Michael Raasch – Designer im Interview

 

Das zusammengesetzte Bild zeigt zwei Motive. Links Designer Michael Raasch vor schwarzem Hintergrund. Im rechten Bild schwebt die Pendelleuchte über einem eleganten Konferenztisch.

Der diplomierte Designer Michael Raasch entwickelt Leuchten, Möbel und Accessoires. Verbindendes Element seiner Objekte ist ein übergreifender, ganzheitlicher Gestaltungsansatz. So entstehen Kollektionen, deren Produkte untereinander kombinierbar sind und sich perfekt ergänzen. Wir trafen Michael Raasch auf der diesjährigen Light + Building 2016 in Frankfurt und plauderten mit ihm über seine Tätigkeit als Designer, seine Kooperation mit dem deutschen Premium-Hersteller Steng Licht und über seine neue LED-Pendelleuchte Prolong.

 

Im Gespräch mit Michael Raasch

lightMAG: Herr Raasch, vielen Dank für Ihre Zeit. Unsere erste Frage: Sie pflegen eine holistische Herangehensweise an das Thema Design. Ihre Produkte sind untereinander kombinierbar und ergänzen sich. Wo setzen Sie an, um diesen ganzheitlichen Charakter Ihrer Objekte zu realisieren? Oder anders gefragt: Wie schafft man es, dass die Produkte so gut miteinander harmonieren?

Michael Raasch: Hinter allen Produkten, die ich gestalte steckt eine ganz einfache Philosophie. Es ist meine Suche nach dem Essentiellen mit überraschend einfachen Lösungen. Dies kombiniert mit einer klaren Formensprache ist das verbindende Element.

 

Die Aufnahme zeigt Designer Michael Raasch (2. v.l.) mit Florian Felgenhauer (l.) und Linda Mac Nelly von light11. Rechts im Bild: Torsten Alberts, Handelsvertreter von Steng Licht. Am Stand von Steng Licht auf der Light + Building 2016 trafen wir auf Designer Michael Raasch (2. v.l.)

lightMAG: Wann haben Sie sich entschieden, den Beruf des Designers zu ergreifen? War es immer Ihr Wunsch, schöpferisch tätig zu sein?

Michael Raasch: Schöpferisch tätig zu sein ist in der Tat schon immer mein Wunsch und ich finde es nach wie vor faszinierend, wenn man am Anfang eines Designprozesses steht, und oft noch nicht weiß, wie das Ergebnis aussehen wird. Ich habe vor dem Designstudium unterschiedliche Studienfächer ausprobiert, u.a. Raumfahrttechnik und freie Kunst. Gegensätzlicher könnte es nicht sein... aber es hat mich zu dem Entschluss gebracht Design zu studieren. Im Design geht es auch oft um Gegensätzlichkeit, um kreative Lösungen zwischen formalen und technischen Abwägungen.

lightMAG: Gab es einen alternativen Berufswunsch? Welche Laufbahn hätten Sie eingeschlagen, wenn Sie nicht Designer geworden wären?

Michael Raasch: Ich wäre dann wohl Künstler oder Flugzeugingenieur geworden...

lightMAG: Gibt es für Sie ein typisch „Deutsches Design“? Wenn ja: Wie würden Sie dieses charakterisieren?

Michael Raasch: Ich glaube, pauschal kann man das nicht beantworten. Es gibt sicherlich deutsche Markenunternehmen, die für hohe Designqualität stehen und ein Aushängeschild für Deutsches Design sind. Ob das Design aber typisch deutsch ist, glaube ich nicht.

lightMAG: Sie gestalten Leuchten, Möbel und andere Einrichtungsgegenstände. Wie sehr unterscheidet sich der Designprozess von Möbeln vom jenem einer Leuchte? Ist es eine besondere Herausforderung, eine Leuchte zu gestalten?

Michael Raasch: Eine Leuchte hat eine besondere Herausforderung, da das Licht ein zusätzliches Gestaltungselement ist. Eine Leuchte sollte als Skulptur in eingeschaltetem, aber auch in ausgeschaltem Zustand gut aussehen. Dann gilt es natürlich noch, die lichttechnischen Herausforderungen wie Leuchtmittelwahl, Entblendung und Wärmeentwicklung zu berücksichtigen.

 

„Das Design hat sich aufgrund der LED-Technologie fundamental geändert […]“

 

 

lightMAG: Wie hat sich das Design im Bereich Beleuchtung in den vergangenen Jahren verändert? Erkennen Sie Trends? Und spielen Trends und Moden eine Rolle für Ihre Arbeit?

Michael Raasch: Das Design hat sich aufgrund der LED-Technologie fundamental geändert, wohl stärker als bei allen anderen Einrichtungsgegenständen. Es gibt viele Trends, wichtig ist es zu verstehen, welche Einflüsse diese auf unser Verhalten haben und wie wir sie beim Designprozess interpretieren. Als Inspirationsquelle finde ich Trends wichtig.

 

Das Motiv zeigt zwei Ausführungen der farbenfrohen Titania Pendelleuchte sowie eine Titania Stehleuchte. Michael Raasch schätzt die Titania von Luceplan für ihr skulpturales Erscheinungsbild

lightMAG: Was macht für Sie eine gelungene Leuchte aus? Gibt es für Sie die „perfekte Leuchte“?

Michael Raasch: Ich werde nie vergessen, als ich mir als Student die erste Designerleuchte „Titania“ von Luceplan gekauft habe. Diese Leuchte kam damals gerade auf den Markt und ist eine konstruktive Skulptur die sich über Licht inszeniert. Ich glaube das macht eine perfekte Leuchte aus, wenn sie als funktionale Skulptur das Licht auch als Gestaltungselement einsetzt. Es gibt natürlich sehr viele, sehr schöne Beispiele dafür.

lightMAG: Der deutsche Hersteller Steng Licht vertreibt eine Kollektion Ihrer Leuchten unter dem Label „Michael Raasch by Steng“. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Steng Licht?

Michael Raasch: Ich habe die Leuchten-Kollektion ursprünglich als Eigenmarke "MICHAEL RAASCH" im Markt platziert. Die Idee war es, eine moderne, aufeinander abgestimmte Schirmleuchten-Kollektion zu entwickeln, bei der die Produkte einen hohen Designanspruch mit interessanten Funktionen kombinieren. Die Kollektion ist dann sehr schnell gewachsen und so etwas bindet viel Zeit, so dass dann nicht mehr viel Raum für Kreativität bleibt. Über Stefanie Hering (eine deutsche Designerin und Keramikmeisterin, Anm. d. Red.) bin ich dann an Andreas Steng geraten und er hatte großes Interesse an der Kollektion. Wir haben uns sofort gut verstanden und ich fand die Idee auch sehr charmant, meine Produkte über Steng Licht zu vermarkten. So kam dann eins zum anderen und ich habe dann gleich noch den gesamten Firmenauftritt von Steng Licht neu gestaltet.

 

 

lightMAG: Die Leuchte „Loft Pipe“ hat ein berühmtes Vorbild, erinnert sie doch in ihrer Funktion an Achille Castiglionis zeitlosen Klassiker Parentesi. Ist Loft Pipe als Hommage an das Werk Castiglionis zu verstehen?

Michael Raasch: Ja das ist eine Hommage an Castiglioni und eine Interpretation als Schirmleuchte.

 

„Für mich ist Castiglioni der Archetyp eines Designers […]“

 

lightMAG: Schätzen Sie die Arbeit von Achille Castiglioni? Gibt es weitere Designer, deren Werk Sie besonders mögen?

Michael Raasch: Für mich ist Castiglioni der Archetyp eines Designers, der ähnlich wie ein Journalist arbeitet und so lange recherchiert, bis eine Idee auf den Punkt gebracht ist. Eine Idee, die eigentlich auf der Hand liegt, aber überrascht, anders ist; mit Humor und etwas Selbstironie.

 

Die Stick Stehleuchte vor schwarzem Hintergrund. Die Aufnahme deutet an, wie sich die Leuchte einstellen lässt.Bewegungskünstler: Die Stick Leuchten warten mit einstellbarem Neigungswinkel auf

lightMAG: Die Leuchtenfamilie „Stick“ besticht durch filigrane Formen, klassischen Look und überraschende Funktionalität. Wie kam es zur Idee für die Stick-Kollektion?

Michael Raasch: Die Idee fing eigentlich bei dem Fuß an. Ich hatte dann sehr schnell ein einfaches Modell gebaut und herum experimentiert. Dann habe ich verschiedenen Schirmformen ausprobiert und der konische Schirm passte am besten zu der „schrägen Idee“...

 

Das Bild zeigt Designer Michael Raasch am Messestand von Steng Licht auf der Light + Building 2016.

Michael Raasch erläutert uns die Funktionen der Prolong Pendelleuchte

lightMAG: Neu im Sortiment von Steng Licht ist Ihre Leuchte Prolong, eine ausziehbare LED-Pendelleuchte mit schlanker Silhouette. Erzählen Sie uns von Prolong. Was ist das Besondere an dieser Leuchte?

Michael Raasch: Das Besondere ist, das die Leuchte eigentlich nur aus zwei identischen, schlanken Profilen besteht, die gegeneinander positioniert und miteinander über einen Clip verbunden werden – ganz einfach. Die Profile können stufenlos auf jede gewünschte Länge verschoben werden. Die hochwertig gefrästen Kunststoff-Gleitgehäuse, welche die Profile halten, sind transparent und sorgen so für einen zusätzlichen und sehr raffinierten Lichteffekt. Das Design ist sehr minimalistisch und mit reduzierten Details ausgestattet. Im Raum wirkt die Leuchte aufregend unauffällig. Das Wesen dieser Leuchte ist auf ein Minimum reduziert, um ein Maximum an Funktionalität zu erreichen.

 

Am Stand von Steng Licht auf der Light + Building 2016 konnten wir die Pendelleuchte Prolong begutachten.Schlanke Linie: Prolong besticht durch ihre filigrane Formensprache und effizientes LED-Licht

lightMAG: Prolong arbeitet mit LED-Technik. Wie beurteilen Sie die LED hinsichtlich ihrer Lichtqualität? Gibt es noch Nachteile im Vergleich zur Glüh- und Halogenlampe?

Michael Raasch: Die Lichtqualität ist mittlerweile so gut, dass es schwer fällt einen Unterschied zu sehen. Die Kühlung und die noch teilweise hohen Kosten sind noch etwas unvorteilhaft, wenn man sich jedoch die Lebensdauer, Leistung und Energieeffizienz der LED ansieht, sind dies schlagende Argumente.

lightMAG: Stichwort: Glühlampenausstieg. Fehlt Ihnen als Designer die Glühlampe?

Michael Raasch: Nicht wirklich, Gaslaternen gibt es ja auch keine mehr...und wir haben heute mehr Möglichkeiten als je zuvor.

 

Auf dem Bild ist die Stehleuchte Loft Pipe neben zwei stilvollen Designersesseln zu sehen.

Die Loft Stehleuchte besticht durch ihren Schirm aus Polycotton

lightMAG: Ein wiederkehrendes Element in Ihren Leuchten ist die Verwendung von Textilien für den Schirm. Was ist das besondere an Stoffen und Textilien im Zusammenspiel mit Licht? Stehen ästhetische oder funktionale Gründe im Vordergrund?

Michael Raasch: Das Material Polycotton hat eine schöne Lichtwirkung und strahlt eine gewisse Wärme aus. Außerdem kann man mit den Textilien sehr schön Farbakzente umsetzten, so dass die ästhetischen Gründe hier im Vordergrund liegen.

lightMAG: Unsere letzte Frage: Gibt es ein Objekt, das Sie gerne einmal gestalten würden? Welches Objekt wäre dies und wie sähe es aus?

Michael Raasch: Ich würde gerne ein Hotel gestalten. Die Auseinandersetzung mit einem Ort, in dem man auf Zeit zu Hause ist, finde ich sehr spannend. Wenn Sie mich fragen wie es aussehen würde, könnte ich dies nicht beantworten. Ich würde mir wahrscheinlich zunächst Gedanken über die Zeit machen, die man in einem Hotel verbringt, und vor allem wie man sie verbringt.

lightMAG: Herr Raasch, wir bedanken uns vielmals für das Gespräch.

 

 

Michael Raasch – Zur Person

Das Bild zeigt Designer Michael Raasch im Portrait vor weißem Hintergrund.

Michael Raasch absolvierte ein Design-Studium an der Hochschule in Offenbach

Michael Raasch wurde 1967 in Wiesbaden geboren. Er studierte Design an der Hochschule für Kunst und Design in Offenbach und machte 1994 sein Diplom. Wie er uns im Interview verriet, versuchte er sich zuvor in überaus gegensätzlichen Studienfächern wie Raumfahrttechnik und Kunst. Nach dem Studium gründete er 1996 gemeinsam mit dem Industriedesigner Heinrich Fiedeler das Designstudio Fiedeler & Raasch. Seit 2002 betreibt Michael Raasch sein eigenes Designstudio in der hessischen Stadt Taunusstein, nur unweit von seinem Geburtsort Wiesbaden gelegen.

 

 

 

 

Das Motiv zeigt die Stick Stehleuchte vor weißem Hintergrund. Hinter der Leuchte ist ein weißes Designer-Sofa zu sehen.Die Stick-Leuchtenkollektion von Michael Raasch wird exklusiv von Steng Licht vertrieben

Die Arbeiten von Michael Raasch umfassen Objekte für so namhafte Auftraggeber wie WMF, Leonardo, Flötotto oder Ligne Roset. Für die beiden letztgenannten kreierte er Leuchten, ebenso wie für e15, Anta und natürlich Steng Licht. Die Kooperation mit dem deutschen Traditionsunternehmen Steng Licht – der Leuchtenhersteller aus Stuttgart kann auf mehr als hundert Jahre Firmenhistorie zurückblicken – ist überaus erfolgreich. Heute vertreibt Steng Licht exklusiv eine Kollektion aus der Feder des deutschen Designers unter dem Namen „Michael Raasch by Steng“.

 

Wie im Interview bereits thematisiert, pflegt Michael Raasch eine holistische Herangehensweise an das Thema Design. Seine Produkte sind in puncto Optik und Funktionalität aufeinander abgestimmt und ergänzen sich zu stimmigen Produktfamilien. Überaus deutlich wird dieser ganzheitliche Anspruch an das Thema Design an der Loft-Familie, die Michael Raasch für Steng Licht gestaltete. Diese umfasst, neben der bereits erwähnten Loft Pipe, noch einige weitere Leuchten sowie den Beistelltisch Loft Table und das beleuchtete Wandregal Loft Stripe. Die Produkte harmonieren perfekt miteinander, so dass beliebige Kombinationen mit den Werken der Loft-Familie denkbar sind. Ganzheitliches Design at it´s best – typisch Michael Raasch eben.


 

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