Leuchtenklassiker zum 39. Internationalen Museumstag

Die Flos Arco befindet sich in den Sammlungen des MoMA und des Centre Georges Pompidou.

Am 22. Mai jährt sich der Internationale Museumstag zum 39. Mal. Dieses jährlich stattfindende Ereignis unter der Schirmherrschaft des internationalen Museumsrats (ICOM) dient dazu, auf Museen und ihre gesellschaftliche Rolle aufmerksam zu machen. Dies wollen wir zum Anlass nehmen, einige der bekanntesten Leuchtenklassiker des 20. und 21. Jahrhunderts aus den Sammlungen weltweit renommierter Institutionen wie etwa dem MoMA in New York, der Neuen Sammlung München oder dem Centre Georges Pompidou aus Paris vorzustellen. Dabei wollen wir insbesondere auf einige Exponate aus deutschen Ausstellungen aufmerksam machen. So können Sie die Gelegenheit direkt am Schopfe ergreifen und sich die Leuchtenklassiker in einem Museum in Ihrer Nähe anschauen.

 

 

Die Leuchtenklassiker schlechthin

Die Tizio 50 von Artemide ist eine der bekanntesten Schreibtischleuchten der Welt und befindet sich in den Sammlungen jedes namhaften Designmuseums.

Der Leuchtenklassiker schlechthin: Tizio.

Praktisch kein Designmuseum der Welt kann auf ein Exemplar der Tizio 50 von Richard Sapper verzichten. Der Entwurf des Leuchtenklassikers von 1972 vereint eine ausgeklügelte Mechanik mit innovativer Lichttechnik. Regelmäßige Leser unseres Blogs werden es bereits wissen: Die Tizio wird mit Niedervolt-Strom betrieben, wodurch auf störende Zuleitungen an den Armen verzichtet werden kann. Dank der beiden Gegengewichte kann Tizio zudem stufenfrei eingestellt werden und spendet somit bedarfsgerechtes Zonenlicht – ideal für jeden Schreibtisch.

 

 

 

 

Die Louis Poulsen PH 3/2 Tischleuchte beruht auf einem Entwurf des berühmten Poul Henningsen und befindet sich in zahlreichen Museumskollektionen weltweit.

Auch die PH 3/2 ist ein Must-Have für jede Museumssammlung.

Auch von der PH 3/2 Tischleuchte von Poul Henningsen findet sich in beinahe jeder Ausstellung ein Exemplar. Ihr Entwurf reicht ins Jahr 1932 zurück. Poul Henningsen experimentierte damals mit verschiedenen Möglichkeiten vollständig entblendetes und zugleich behagliches Zonenlicht zu erzeugen. Schließlich ordnete er mehrere Glasschirme in Form einer logarithmischen Spirale an, die dafür verantwortlich zeichnet, dass das Licht gleichmäßig und blendungsfrei nach unten abgegeben wird. So entstand zunächst der wahre Leuchtenklassiker die Pendelleuchte PH 5, deren innovatives Schirmsystem als Vorbild für die Tischleuchte PH 3/2 diente.

 

 

 

Wilhelm Wagenfeld schuf Anfang des Jahrhunderts einen Leuchtenklassiker, der sich bis heute ungebrochener Beliebtheit erfreut.

Der Leuchtenklassiker der Bauhaus-Ära: die Wagenfeld WG24.

Von New York, über Paris bis Moskau – die Wagenfeld WG24 aus dem Hause Tecnolumen, besser bekannt als Bauhaus-Leuchte, genießt weltweites Renommee. Sie steht beispielhaft für das funktionale und hochwertige Design der Bauhaus-Ära, das auch noch heute viele Verehrer hat. Wilhelm Wagenfeld entwarf den Leuchtenklassiker 1924 nach einem Auftrag von László Moholy-Nagy. Er sollte eine Leuchte entwickeln, die einen halbrunden Glasschirm, ein Metallgestell und einen Fuß mit drei Halbkugeln besitzt. Das Ergebnis ist eine Tischleuchte von zeitloser Eleganz, die auf der ganzen Welt bewundert wird.

 

 

 

 

Leuchtenklassiker in deutschen Museen

Die Museumslandschaft in Deutschland ist besonders vielfältig. Zahlreiche Institutionen haben sich auf Kunsthandwerk und Design spezialisiert. Allerdings konzentrieren sich viele Sammlungen auf Objekte, die aus einem Zeitraum vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert stammen. Nur wenige Institutionen besitzen einen maßgeblichen Fundus von zeitgenössischen Produkten. Insbesondere Leuchten sind somit im Gegensatz zu anderen Einrichtungsgegenständen unterrepräsentiert. Durch die freundliche Auskunft der Neuen Sammlung München und des Museums Angewandte Kunst Frankfurt, können wir unseren Lesern jedoch eine Auswahl bedeutender Leuchtenklassiker des 20. und 21. Jahrhunderts präsentieren, die Sie auch vor Ort bewundern können.

 

Der Flos Luminator war das erste Werk von Achille Castiglioni, das mit einem Compasso d’Oro ausgezeichnet wurde.

Preisgekrönt und ausgestellt: der Luminator von Achille Castiglioni.

Der Design-Meilenstein Luminator von Achille und Pier Giacomo Castiglioni findet sich sowohl in den Kollektionen der Neuen Sammlung als auch im Museum Angewandte Kunst. Sie ist der erste Entwurf der Brüder, der 1954 mit einem Compasso d’Oro ausgezeichnet wurde. Die Ehrung des Leuchtenklassikers im minimalistischen Design, der heute von Flos vertrieben wird, gab dem Studio der Gebrüder Castiglioni so viel Aufwind, dass sie sich als zwei der bedeutendsten Designer Italiens etablieren konnten.

 

 

 

 

Die Callimaco ist Teil der Dauerausstellung des Frankfurter Museums Angewandte Kunst.

Kunterbunter Deckenfluter: die Callimaco von Ettore Sottsass.

Ein ganz besonderes Highlight der Kollektion des Museums Angewandte Kunst ist die Callimaco von Ettore Sottsass. Sie ist ein Leuchtenklassiker im typischen „Memphis-Design“ mit poppigen Farben und einem Hang zur Übertreibung. „Form follows function“ sucht man hier vergebens. Sottsass wollte Design von der bloßen Funktionalität befreien und ihm wieder eine emotionale Ebene verleihen. Dazu scharrte er in den 80er Jahren viele junge und talentierte Designer um sich, die es sich zur Aufgabe machten, Objekte aus neuen Materialien und in innovativen Formen zu schaffen.

 

 

 

 

Die Mite Terra von Foscarini besteht aus einem innovativen Kunststoff-Fiberglas-Komposit, das von Marc Sadler entwickelt wurde. Fiberglas in Form einer Sektflöte: Mite Terra.

Mit der Mite Terra wird in Frankfurt ein relativ junger Leuchtenklassiker ausgestellt. Der Deckenfluter von Marc Sadler zeichnet sich durch seine besondere Materialkomposition aus. Der Korpus besteht vollständig aus einem Kunststoff-Fiberglas-Verbund, der sich durch Stabilität und seine Lichtwirkung auszeichnet. So strahlt Mite umfassendes Raumlicht aus und wird zugleich selbst illuminiert – ein Blickfang in jedem Umfeld.

 

Dank ihres fast fünf Meter langen Kabels kann die Mayday von Flos fast überall eingesetzt werden.

Die Allzweckleuchte von Konstantin Grcic.

Kurzentschlossene können sich aktuell in der Neuen Sammlung München einen sehr jungen Leuchtenklassiker anschauen: die May Day von Konstantin Grcic. Unter dem Titel „The Good, the Bad, the Ugly“ können Designfreunde einen Querschnitt seines bisherigen Schaffens bewundern. Dabei fällt die mobile Tischleuchte durch ihr ausgeklügeltes Design angenehm auf. Sie besitzt eine fast fünf Meter lange Zuleitung, wodurch sie in fast allen Lebenssituationen als praktischer Lichtspender genutzt werden kann. Weiterer Vorteil: Durch einen Haken an der oberen Seite des Leuchtenklassikers, kann Mayday kurzer Hand in eine Pendelleuchte umfunktioniert werden.

 

 

 

Weitere Leuchtenklassiker in internationalen Museen

Die Pipistrello Tischleuchte von Martinelli Luce trägt ihren Namen, weil ihre Silhouette an eine Fledermaus erinnert.

Ein Meisterwerk von Gae Aulenti: Pipistrello.

International gehört das Werk von Gae Aulenti zu einem der geachtetsten Œuvres im Bereich des Industriedesigns. Sie schuf zahlreiche Möbel und andere Einrichtungsgegenstände. Eine ihrer bekanntesten Produktionen ist der Leuchtenklassiker Pipistrello, den sie für Martinelli Luce entworfen hat. Die Tischleuchte trägt ihren Namen, weil sie im Profil an eine Fledermaus erinnert – Pipistrello bedeutet auf Deutsch „Fledermaus“. Doch damit ist die Faszination hinter diesem Leuchtenklassiker noch nicht erklärt. Sie verfügt über ein Teleskopsegment gleich unterhalb des Schirms, wodurch ihr Lichtkegel den persönlichen Bedürfnissen angepasst werden kann. Pipistrello findet sich unter anderem in den Sammlungen des MoMA und des Centre Georges Pompidou.

 

Der deutsche Ausnahmedesigner Ingo Maurer erfreut mit seinen humorvollen Produkten nicht nur Designliebhaber auf der ganzen Welt. Auch Museen zeigen seine phantasievollen Leuchten und Lichtinstallation gern. Eine seiner bekanntesten Lampen ist die Lucellino Tavolo. Die Tischleuchte besteht aus einer speziell angefertigten Allgebrauchslampe, die mit echten Gänsefeder-Flügeln verziert wird. Dadurch weckt der Leuchtenklassiker den Eindruck als wolle er gerade in die Lüfte davon steigen. Neben dem Vogel erfreut sich die Glühlampe als zentrales Motiv des Schaffens von Ingo Maurer großer Beliebtheit. Mit der Wo bist Du Edison…? schuf er eine Hommage an einen der Erfinder des klassischen Leuchtmittels.

 

Das Gleiche gilt auch für das französische Enfant Terrible Phillipe Starck. Seine Werke feiern große kommerzielle Erfolge und erobern die Herzen von Fachleuten. Seinen Durchbruch feierte er in den 80ern mit seinem Entwurf der Flos Ara. Der Leuchtenklassiker wartet mit einem besonderen Clou auf: Der Leuchtenkopf lässt sich nach oben und unten abkippen, wobei sich die Leuchte einschaltet, sobald die Spitze des Horns nach oben weißt. Dadurch erinnert sie bildhaft an ein Füllhorn, das seine Gaben in die Welt ergießt. Auch Miss Sissi ist ein Leuchtenklassiker aus der Feder von Starck. Ursprünglich entwarf er die kleine Tischleuchte für ein New Yorker Hotel, doch nach einer kommerziellen Veröffentlichung erwies sie sich als ein Verkaufsschlager, der innerhalb der ersten Tage über 8.000 Mal verkauft wurde. Heute können Ara und Miss Sissi in den Ausstellungen des MoMA oder Centre Pompidou betrachtet werden.

 

Abschließend wollen wir zwei Leuchtenklassiker von Vico Magistretti vorstellen. Zum einen die kleine Tischleuchte Eclisse, die er für Artemide entworfen hat, spricht die Formen- und Farbensprache der Pop-Art-Strömung. Zusätzlich verfügt sie über eine mechanische Blende, mit der ihre Lichtmenge reguliert werden kann. Zum anderen die Stehleuchte Chimera, die ebenfalls maßgeblich von Pop-Art beeinflusst wurde. Ihr Korpus besteht aus einem großen geschwungenen Methacrylat-Diffusor. Dieser sorgt dafür, dass das Licht diffus in alle Richtungen abgegeben wird. Sowohl Eclisse als auch Chimera sind Teil vieler renommierter Kollektionen.

Diese kleine Zusammenstellung exquisiter Leuchtenklassiker ist längst nicht erschöpfend. Dies ist allerdings auch nicht unser Anliegen. Wir wollen Ihnen einen Anreiz bieten, sich selbst in die faszinierende Welt des Leuchtendesigns einzufinden. Es gibt noch viel zu entdecken und unsere kleine Auswahl ist nur der Anfang. Sollten wir dabei eines Ihrer liebsten Museumsstücke übersehen haben, schreiben Sie uns einen Kommentar. Wir freuen uns über Ihre Einfälle und Ideen.


 

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