Michael Anastassiades — Der Flos-Designer im Exklusiv-Interview

Die Kabelverbindungen der Flos String Light mit zwei konisch geformten Leuchten wurden quer durch den Raum gespannt, wodurch eine optische Trennung des Raumes erkennbar wird.

Der Name Flos ist eng verbunden mit den ganz großen Namen der Designszene. Ikonen wie Achille Castiglioni und Tobia Scarpa begleiteten das italienische Premium-Label bereits seit den ersten Tagen. Im Laufe der Jahre gesellten sich Entwürfe so bekannter Designer wie Philippe Starck, Marcel Wanders oder Patricia Urquiola zum beeindruckenden Sortiment von Flos. Der junge, zypriotische Designer Michael Anastassiades zählt zu den jüngsten Neuzugängen im Ensemble der Flos Designer. Im lightMAG-Exklusiv-Interview stellte sich Anastassiades unseren Fragen rund um die Themen Licht und Design.

 

Der Designer Michael Anastassiades im Portrait vor schwarzem Hintergrund

Designer Michael Anastassiades im Portrait

Nachdem wir im letzten Teil unserer Interview-Reihe bereits ausgiebig mit Stardesigner Marcel Wanders plauderten, stand uns diesmal Michael Anastassiades Rede und Antwort. Im exklusiven Interview, das uns freundlicherweise von der Firma Flos vermittelt wurde, sprachen wir mit Anastassiades über seine Inspiration, den Beitrag des Lichts zur Innenarchitektur und was die Arbeit mit LEDs statt mit Glühlampen für ihn als Designer bedeutet. Im Anschluss werfen wir noch einen Blick auf die Person Michael Anastassiades und stellen seine Werke für Flos im Detail vor.

 

 

 

lightMAG: Herr Anastassiades, die meisten Ihrer Arbeiten zeugen von einem sehr elaborierten, künstlerisch anmutenden Charakter. Wie wichtig ist Kunst während der Entwurfsphase eines Anastiassiades-Objekts? Inwieweit beeinflusst das Thema Kunst Ihre Arbeit?

Michael Anastassiades: Die Kunst ist eine große Inspiration für mich. In der Arbeit eines jeden Künstlers stecken künstlerische Freiheit und Frische – etwas, das in rein zweckorientierten Arbeiten eher selten oder gar nicht existent ist.

lightMAG: Die IC Lights-Familie erinnert an die Bauhaus-Ära. Bedeutet das Bauhaus eine Inspiration für Sie? Gibt es andere Epochen oder Stilrichtungen, die ihre Arbeit beeinflussen?

Michael Anastassiades: Ich sehe meine Arbeit nicht von einer bestimmen Ära beeinflusst. Aber sicherlich hat das Bauhaus viele moderne Ansätze in signifikanter Weise geprägt.

 

Der Designer Michael Anastassiades steht neben seiner Schöpfung, der Flos String Light.

Michael Anastassiades mit seiner Schöpfung String Light

lightMAG: Mit der Flos String Light haben Sie eine Leuchte entworfen, die auf den Betrieb mit LEDs ausgelegt ist. Wie sehen Sie die Zukunft der Beleuchtung im Kontext zu neuen Leuchtmitteln? Wird es die LED, die OLED oder eine völlig andere Lichtquelle sein?

Michael Anastassiades: Der LED gehört eindeutig die Zukunft. Es hat in den letzten Jahren bereits erstaunliche Entwicklungen gegeben. Trotzdem glaube ich, dass es noch vieler weiterer Entwicklungsschritte bedarf, um die verloren gegangenen Eigenschafen der ausgemusterten Leuchtmittel zu ersetzen.

 

 

 

lightMAG: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen bezüglich LED-Lampen? Betrachten Sie – als Designer – die LED eher als Einschränkung oder Bereicherung?

Michael Anastassiades: LEDs sollten eindeutig als Herausforderung denn als Einschränkung gesehen werden. Doch es wäre wünschenswert gewesen, frühzeitig auf die Hersteller von Glühlampen einwirken zu können.

 

Ein Trio aus klassischen Glühlampen vor weißem Hintergrund

Den Verlust der klassischen Glühlampe durch die EU-Gesetze betrachtet Anastassiades zwiespältig

lightMAG: Wie denken Sie über das Verbot der herkömmlichen Glühlampe durch die EU? Ist es ein guter Ansatz, den Energieverbrauch zu senken? Bedeutet der Verzicht auf die Glühlampe einen Verlust für Sie als Designer?

Michael Anastassiades: Jede Abschaffung geht mit einem Verlust einher. Und zwar dahingehend, dass keine neue Technologie die alte wird 1:1 ersetzen können. Dies muss nicht unbedingt als etwas rein Negatives betrachtet werden. Trotzdem lastete aufgrund der verfrüht abgeschafften Lampen plötzlich ein großer Druck auf vielen Herstellern, schnell neue Alternativen zu entwickeln. Die Herausforderung besteht nicht primär im Ersetzen des Abgeschafften, sondern vielmehr in der Konzeption neuer Ansätze bei der Entwicklung von Lichtquellen. Ich möchte daran glauben, dass die LED-Beleuchtung den Energiekonsum reduzieren wird, aber ich bin mir ebenfalls sicher, dass diese Entwicklung auch Nachteile mit sich bringen wird.

 

lightMAG: Flos ist bekannt dafür, mit den bekanntesten Designern der Welt zu arbeiten. Wie z. B. Achille Castiglioni, Philippe Starck oder Marcel Wanders. Welcher dieser Designer oder Künstler beeinflusst Ihr Wirken? Haben Sie ein Vorbild?

Michael Anastassiades: Obwohl ich mich durchaus an vielen Künstlern und Designern orientiere, habe ich kein bestimmtes Vorbild. Ich vertrete die Ansicht, dass Design etwas Individuelles sein sollte.

lightMAG: Wie sehr unterscheidet sich z. B. der Designprozess von Möbeln vom jenem einer Leuchte?

Michael Anastassiades: Eine Leuchte zu entwerfen ist ein völlig unterschiedlicher Prozess, da man sich das Objekt in zwei verschiedenen Szenarien vorstellen muss: in ein- und ausgeschaltetem Zustand. Ersteres Szenario wirkt komplett anders im visuellen Raum, in dem sich die Leuchte befindet. Es gilt, die Wirkung der Lichtquelle mitsamt ihres Schatteneffekts auf das übrige Interieur zu berücksichtigen.

 

Zwei Exemplare der Deckenleuchte IC Lights C1 reflektieren sich in einer verspiegelten Oberfläche.

Gute Beleuchtung ist für Anastassiades fundamental für die Innenarchitektur

lightMAG: Wie wichtig ist gute Beleuchtung für die Innenarchitektur eines Raumes?

Michael Anastassiades: Sie ist fundamental. Eine Einrichtung kann ohne Licht – ob natürliches oder künstliches – nicht existieren. Gute Beleuchtung wertet einen Raum auf, schlechte kann sie ruinieren.

lightMAG: Gibt es ein Unternehmen oder eine bestimmte Marke in der Leuchtenbranche, mit dem/der Sie gerne arbeiten würden?

Michael Anastassiades: Durch die Zusammenarbeit mit Flos bin ich diesbezüglich wunschlos glücklich.

 

 

 

lightMAG: Wir sind fasziniert von der Social und Anti-Social Light. Welche Idee steckt hinter diesen außergewöhnlichen Objekten?

Michael Anastassiades: Ich interessiere mich für die psychologische Ebene zwischen Objekt und Nutzer. Die Social und Anti-Social Light interpretiert eine bestimmte Art von Abhängigkeit. Letztere leuchtet erst bei totaler Stille, die Social Light benötigt die Kommunikation, um zu strahlen. Man muss also die besondere Charakteristik dieser Objekte respektieren, um sie zum Leuchten zu bringen. In diesem Fall entwickelt sich die Leuchte quasi zu einem Partner, bei dem man sich "aussprechen" kann.

lightMAG: Herr Anastassiades, wir bedanken uns sehr herzlich für das Gespräch.

 

 

Michael Anastassiades – Zur Person

Michael Anastassiades wurde 1967 in Zypern geboren. Sein beruflicher Werdegang begann mit einem Studium des Bauingenieurwesens und des Industriedesigns am Royal College of Art in London. Bereits 1994, im Alter von 27 Jahren, gründet er sein eigenes Studio unter seinem Namen. Es folgen vor allem Kleinserien in limitierten Auflagen, die heute auf Kunstauktionen hohe Preise erzielen. Ab 2007 orientiert sich Anastassiades neu und reist um die Welt, um kleine Familien-Fabriken zu besuchen, die ihm geeignet scheinen, seine außergewöhnlichen Objekte in Serie zu fertigen. Seit 2014 ist er als Designer für das italienische Traditions-Label Flos tätig.

 

Designer Michael Anastassiades betrachtet Objekte in einem Regal. Hinter ihm ist die Flos String Light mit runder Sfera Leuchte zu sehen.

Der Stil Anastassiades bewegt sich zwischen Kunst und Design

Der Stil von Michael Anastassiades lässt sich nicht auf einige Schlagworte reduzieren. Seine Entwürfe bewegen sich irgendwo zwischen Industriedesign und bildender Kunst. Seine Werke sind gleichzeitig trügerisch einfach gehalten, aber von einer minutiösen Akribie geprägt. Der Großteil der von Anastassiades entwickelten Objekte entfällt auf den Bereich der Beleuchtung. Hier arbeitet er gern mit klaren Formen und Strukturen, die dazu in der Lage sind, architektonische Bereiche im Raum optisch voneinander abzugrenzen. Als Werkstoffe wählt Anastassiades häufig reflektierendes Material, wie verspiegeltes Glas oder polierte Metalle. Durch die Reflexionen auf den Oberflächen „verbinden“ sich die Objekte mit dem Raum und tragen dazu bei, den Raum zu strukturieren.

 

 

 

Michael Anastassiades – Design-Highlights für Flos

Die Kabelverbindungen der Flos String Light von Michael Anastassiades sind in einem komplexen Muster in einem Wohnraum arrangiert.

Durch die Kabelverbindungen verschmelzen die String Lights regelrecht mit dem Raum

Für Flos gestaltete Michael Anastassiades 2014 gleich zwei aufsehenerregende Neuheiten. Die Flos String Light präsentiert sich als gänzlich neues Beleuchtungs- und Designkonzept. Zentrales Gestaltungselement sind die Kabelverbindungen, die „Strings“. Diese lassen sich auf vielfältige Weise im Raum arrangieren. Geometrische Muster, komplex verschachtelte Strukturen oder Gitternetze – Kreative können sich bei der Raumgestaltung mit der String Light regelrecht austoben. Gleichzeitig kann durch die gezielte Anordnung der Kabelverbindungen eine optische Trennung einzelner Raumbereiche vorgenommen werden. Ein typisches Element für die Beleuchtungsobjekte von Michael Anastassiades. Insbesondere in größeren Räumen fungiert die Flos String Light somit nicht nur als Lichtspender, sondern integriert sich als strukturierendes Element in die Innenarchitektur.

 

String Light ist mit zwei verschiedenen Köpfen erhältlich, die mit jeweils unterschiedlich geformtem Diffusor ausgestattet sind, wahlweise als kugelförmige Sfera oder als konisch geformte Cono. Die Montage erfolgt entweder über einen Baldachin, für den ein Elektroauslass an der gewünschten Stelle erforderlich ist, oder über den praktischen Bodenschalter, der dank Schuko-Stecker an jede Steckdose angeschlossen werden kann. Die String Lights arbeiten mit LEDs der neuesten Generation. Mit einem Energieeinsatz von lediglich 26 Watt pro Leuchte wird eine Lichtmenge von über 1.900 Lumen erzielt – mehr Licht als eine 100 Watt Glühlampe zu erzeugen vermag. Darüber hinaus bestechen die verbauten LED-Module mit warm-weißer Lichtfarbe und einer guten Farbwiedergabe von Ra=90.

 

Die Pendelleuchte IC Light S1 schwebt eleganz an der Decke. Im gegenüberliegenden Spiegel zeichnet sich das Spiegelbild der eleganten Leuchte von Michael Anastassiades ab.

Die gläserne Sphäre scheint auf magische Weise am Gestell zu schweben

Auch die IC Lights, die ebenfalls zu den Flos Neuheiten von 2014 zählen, gehen auf einen Entwurf von Anastassiades zurück. Mit edlen Oberflächen in Messing oder Chrom und der Sphäre aus satiniertem Glas weckt diese Leuchtenfamilie Assoziationen mit den exklusiven Beleuchtungsobjekten der Bauhau-Ära. Die Sphäre ist lediglich auf kleiner Fläche mit dem Gestell verbunden und scheint auf beinahe magische Weise über dem Gestell zu schweben. Mit ihrer minimalistischen Komposition und den edlen Werkstoffen schlagen die IC Lights gekonnt eine Brücke zwischen anspruchsvollem Beleuchtungs- und stilvollem Kunstobjekt mit Blickfang-Garantie. Als Inspiration für die IC Lights diente Michael Anastassiades die Beobachtung eines Jongleurs, der einige Kugeln über Arme und Fingerspitzen tanzen ließ. Diese Dynamik, die fließenden Bewegungen wollte Anastassiades mit den IC Lights aufgreifen.

 

Die Stehleuchte Flos IC Lights F in zwei Größen vor einer grauen Wand, die stellenweise mit Holz verkleidet wurde.

Die Stehleuchten der IC Lights Serie erinnern an den aufgehenden Mond

Die IC Lights sind in verschiedenen Ausführungen zu haben, darunter Pendel-, Tisch-, Wand- und Stehleuchten. Verbindendes Element aller IC Lights ist die Sphäre, die in traditionellen handwerklichen Verfahren aus mundgeblasenem Glas entsteht. Durch die Sphäre erfährt das Licht der IC Lights eine breite Streuung und wird sanft und gleichmäßig in den Raum abgestrahlt. Die Steh- und Tischleuchten der IC Lights-Familie verfügen über einen integrierten Dimmer, mit dem sich die Helligkeit spielend leicht an die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt. Die Pendelleuchten lassen sich über einen externen Dimmer steuern.

Leuchten von Michael Anastassiades ansehen

 

 


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