Ausführungen berechnet wird, um die gewünschte behagliche Lichtwirkung zu erzielen.

 

 

Poul Henningsen: PH-Sonderausgaben

Auf diesem Bild ist die Louis Poulsen PH 50 zu sehen, die zum 50-jährigen Jubiläum der PH-Leuchte in neuen Farbvariationen erschien.
Die PH 50 ist eine Sonderedition zu Ehren des 50-jährigen Jubiläums der PH-Leuchte

Im Zuge der Jahrzehnte entwickelte sich die PH 5 von Poul Henningsen zu einer der populärsten Pendelleuchten der Welt. Zum 50-jährigen Jubiläum der PH 5 legte Louis Poulsen im Jahr 2008 mit der PH 50 eine nasslackierte, hochglänzende Geburtstagsedition auf. Diese ist technisch unverändert, kommt aber nun in frischen Farben wie u. a. Grün, Blau und Rot.

 

Dieses Bild zeigt die vier neuen Contemporary-Ausführungen der PH Pendelleuchte
Die PH 5 Contemporary präsentierte sich 2013 in vier weiteren „zeitgemäßen“ Farbausführungen.

2013 veröffentlicht Louis Poulsen die PH 5 Contemporary – in weiteren vier Farbvariationen, die sich im Unterschied zur Jubiläumsausgabe mit matten Oberflächen präsentiert. Dadurch erhalten diese Leuchten einen zusätzlichen Hauch von Geschmeidigkeit. Dieses Mal präsentieren sich die PH-Pendelleuchten in trendigen, namensgebend zeitgemäßen Ausführungen wie etwa Nato-Grün, das den Retro-Charme des PH-Designs unterstreicht. Verbindendes Detail bei diesen Modellen sind die Abstandshalter in warmer Bronze-Optik.

 

Die PH 3½-3 Pendelleuchte ist eine weitere Sonderausgabe der PH-Leuchte von Poul Henningsen, die sich mit einer Aufhängung aus Messing präsentiert.
Die PH 3½-3 Pendelleuchte, mit nostalgischer Messing-Aufhängung, erschien anlässlich des 120. Geburtstags von Poul Henningsen.

2014, anlässlich des 120. Geburtstags von Poul Henningsen, erscheint die PH 3½-3 Pendelleuchte. Sie stellt eine besondere Reminiszenz an den ursprünglichen Entwurf von Poul Henningsen dar – mit einer Aufhängung in edlem Messing, die den nostalgischen, zugleich aber zeitlosen Look dieser Pendelleuchte unterstreicht. Die PH 3½-3 zeigt sich in den Ausführungen Grün, Gelb, Rot und Weiß. Als besonderes Merkmal weist sie eine gerollte und weiß lackierte Kante auf, die der vertrauten Optik der PH eine zusätzliche Nuance verleiht.

 

 

 

Die PH von Poul Henningsen: eine große Familie

Inzwischen wurde das Werk von Poul Henningsen zu einer großen PH-Familie erweitert. Die Schirme der PH 3½-2½ Stehleuchte werden im Unterschied zu den Pendelleuchten nicht aus Aluminium, sondern aus mundgeblasenem, dreischichtigem Opalglas gefertigt. Dieses ist außen glänzend und innen sandgestrahlt, wodurch es das Licht besonders weich und harmonisch verteilt. Tischleuchten wie die PH 3/2 oder Wandleuchten wie die PH 2/1 , die das Licht ebenfalls über ihre Schirme aus Opalglas gemütlich streuen, setzen das Konzept der absolut blendfreien Beleuchtung in anderen Bereichen des Raums fort.

Dieses Bild zeigt die Pollerleuchte Louis Poulsen PH 3-2½ auf einem Steg am Wasser.
Die Pollerleuchte PH 3-2½ bringt das Verwöhnlicht der Kultleuchte nach draußen, hier auf einem Steg am Wasser.

Eine wetterfeste Interpretation für den Einsatz unter freiem Himmel ist die Louis Poulsen PH 3-2½ Pollerleuchte . Bei dieser Variante werden sowohl die Schirme als auch der Poller aus hochwertigem, pulverbeschichtetem Edelstahl gefertigt. So transportiert diese Variante das unnachahmlich sanfte Licht einer PH-Leuchte in den Außenbereich.

 

Die Louis Poulsen PH Artichoke bietet absolut blendfreies Licht und fungiert durch ihr organisches Design als unwiderstehlicher Blickfang
Die PH Artichoke beeindruckt mit einem Schirm aus lasergeschnittenen „Schuppen“, die ihr eine organische Anmutung verleihen.

Das Prinzip der perfekten Winkel setzte Poul Henningsen auch bei der PH Artichoke ein. Diese faszinierenden Pendelleuchten, erhältlich in vielen Varianten, haben ein Gerüst aus Stahlbögen, um die ein „Kleid“ aus schuppenförmigen, lasergeschnittenen Eisen-Plättchen gelegt wird. Dieses Design verleiht diesen Leuchten nicht nur eine herrlich organische Anmutung, ein Beiname der Artichoke ist „Zapfen“, sondern auch vielfach reflektiertes, erneut 100%ig blendfreies Licht. Mit welchem Aufwand die Artichoke tatsächlich gefertigt wird, erfuhren wir während unseres Besuches bei Louis Poulsen. Die einzelnen „Schuppen“ werden einzeln in Handarbeit an den Korpus der Leuchte montiert.

 

Die sakral anmutende Pendelleuchte Louis Poulsen PH Artichoke wurde ursprünglich für eine Kirche entworfen.

Sie wurde für eine Kirche entworfen: die PH Louvre

Die Louvre ist eine weitere Variation der PH-Leuchten. Diese Pendelleuchte entwarf Poul Henningsen im Jahr 1957 für die Kirche der Adventisten in Skodsborg , was ihre dezent sakrale Optik erklärt. In diesem Fall erreichte Henningsen die ideale Entblendung des Lichts durch die verschachtelte Anordnung von 13 Schirmelementen aus weiß lackiertem Metall. Fixiert werden sie von vier vermessingten Verbindungsstäben. Durch die Kombination aus mattierten Innen- und glänzenden Außenflächen erstrahlt die Louvre in einem nuancierten Licht.

 

 

 

 

Dieses Bild zeigt das Multitalent Poul Henningsen beim Schreiben auf einer Schreibmaschine
Auch das Schreiben von kritischen Texten gehörte zu den Tätigkeitsbereichen des vielseitig talentierten Poul Henningsen.

Selbstverständlich ist es kaum möglich, einer vielschichtigen Legende wie Poul Henningsen in einem Beitrag gerecht zu werden, dafür war sein Betätigungsfeld einfach zu umfangreich. Mit einem Abriss aus seinem Leben und der Vorstellung seiner Leuchten lag unser Fokus vornehmlich auf seinem Schaffen als Leuchtendesigner. So hoffen wir, zumindest eine Facette im Wirken des Poul Henningsen ausgeleuchtet zu haben und somit Ihr Interesse für diese Lichtgestalt des dänischen Designs ein wenig geweckt zu haben.

Sie interessieren sich für das Wirken und Schaffen eines bestimmten Designers? Schreiben Sie uns eine Nachricht oder einen Kommentar, über welchen Designer Sie gern als nächstes in unserer Rubrik „Designer im Spotlight“ lesen möchten.


 

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