Italienisches Design – Design around the world

Sinnbild für italienisches Design: Die Schreibtischleuchte Artemide Tolomeo Micro Tavolo im kunterbunten Ensemble

Italienisches Design gilt als formschön, lässig-elegant und steht sinnbildlich für eine entspannte Lebensführung – gemeinhin bekannt als Dolce Vita. Ob Mode, Autos oder Möbel – Design "made in Italy" erfreut sich weltweit großer Beliebtheit und Nachfrage. Natürlich prägten italienische Künstler auch das Leuchtendesign in großem Maße. Im Folgenden stellen wir einige herausragende Protagonisten des italienischen Designs vor, die mit ihren Entwürfen einen großen Einfluss auf das Design von Leuchten ausübten und zur Inspiration für viele Generationen von Designern wurden. Da ihr Schaffen oft über mehrere Jahrzehnte währte, folgt die Zusammenstellung der hier präsentierten Künstler und ihrer Werke nur lose einer linearen zeitlichen Entwicklung.

 

 

Italienisches Design – So raffiniert, so einfach

Musterbeispiel für kreatives, italienisches Design:Traktorstuhl Mezzadro von Achille Castiglioni

Reduziert: Traktorstuhl Mezzadro
Foto von Holger.Ellgaard, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Nicht viele repräsentieren italienisches Design so vortrefflich wie Achille Castiglioni. Die 2002 verstorbene Designerikone widmete wie viele seiner Kollegen einen Teil seiner unbändigen Kreativität auch dem Möbeldesign. So schuf er neben zahlreichen Leuchten z. B. auch den Designklassiker Mezzadro, einen "Traktorhocker", den er 1957 gemeinsam mit seinem Bruder Pier entwarf. Bereits hier erkennt man den von Castiglioni oft eingesetzten Kunstgriff, Alltagsgegenstände einer neuen Bestimmung zuzuführen – das Objet trouvé lässt grüßen.

 

 

 

 

 

 

Den Ansatz, Alltägliches neu zu interpretieren, demonstrierte der italienische Designer auch bei weiteren Werken, etwa bei der Toio (1962): Die Stehleuchte nutzt z. B. einen Autoscheinwerfer als Leuchtenkopf sowie Ösen aus dem Anglersortiment. Gleichzeitig ist sie Ausdruck einer raffinierten Einfachheit – ein weiteres Merkmal im Oevre des Achille Castiglioni. Die Designerikone selbst sagte dazu einst: "So raffiniert und so einfach: Das gefällt mir".

 

Die Bogenleuchte Flos Arco beleuchett einen Esstisch.

Umspannende Eleganz: Flos Arco

Die Kunst der Schlichtheit demonstrierte Castiglioni auch mit der Bogenleuchte Arco, die er 1962 für das Label Flos ersann. Der 1972 in die ständige Ausstellung des Museum of Modern Art in New York aufgenommene, großgewachsene Lichtspender verkörpert italienisches Design in Form von elegantem Purismus. Arco beugt sich über Ess- und Couchtische und setzt sie mit akzentuierendem Licht in Szene. Die Inspiration zu diesem Prototyp der Bogenleuchten lieferte übrigens eine klassische Straßenlaterne, die ebenfalls Beleuchtung in einem größeren Radius liefert.

 

 

 

 

Italienisches Design mit einer charakteristischen Prise Ironie bewies Achille Castiglioni in weiteren Werken wie etwa der Tischleuchte Snoopy (1967), dessen originelles Design verblüffend an den weltberühmten Comic-Beagle von Charlie Brown erinnert. Kreativität gepaart mit Zweckmäßigkeit bewies Achille Castiglioni 1971 erneut, als er eine Idee seines verstorbenen Freundes Pio Manzù aufgriff und den Strahler Parentesi konzipierte. Dieser stellt eine Symbiose  aus geradezu extremer Formreduktion mit einer erstaunlichen Funktionalität dar. Parentesi lässt sich nicht nur entlang eines Stahlseils in der Höhe einstellen, sondern kann auch um 180° geschwenkt und um 360° gedreht werden. So inszeniert er ein Regal oder einen Schrank ebenso gekonnt wie er Leselicht neben einem Sessel oder Sofa zielgerecht "serviert". 2013 designte der Deutsche Konstantin Grcic mit der OK Lamp eine Hommage an die Parentesi, bei der die Rosette zur Deckenbefestigung sogar absolut identisch ist mit jener von Castiglionis Schöpfung.

 

 

Italienisches Design – Weibliche Schöpfungskunst

Eine Huldigung anderer Art erwies eine der Grande Dames des italienischen Design: Gae Aulenti. Sie ließ sich 1965 von einer Fledermaus inspirieren, als sie mit der Pipistrello einen legendären Klassiker erschuf, der bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Dass originelle Kreativität ihr Steckenpferd ist, bewies die große Dame des italienischen Designs auch 1968 mit der Ruspa Tischleuchte, deren Kopf charmant an einen Bagger erinnert. Die 2012 verstorbene Designerin von Weltrang arbeitete nicht nur für Leuchtenhersteller wie Martinelli Luce oder Fontana Arte, sondern hinterließ auch durch die Umfunktionierung bekannter Bauwerke wie z. B. einer Bahnhofshalle in Paris zum Musée d’Orsay einen bleibenden Eindruck.

 

 

Italienisches Design – Anti-elitär & aussagekräftig

Einer, dessen vielfach ausgezeichnete Werke in den bekanntesten Design-Museen wie etwa dem MoMA in New York bewundert werden können, war Ludovico bzw. Vico Magistretti. Der 2006 verstorbene Mailänder, u. a. verantwortlich für den Torre al Parco in Mailand, schuf italienisches Design, dessen Funktionalität er oft mit einer Extraportion Kreativität ergänzte. Seine Entwürfe durften keinesfalls elitär wirken, gleichzeitig sollten sie eine Aussage kommunizieren. Unter diesem Credo entstanden Werke wie z. B. die Artemide Eclisse (1967). Die kleine Tischleuchte sieht nicht nur pfiffig aus, sie ist es auch: Ihre clevere Konstruktion erlaubt es, durch Drehen eines kleinen Rades die austretende Lichtmenge zu bestimmen. So lädt die Eclisse förmlich dazu ein, mit dem Licht zu spielen.

Eine Aussage wohnt auch der verblüffend originellen Teti Deckenleuchte von 1970 inne. Sie erhebt das freiliegende Leuchtmittel kurzerhand zum Konstruktionsmerkmal und präsentiert es wie ein Ausstellungsstück. Dass italienisches Design nicht nur charismatisch, sondern auch praktisch sein kann, zeigte Vico Magistretti im Jahr 2000 mit der Margaret, die er für Fontana Arte entwarf: Eine Stütztasche aus echtem Leder ersetzt den Leuchtenfuß und erlaubt Margaret, an der Kante von Sofa, Bett etc. Platz zu nehmen.

 

 

Italienisches Design – Innovative Lichttechnik

Italienisches Design aus den 1970ern: Die Lumina Daphine Tavolo beleuchtet ein Notebook auf einem Glastisch.

Nein zu störenden Stromkabeln: Daphine Tavolo

Italienisches Design zeichnet sich nicht nur durch seine Trendsetter-Funktion aus. Auch im Bereich der Lichttechnik können die Italiener Innovatives vorweisen. Tommaso Cimini tüftelte 1973 in seinem Keller und wandte die Niedervolttechnik auf seine Tischleuchte Daphine Tavolo an. Dadurch konnte die Stromversorgung direkt über die Leuchtenarme erfolgen, störende Kabel wurden dadurch überflüssig. Die dezente Formsprache und die raffinierte Funktionalität bescherten Cimini eine so große Nachfrage, dass er zwei Jahre später das Leuchtenunternehmen Lumina gründete.

 

 

 

 

 

 

Italienisches Design – Wegweisendes vom "Revoluzzer"

Auch wenn dem einen oder anderen italienischen Fahrzeugmodell gelegentlich etwas anderes nachgesagt wird: Italienisches Design zeichnet sich nicht nur durch Attraktivität, sondern auch Funktionalität aus. Ein Paradebeispiel hierfür ist die legendäre Tischleuchte Tolomeo Tavolo, die Michele De Lucchi im Jahr 1987 für Artemide erschuf. Der gelernte Architekt, Mitbegründer der "revolutionären" Memphis-Group, war stets bestrebt, Althergebrachtes weiter zu entwickeln. So ersann er mit der Tolomeo eine technisch beeindruckende, sagenhaft flexible "Architektenlampe", die das Licht dorthin führt, wo es erwünscht ist und dabei dank innovativem Seilzugsystem stets sicher in der gewählten Position verharrt. Der große Erfolg der Tolomeo-Tischleuchte zog eine große Leuchtenfamilie nach sich, u. a. assistiert die bewegungsfreudige Leuchte als Wand-, Steh-, Pendel- und Klemmversion.

 

 

Italienisches Design – Bürotaugliches vom Quereinsteiger

Zwar beschreibt Alberto Meda, Jahrgang 1945, seine Arbeiten bescheiden als "simple Dinge". Doch der studierte Maschinenbauer und erst später zum freischaffenden Designer avancierte Mailänder hat zweifellos das Talent, technisch Ausgeklügeltes und eine minimalistische Erscheinung gekonnt miteinander zu verbinden. Ein exzellentes Beispiel für italienisches Design gelang ihm z. B. mit dem Bürostuhl Meda Chair (1996), eine Kombination aus Komfort, Funktionalität und puristischem Design. Dass er ein Faible für den Bereich Arbeitszimmer hat, hatte Meda schon zuvor mit der individuell einstellbaren und preisgekrönten Berenice Schreibtischleuchte für Luceplan bewiesen. Mit Preisen ausgezeichnete Originalität bewies Meda 1989 auch mit der Titania Pendelleuchte, die wie ein leuchtender Zeppelin in Miniaturausgabe anmutet und so den Betrachter für sich gewinnt. Dass dieser italienische Designer auch Wert auf zeitgemäße Fortentwicklung legt, demonstrierte er 2007, als er die Schreibtischleuchte Otto Watt präsentierte. Diese benötigt entsprechend ihrem Namen nur 8 Watt für ihr zielgerechtes LED-Licht und schont so nicht nur das Portemonnaie, sondern auch Klima & Umwelt.

 

 

Italienisches Design – Der Naturverbundene

Bis kurz vor seinem Tod war Elio Martinelli (1921-2004) künstlerisch aktiv. Der gelernte Bühnenbildner stellte seine Schöpfungskraft zunächst als Innenausstatter unter Beweis, bevor er Leuchten erschuf, die Einlass in viele berühmte Museen und Ausstellungen fanden. Der Gründer von Martinelli Luce war bekannt für seine Anleihen aus der Natur und die Verwendung von neuen Materialien. So ersann er 1968 z. B. die Cobra Tischleuchte, die zu den ersten Leuchten zählt, die aus synthetischem Harz im Spritzgussverfahren gefertigt wurde und im Profil ihren Namen erkennen lässt. Eine Reverenz an die Schlange stellt auch die Serpente Stehleuchte von 1965 dar, die sich mit ihrem schwenkbaren Schirm wie ein geschmeidiges Riesenreptil im Raum bewegt. Ein ornithologisches Thema greift die Wandleuchte Le Rondini (1984) auf: Drei Schwalben, mit einem zur Wand gerichteten Leuchtmittel ausgestattet, sorgen für sanftes, weil indirektes Raumlicht.

 

 

Italienisches Design: Der Magier unter den italienischen Designern

Für extravagantes, sinnlich-raffiniertes Design steht Enzo Catellani, der mit vielen Materialien experimentiert und anspielungsreiche, ausdrucksstarke Formen entwirft. Gleichzeitig zeichnen die Werke des Gründers von Catellani & Smith eine "magische Einfachheit" (Zitat Catellani) aus. Seine ausgefallenen Ideen holt sich der Italiener häufig aus der Natur, doch auch andere Lebensbereiche dienen ihm als Inspiration. So reckt sich z. B. der Christe Eleison Kerzenhalter aus der zwischen 1980 und 1990 entstandenen Kollektion "Oggetti Senza Tempo" mit seiner geschwungenen Erscheinung symbolisch gen Himmel und mutet dabei beinahe wie ein sakrales Kunstwerk an. Nicht von ungefähr lautet die Übersetzung des Leuchtennamens "Christus, erbarme dich!". Ein Verweis an Mutter Natur ist hingegen die Disco D’oro aus dem Jahr 2004, die mit ihrer goldenen Scheibe das Licht auf bezaubernde Weise in den Raum reflektiert und so eine kleine Sonne ins Haus lässt. Als schlicht außergewöhnlich kann wohl auch die Idee zur Luna-Leuchtenfamilie bezeichnet werden. Eine Kerze strahlt eine strukturierte Scheibe aus Blattgold oder –silber an und erzeugt so Lichtreflexionen, die das Herz erwärmen.


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