Mathias Hahn — Designer im Interview

Mathias Hahn ist der Schöpfer der Scantling- und Theia-Familie für den spanischen Hersteller Marset.Der deutsche Design­er Math­ias Hahn lebt und arbeit­et seit mehr als zehn Jahren in Lon­don. Seine Arbeit­en wur­den bere­its mehrfach mit renom­mierten Design­preisen und -awards aus­geze­ich­net. Hahn gestal­tet Möbel, Küchen- und Ein­rich­tungs­ge­gen­stände und natür­lich Leucht­en. Für den spanis­chen Pre­mi­um-Her­steller Marset ent­warf Math­ias Hahn zulet­zt die auf­se­hen­erre­gende Theia-Kollek­tion. Wir sprachen mit Math­ias Hahn über seine Lon­don­er Wahlheimat, seine Gedanken zum The­ma Licht und seine Koop­er­a­tion mit Marset.

 

light­MAG: Herr Hahn, wir freuen uns sehr, dass Sie sich die Zeit nehmen, um uns einige Fra­gen zu beant­worten. Sie leben und arbeit­en seit eini­gen Jahren in Lon­don. Ein gutes Umfeld für Design­er?

Math­ias Hahn: Ich bin mit­tler­weile seit 13 Jahren hier und denke nach wie vor, dass Lon­don eine sehr bre­it gefächerte und inter­es­sante kul­turelle Szene bietet. Die Unter­schiede und die Vielfalt, der man hier begeg­net, schätze ich sehr.

 

Die Scantling Stehleuchte hat sich als gelungener Entwurf erwiesen.

Ein Exem­plar der Scant­ling Stehleuchte ver­wen­det Math­ias Hahn auch zuhause

light­MAG: Haben Sie ein per­sön­lich­es Lieblingsstück unter den Leucht­en in Ihrem Lon­don­er Apart­ment?

Math­ias Hahn: Ich habe nicht zwangsläu­fig meine eige­nen Pro­duk­te im pri­vat­en Gebrauch, allerd­ings habe ich vor eini­gen Jahren die Scant­ling als Stehleuchte zu Hause aus­pro­biert und sie durfte seit­dem bleiben. Für mich ist es inter­es­sant zu beobacht­en, wie ich selb­st nach Jahren noch neue Aspek­te an dieser Leuchte erkenne. Es freut mich zu sehen, dass sie Bestand hat.

 

 

 

 

 

Ich halte nicht viel von vorge­fer­tigten Ein­rich­tungsstilen, die nichts mit den Per­so­n­en zu tun haben, die in ihrem Umfeld leben.“

 

light­MAG: Gibt es für Sie ein „Ein­rich­tungs-No-Go“?

Math­ias Hahn: Für mich per­sön­lich sicher­lich, allerd­ings denke ich, jed­er sollte sein­er indi­vidu­ellen Hal­tung fol­gen. Ich halte nicht viel von vorge­fer­tigten Ein­rich­tungsstilen, die nichts mit den Per­so­n­en zu tun haben, die in ihrem Umfeld leben.

 

light­MAG: Auf Ihrer Web­site beschreiben Sie Ihren Stil als Mis­chung aus Funk­tion­al­is­mus und Ver­spieltheit. Sind Sie dies­bezüglich stets im Gle­ichgewicht? Oder ste­ht eines dieser bei­den Stilmit­tel in Ihrer per­sön­lichen Präferenz etwas höher?

Math­ias Hahn: Was mit der Verbindung dieser bei­den Aspek­te gemeint ist, ist, dass ich mir bewusst darüber bin, dass Objek­te Geschicht­en erzählen. Die Funk­tion­al­ität ist ein Teil davon. Ich entwick­le gerne neue Typolo­gien, die rel­e­vant sind für die Men­schen die sie benutzen. Pro­duk­te, die les­bar sind aber trotz­dem eine eigene Iden­tität mit­brin­gen und in der Lage sind Raum zu lassen für Inter­pre­ta­tion.

 

Scantling überzeugt durch ihre flexible Einstellbarkeit.

Das Mate­r­i­al war der Aus­gangspunkt für das Design der Scant­ling

light­MAG: Ihre erste Arbeit für Marset war die Scant­ling-Kollek­tion. Diese besticht neben hoher Flex­i­bil­ität vor allem durch den kon­trastre­ichen Mate­rialmix. Was inspiri­erte Sie zur Scant­ling?

Math­ias Hahn: Der Start­punkt war in der Tat das Mate­r­i­al. Ich habe mit Holzpro­filen exper­i­men­tiert und wollte dieses Mate­r­i­al auch im Leucht­en-Kon­text aus­pro­bieren – zum dama­li­gen Zeit­punkt noch recht ungewöhn­lich. Im Ver­lauf des Pro­jek­tes ist die Mate­ri­al­ität zu einem von mehreren The­men gewor­den, denn min­destens genau­so wichtig war mir die Gestik und Pro­por­tion.

 

 

 

 

light­MAG: Arbeit­en Sie gerne mit tra­di­tionellen Mate­ri­alien, wie z. B. Holz im Falle der Scant­ling?

Math­ias Hahn: Ob tra­di­tionell oder nicht, spielt eine eher unter­ge­ord­nete Rolle. Vielmehr ist mir wichtig Mate­ri­alien und Prozesse zu ver­ste­hen und ganz gezielt einzuset­zen.

 

Die Theia Leuchten vereinen eine faszinierende Lichtwirkung mit einem leichten Retro-Charme.
Hin­guck­er: Ein Duett aus Theia Tisch- und Stehleuchte erweist sich als Blick­fang im Raum.

 

Die Theia Kollek­tion ist aus meinem Inter­esse für Licht als solch­es ent­standen.“

 

light­MAG: Ihr jüng­stes Werk für Marset ist die preis­gekrönte Serie „Theia“, die unsere Fasz­i­na­tion für Licht und Schat­ten in ein­er Leuchte vere­int. Was ist das Beson­dere an Theia?

Math­ias Hahn: Die Theia-Kollek­tion ist aus meinem Inter­esse für Licht als solch­es ent­standen. Meine Überzeu­gung ist, dass unsere Fasz­i­na­tion für Licht immer mit dem Wech­sel von Licht und Schat­ten und deren Kon­trastierung ein­herge­ht. Ich wollte eine Leuchte schaf­fen, die es erlaubt, mit unter­schiedlichen Tex­turen dieses Wech­sel­spiels im Raum zu arbeit­en.

 

Die Theia von Marset ist sowohl als Steh- wie auch als Tischleuchte erhältlich.
Mut zur Lücke: Theia ist for­mal auf das Wesentliche reduziert

light­MAG: Theia verbindet Retro-Design mit mod­ern­er LED-Tech­nik. Ein bewusster Kon­trast?

Math­ias Hahn: Das for­male Design der Theia-Leuchte ist in erster Lin­ie eine Reduk­tion auf die wesentlichen Ele­mente die es ermöglichen, das eben beschriebene Wech­sel­spiel von Licht und Schat­ten zu erzeu­gen. Die neue Tech­nik macht eine solche Kon­struk­tion erst möglich. Das Design ist zu einem großen Teil also der Idee des Lichts als solchem unter­ge­ord­net.

 

light­MAG: Sind bere­its neue Pro­jek­te mit Marset geplant, über die Sie uns etwas ver­rat­en kön­nen?

Math­ias Hahn: Geplant ja, ver­rat­en — nein!

 

Die Marset-Leuchte Theia schafft eine atmosphärische Beleuchtung.
Theia set­zt Licht und Schat­ten gekon­nt in Szene.

light­MAG: Sie gestal­teten einige Pro­duk­te für den schwedis­chen Ein­rich­tungs­gi­gan­ten IKEA. Wie kön­nen wir uns die Zusam­me­nar­beit mit einem Glob­al Play­er wie IKEA vorstellen?

Math­ias Hahn: Meine Pro­duk­te waren Teil der ersten inter­na­tionalen PS-Kollek­tion, bei der IKEA bewusst inter­na­tion­al etablierte Design­er an Bord geholt hat. Die Entwick­lungsar­beit ver­läuft grundle­gend ähn­lich wie mit anderen Her­stellern auch.

 

Ich glaube, gutes Design ist keine Frage des Preis­es.“

 

light­MAG: Ist es eine beson­dere Her­aus­forderung, Pro­duk­te für den Massen­markt zu entwick­eln? Oder anders gefragt: Ist gutes Design auch eine Frage des Preis­es?

Math­ias Hahn: Ich glaube, gutes Design ist keine Frage des Preis­es. Mir war es wichtig mit den Mit­teln der Massen­fer­ti­gung Pro­duk­te zu entwick­eln die meinen Anforderun­gen an Design gerecht wer­den und Rel­e­vanz für die Men­schen mit­brin­gen, die sie benutzen. Der Reiz bei einem solchen Pro­jekt liegt darin, beste­hende Struk­turen und Prozesse in Frage zu stellen, um am Ende bei­des zu erre­ichen.

 

light­MAG: Pro­duk­te von IKEA ste­hen für viele sinnbildlich für skan­di­navis­ches Inte­ri­or Design. Gibt es aus Ihrer Sicht auch typ­isch deutsches Design? Wodurch zeich­net sich dieses aus?

Math­ias Hahn: Skan­di­navis­ches Design ist his­torisch betra­chtet in erster Lin­ie mit einem gewis­sen Prag­ma­tismus verknüpft, der ver­sucht, ver­füg­bare Mate­ri­alien best­möglich zu nutzen. Ich glaube, dass deutsches Design sich auch eher über eine Herange­hensweise definiert, wie man Prob­le­men und dem täglichen Leben begeg­net, als einem fes­ten for­malen Stil.

 

light­MAG: Gibt es einen Design­er, dessen Arbeit­en Sie beson­ders ansprechen? Haben Sie ein Vor­bild?

Math­ias Hahn: Es gibt viele Design­er und Kün­stler deren Arbeit ich schätze. Am wichtig­sten sind mir in dem Zusam­men­hang Arbeit­en und Ansätze, die es geschafft haben in ihrer Zeit neue Wege zu beschre­it­en.

 

light­MAG: Gibt es ein Pro­dukt, das Sie gerne ein­mal gestal­ten wür­den, bis­lang aber nicht die Gele­gen­heit dazu hat­ten? Welch­es Objekt wäre dies und wie sähe es aus?

Math­ias Hahn: Ich habe sehr klare Vorstel­lun­gen zu ein­er Serie von Arm­ban­duhren…

 

 

Mathias Hahn – Zur Person

Mathias Hahn gehört zu den bekanntesten deutschen Designern der Gegenwart.

Der gebür­tige Deutsche Math­ias Hahn lebt und arbeit­et in Lon­don.

Math­ias Hahn, Jahrgang 1977, absolvierte zunächst ein Studi­um in Indus­triedesign an der Uni­ver­sität in Essen. Die näch­ste Sta­tion markierte das Roy­al Col­lege of Art in Lon­don, wo er 2006 seinen Mas­ter-Abschluss nach­legte. Zu seinen Lehrern in Lon­don zählte übri­gens der bekan­nte Design­er und Architekt Ron Arad, der bis 2009 eine Pro­fes­sur am Roy­al Col­lege innehat­te. 2006 war auch das Grün­dungs­jahr des OKAY Stu­dio, zu dessen Grün­dungsmit­gliedern Math­ias Hahn zählt.

 

 

 

 

 

Hahn betreibt in Lon­don ein eigenes Design­stu­dio und gestal­tet Pro­duk­te für Auf­tragge­ber wie Ligne Roset, Kvadrat, Anoth­er Coun­try, Ver­ti­go Bird oder Marset. Die Werke Hahns wur­den bere­its mit Design­preisen wie dem iF Award oder dem Inte­ri­or Inno­va­tion Award aus­geze­ich­net. 2010 zählte er zu den Final­is­ten des Nach­wuch­swet­tbe­werbs des Ger­man Design Coun­cil, der im Rah­men der YDMI („Young Design­ers Meet The Industry“)-Messe ver­liehen wird. Regelmäßig sind die Arbeit­en Hahns zudem in inter­na­tionalen Design-Ausstel­lun­gen zu sehen.


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