Inma Bermúdez – Designer im Interview

Auf dem Bild trägt die spanische Designerin Inma Bermudez ein Exemplar der Marset FollowMe auf ihrem Haupt.Und noch mehr Designer im Interview: Das lightMAG ist stolz, mit Inma Bermúdez nicht nur die erste Designerin in unserer Interview-Rubrik begrüßen zu dürfen, sondern auch die Erfinderin der überaus erfolgreichen Marset FollowMe Tischleuchte. Wir sprachen mit Inma Bermúdez über Deutschland, Design und natürlich über die außergewöhnliche FollowMe.

 

lightMAG: Frau Bermúdez, zunächst möchten wir uns bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie sich die Zeit nehmen, um unsere Fragen zu beantworten. Bei unserer Recherche haben wir festgestellt, dass Sie ein Semester an der Fakultät für Gestaltung in Pforzheim studiert haben und einige Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet haben. Verbinden Sie positive Erinnerungen mit dieser Zeit? Welche Eindrücke haben Sie mitgenommen?

Inma Bermúdez: Genauer gesagt, habe ich insgesamt 5 Jahre in Deutschland verbracht. Dabei habe ich das erste Jahr an der Fachhochschule studiert und weitere vier Jahre lang Praktika absolviert und als Junior Designer in Pforzheim und Ulm gearbeitet. Mit dieser Zeit verbinde ich großartige Erinnerungen: Ich habe tolle Menschen, eine neue Kultur und eine andere Lebensweise kennengelernt. Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht, sodass ich mich dazu entschieden habe, länger zu bleiben.

 

Designerin Inma Bermúdez lächelt freundlich in die Kamera.

Weltenbummlerin: Inma Bermúdez verbrachte einige Jahre in Deutschland

lightMAG: Gibt es Ihrer Meinung nach so etwas wie „deutsches Design“? Falls ja, wie würden Sie es beschreiben?

Inma Bermúdez: Natürlich gibt es „deutsches Design“. Da Deutschland eine Industrienation ist, war und ist die Nachfrage nach Industriedesignern sehr groß. Deutsches Design zeichnet sich durch sehr präzise und geradlinig konzipierte Produkte sowie hohe Qualitätsstandards aus. Die Kooperation mit deutschen Unternehmen fehlt mir sehr und ich hoffe, dass ich in der Zukunft, erneut für deutsche Unternehmen als Designerin tätig werden kann.

lightMAG: Sie arbeiten regelmäßig mit dem schwedischen Einrichtungsgiganten IKEA zusammen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Wie gestaltet sich die Arbeit mit einem Auftraggeber dieser Größe?

Inma Bermúdez: Zuerst erhielt ich die Möglichkeit, ein Praktikum bei IKEA am Hauptsitz in Schweden zu absolvieren. Danach war ich freiberuflich von Spanien aus für das Unternehmen tätig und so intensivierte sich die Beziehung. Die Entwicklung von Produkten für IKEA ist eine große Bereicherung für mich. Mit jedem neuen Projekt lerne ich etwas Neues dazu, sei es über Materialien, Produktionsprozesse etc. IKEA ist ein Vorreiter, wenn es um die Einsparung von Kosten beim Transport und während des Produktionsprozesses geht sowie auch in Bezug auf die nachhaltige Nutzung von Rohmaterialien.

lightMAG: Für IKEA gestalteten Sie bereits eine große Anzahl von verschiedensten Objekten, darunter Möbel, Leuchten oder Badkeramik. Gibt es Objekte, die Sie vor eine besondere Herausforderung stellen? Wann bereitet Ihnen Design besonders viel Freude?

Inma Bermúdez: Jedes Projekt ist eine neue Herausforderung, dabei spielt es keine Rolle, ob ich mit IKEA oder einem anderen Unternehmen zusammenarbeite. Für gewöhnlich macht IKEA strenge Vorgaben mit vielen Einschränkungen, das schärft die Sinne und treibt die Kreativität voran. Besonders stolz bin ich persönlich auf die Badezimmerserie ENUDDEN. Meiner Meinung nach ist dies eine Designfamilie mit einer sehr klaren und zeitlosen Formensprache. Es ist eine clevere Familie, in der die einzelnen Stücke gleich zwei Funktionen erfüllen. Alle Stücke der Serie wurden aus nur einem Werkstoff gefertigt und sind zu einem wettbewerbsfähigen Preis erhältlich.

lightMAG: Welches Objekt würden Sie gern einmal gestalten? Wie sähe dieses aus?

Inma Bermúdez: Ich würde total gerne Werkzeug designen – also Schraubendreher, Bohrmaschinen etc. Diese Dinge besitzen eine sehr hohe Funktionalität, doch meiner Meinung nach sind sie optisch wenig ansprechend.

lightMAG: Und gibt es im Gegensatz dazu ein Objekt, dass Sie niemals gestalten würden, ganz gleich wieviel Geld man Ihnen dafür böte?

Inma Bermúdez: Nun, ich bin immer sehr offen und jedes neue Projekt ist eine Herausforderung. Ich sage nicht gerne NEIN. Man sollte alles wenigstens einmal ausprobieren.

 

"Wenn ich den Beruf der Designerin nicht ergriffen hätte, wäre ich Psychologin geworden."

 

lightMAG: Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Wenn ich den Beruf der Designerin nicht ergriffen hätte,…

Inma Bermúdez: …wäre ich Psychologin geworden.

lightMAG: Gibt es Personen, Strömungen oder Stilrichtungen, die ihre Arbeit beeinflussen? Haben Sie ein bestimmtes Vorbild?

Inma Bermúdez: Ich liebe die Arbeiten von Dieter Rams und bewundere den Beitrag, den er für Braun geleistet hat. In meinem Beruf denke ich viel über die Psychologie alltäglicher Gegenstände nach und darüber, wie die Nutzer mit ihnen umgehen. Doch es bereitet mir die größte Freude, wenn ein Objekt den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Das ist auch der Grund, warum ich meinen Beruf liebe. Ich bin für verschiedene Unternehmen mit unterschiedlichen Anforderungen tätig, doch mein Ziel ist es, nicht nur deren Erwartungen zu erfüllen, sondern auch den Designs möglichst viele Emotionen einzuhauchen.

 

Das Bild zeigt die Parentesi von Flos in einem Schlafzimmer-Szenario, wo sie als vielseitiges Zonenlicht neben dem Bett fungiert.

Die Parentesi-Leuchte von Achille Castiglioni zählt zu den Favoriten von Inma Bermúdez

lightMAG: Und gibt es eine Leuchte, die Sie persönlich besonders schätzen?

Inma Bermúdez: Die Parentesi-Leuchte von Castiglioni. Hierbei folgt die Form der Funktion und das Resultat ist ein besonders elegantes Design.

lightMAG: Mit der Tischleuchte FollowMe waren Sie das erste Mal für den spanischen Hersteller Marset tätig. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Inma Bermúdez: Ich habe Javier Marset 2011 auf einer Design-Messe in Moskau getroffen. Wir haben uns sehr gut verstanden und wollten gemeinsam etwas entwickeln.

 

 

 

lightMAG: FollowMe präsentiert sich als Objekt, dem die Gratwanderung zwischen Tradition und Moderne gelingt. Was war Ihre Inspiration bei der Gestaltung der FollowMe?

Inma Bermúdez: Ich habe Javier Marset darum gebeten, mir die alten Kataloge des Unternehmens zu geben, weil ich wissen wollte, wie die Arbeiten von Marset bisher aussahen. Dabei habe ich die Tischleuchte Flass entdeckt und war von der Art und Weise, wie der schaukelnde Schirm befestigt war, fasziniert. Inspiriert durch dieses Detail habe ich sogleich meine ersten Entwürfe gemacht. Der Einsatz von Polycarbonat für den Lampenschirm und den Fuß waren unumgänglich, um das Produkt zu einem wettbewerbsfähigen Preis anbieten zu können. Jedoch wollte ich die Qualität der Kreation durch den Einsatz von Holz sowie mithilfe des Schalters und einiger Konstruktionsdetails aus Messing aufwerten. Es sollte ein Produkt mit einer warmen Ausstrahlung für den Gebrauch im Haus werden.

 

Nimm mich mit: Die FollowMe Tischleuchte

Nimm mich mit: Die FollowMe Tischleuchte

lightMAG: FollowMe arbeitet mit effizienter LED-Technik. Haben Sie sich bewusst für die LED als Leuchtmittel entschieden? Wie beurteilen Sie die Möglichkeiten der LED vom Standpunkt der Designerin?

Inma Bermúdez: Ich wusste, dass der Einsatz von LEDs ein Muss war, insbesondere da bei diesem Projekt mit wiederaufladbaren Batterien gearbeitet wurde. Jedoch wollte ich in diesem Design die Form traditioneller Glühbirnen beibehalten und habe daher einen sphärischen Diffusor gewählt. Ich bin davon überzeugt, dass sich dank der LEDs neue Möglichkeiten für Designer erschließen. Gleichzeitig glaube ich, dass diese nahezu grenzenlose Freiheit manchmal kontraproduktiv sein kann. Die Menschen müssen auf Anhieb verstehen können, wie die Produkte entstanden sind und wie diese funktionieren.

 

lightMAG: Wie bewerten Sie das Verbot der klassischen Glühlampe durch die EU? Denken Sie, es handelt sich um einen effektiven Weg, den Energieverbrauch in Privathaushalten zu senken?

Inma Bermúdez: Ich befürworte es. Ich sehe jede Maßnahme positiv, die dazu beiträgt, den Energieverbrauch zu senken.

 

"Ich sehe jede Maßnahme positiv, die dazu beiträgt, den Energieverbrauch zu senken."

 

lightMAG: Können Sie uns verraten, an welchen Projekte Sie derzeit arbeiten? Können wir uns auf weitere Arbeiten für Marset freuen?

Inma Bermúdez: Wir sind derzeit im Studio sehr ausgelastet und entwickeln Geschirr, Gartenmöbel, ein Regalsystem etc. Selbstverständlich würden wir die Zusammenarbeit mit Marset gerne fortsetzen. Es hängt immer davon ab, ob der Zeitpunkt stimmt und ob wir eine großartige Idee haben, mit der man arbeiten kann.

lightMAG: Frau Bermúdez, wir bedanken uns sehr herzlich für das Gespräch.

 

 

Inma Bermúdez – Zur Person

Designerin Inma Bermúdez trägt eine Marset FollowMe in Händen.

Inma Bermúdez mit ihrer Schöpfung FollowMe

Inma Bermúdez wurde 1977 im spanischen Murcia geboren, zog aber kurz darauf mit ihrer Familie nach Valencia. Dort studierte sie an der Fakultät für Industriedesign der Universidad CEU Cardenal Herrera. Während ihres Studiums absolvierte Bermúdez ein praktisches Jahr an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim. Auch die folgenden vier Jahre verbrachte sie in Deutschland und war dort für verschiedene Design-Studios tätig, unter anderem für Idea und Busse Design. Neben ihrer Tätigkeit als Designerin beteiligte sich Inma Bermúdez ab 2002 regelmäßig an Workshops im Vitra Design Museum und dem berühmten Pariser Centre Georges-Pompidou.

 

 

 

Das Bild zeigt die light11-Delegation beim gemeinsamen Foto mit Designerin Inma Bermúdez, die eine Marset FollowMe in Händen trägt.

Auf der Euroluce 2015 trafen wir Inma Bermúdez am Stand von Marset

Ab 2006 beginnt die Zusammenarbeit mit dem schwedischen Einrichtungs-Riesen IKEA, für den sie zahlreiche Produkte vom Bettgestell bis zu Badarmaturen gestaltete. 2007 kehrt Bermúdez zurück nach Spanien und beginnt eine Zusammenarbeit mit dem hiesigen Porzellanhersteller Lladró. 2014 erscheint die Leuchte FollowMe für Marset und wird gleich ein voller Erfolg. Damit reiht sich die außergewöhnliche Leuchte in die Erfolgsgeschichte von Inma Bermúdez ein, die für ihre Arbeiten bereits mit Preisen wie dem DesignPlus Award dekoriert wurde.

 

 

Inma Bermúdez & FollowMe

Wie bereits im Interview thematisiert, handelt es sich bei der tragbaren Tischleuchte FollowMe um das erste Werk von Inma Bermúdez für den spanischen Hersteller Marset. FollowMe besticht nicht allein durch ihre technischen Eigenschaften, sondern auch und vor allem durch ihr außergewöhnliches Design. Der Korpus der Leuchte aus Kunststoff bildet einen effektvollen Kontrast zum Tragegriff, der aus Holz gefertigt wird. Der Einsatz dieses natürlichen Werkstoffes unterstreicht die eher traditionelle Formensprache der FollowMe, die spontan an Petroleumlampen erinnert, die früher als mobile Leuchte eingesetzt wurden.

 

Auf dem Bild lesen zwei Kinder ein Buch im Schein der Marset FollowMe.Dank Akku-Betrieb wird FollowMe zum mobil einsetzbaren Lichtspender

Der Clou an FollowMe ist aber, dass die Leuchte dank Batteriebetrieb überallhin mitgenommen werden kann. Einfach das Kabel lösen, und schon wird FollowMe zum mobilen Begleiter. Der integrierte Akku wird über das mitgelieferte Kabel mit USB-Anschluss geladen. Wird die geringste Lichtstärke gewählt, versorgt der Akku die Leuchte für rund 20 Stunden mit Energie. Die Lichtstärke lässt sich über einen Schalter im Fuß der Leuchte in drei Stufen einstellen. Last but not least präsentiert sich FollowMe als überaus energieeffizienter Lichtspender. Die verwendeten LEDs sorgen mit einem Energieeinsatz von lediglich 3,2 Watt für eine Lichtmenge von 240 Lumen. Damit kommt FollowMe auf eine Lichtausbeute von 75 Lumen pro Watt und erreicht den Lichtstrom einer herkömmlichen 25W-Glühlampe.


 

 

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