Giuseppe Maurizio Scutellà – Designer im Interview

Gemeinsames Bild mit Stardesigner: v.l. Linda Mac Nelly von light11, Designer Giuseppe Maurizio Scutellà und Florian Felgenhauer von light11.Zurück zur Euroluce: In den vergangenen Beiträgen berichteten wir ausführlich von unseren Eindrücken der Euroluce 2015, der weltgrößten Messe für Designerbeleuchtung, die alle zwei Jahre in Mailand stattfindet. Während der Messe trafen wir unter anderem auf verschiedene Designer. Eine besonders spannende Begegnung erwartete uns am Stand des italienischen Premium-Herstellers Artemide. Hier trafen wir auf Designer Giuseppe Maurizio Scutellà, den Schöpfer der beliebten Pirce-Leuchtenfamilie.

 

 

Giuseppe Maurizio Scutellà im Gespräch

Das Bild zeigt den Artemide Stand auf der Euroluce 2015.

Wir trafen Giuseppe Maurizio Scutellà am Euroluce Stand von Artemide

 

"Eine Leuchte schafft nicht nur Licht, sie "bewohnt" unser Haus, wird ein Teil von uns, weckt sogar im ausgeschalteten Zustand unsere Emotionen."

 

lightMAG: Herr Scutellà, es ist uns eine Freude, Sie hier auf der Euroluce anzutreffen. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen. Unsere erste Frage bezieht sich auf Ihren persönlichen Werdegang. Gab es einen besonderen Moment in Ihrem Leben, an dem Sie sich für eine Laufbahn als Designer entschieden haben?

Giuseppe Maurizio Scutellà: Zeichnen ist mein Leben. Ich glaube, es wurde mir in gewissem Sinne in die Wiege gelegt. Meine ersten Erfahrungen machte ich bereits als Junge. Ich war begeistert von den Marvel Comics dieser Tage und übte mich im Zeichnen der Figuren. Nach der Schule entschied ich mich jedoch zunächst für den Bereich Industriemechanik. Auch dies entsprach durchaus meinen Vorlieben, jedoch musste ich trotzdem weiter Zeichnen. Des Nachts, wenn ich meinen Job erledigt hatte, arbeitete ich stets weiter an Entwürfen und Zeichnungen.

Ein Schlüsselerlebnis war dann die Begegnung mit Angelo Mangiarotti im Jahr 1986. Für mich persönlich ist Mangiarotti einer der großen Designer unserer Zeit. Die Begegnung weckte endgültig die Leidenschaft für das Thema Design in mir. Nach dieser Erfahrung entschied ich mich, in seine Fußstapfen zu treten.

Von Anfang an hat mich übrigens das Thema Beleuchtung am meisten interessiert. Licht transportiert mehr Leidenschaft, mehr Emotionen als etwa Küchenutensilien, die ich ebenfalls designe. Eine Leuchte schafft nicht nur Licht, sie "bewohnt" unser Haus, wird ein Teil von uns, weckt sogar im ausgeschalteten Zustand unsere Emotionen. Wie viel Emotion steckt z. B. in dem verschließbaren Diffusor der Artemide Eclisse? Ein Dimmer würde vielleicht den gleichen Zweck erfüllen, aber nicht solch eine Magie verströmen. Für mich hat Licht immer auch etwas Magisches.

 

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Angelo Mangiarotti inspirierte Scutellá zum Beruf des Designers - gemeinfreies Bild von Wikimedia

lightMAG: Sie erwähnten ihre Begegnung mt Angelo Mangiarotti. Was schätzen Sie besonders an seinen Arbeiten?

Giuseppe Maurizio Scutellà: Den besonderen Charakter seiner Objekte. Bevor er als Designer tätig war, war er Bildhauer, daher kombiniert er stets die richtigen Formen in seinem Design, die wie Skulpturen anmuten. Seine Leuchte Lesbos für Artemide ist solch eine großartige, skulpturale Arbeit wo all diese Einflüsse zusammenwirken. Auch seine Küchenmöbel aus Marmor sind ein Meilenstein für mich und gehören für mich zu den wichtigsten Design-Objekten unserer Zeit.

lightMAG: Welcher Designer hat Sie außerdem in Ihrem Wirken beeinflusst? Haben Sie weitere Vorbilder?

Giuseppe Maurizio Scutellà: Ich schätze die Meister des Bauhaus wie Walter Gropius, Josef Albers, Marcel Breuer mit seinen faszinierenden röhrenförmigen Möbeln. Auch für die Arbeiten von Ludwig Mies van der Rohe und Hans Theo Baumann, die das organische Design eines Alvar Aalto abbilden, kann ich mich begeistern.

Die Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt Achille Castiglioni in seiner Werkstatt in Mailand.

Auch Altmeister Castiglioni zählt zu Scutellàs Vorbildern

Natürlich stellen auch die Meister des italienischen Rationalismus wie Achille Castiglioni, Gio Ponti, Gae Aulenti oder Enzo Mari eine große Inspiration für mich dar. Auch die ironischen Arbeiten von Bruno Munari begeistern mich. Munari war ein brillanter Designer dessen Arbeiten man kaum mit etwas vergleichen kann. Ich habe auch seine Bücher immer sehr geliebt. Sie erlaubten einen Blick in die Zukunft, einen Blick darauf, wie Design in zehn Jahre aussehen könnte. Es gibt auch heutzutage viele, relevante Designer, jedoch entdecke ich selten Formen, die nicht so oder so ähnlich bereits von Munari realisiert wurden.

 

 

 

Ich persönlich unterscheide grob in "Typen" von Designern: Zunächst ist da der Typ, der eine Idee kommunizieren kann, ohne die Form allzu stark zu betonen, wie etwa Castiglioni, dessen Arbeiten deshalb auch immer aktuell sein werden. Dann ist da der Typ Designer, der eine Idee einzig durch die Form selbst zum Ausdruck bringt, wie etwa Angelo Mangiarotti. Und dann gibt es noch den smart-ironischen Typ, wie etwa Bruno Munari.

 

"...Bruno Munari ist die größte Inspiration für mich."

 

lightMAG: Sie erwähnten Bruno Munari bereits mehrfach als Vorbild. Würden Sie ihn als Ihre größte Inspiration bezeichnen?

Giuseppe Maurizio Scutellà: Ja, Bruno Munari ist die größte Inspiration für mich. Er ist ein ironischer Künstler, seine Arbeiten weisen diesen skulpturalen Charakter auf. Es ist eine ganz eigene Mixtur, ein sehr eigener Stil.

Auch Castiglioni schätze ich sehr. Er war eigentlich die erste Person, die mich zum Design einer Leuchte inspirierte. Eine seiner ersten Arbeiten, die ich kennenlernte, war die Parentesi, bestehend aus nicht vielmehr als einem Seil und einem Stahlrohr mit Leuchte. Mein erster Eindruck: Ich mag diese Leuchte nicht! Erst nach einiger Zeit habe ich sie für mich „wiederentdeckt“ und erkannte: es ist die perfekte Leuchte für jeden Zweck. Sie hat keine feste Position, ein sich bewegendes Licht, ein bisschen wie die Sonne, wenn Sie so wollen. Ich liebe die Umsetzung dieses minimalistischen Konzeptes: entworfen mit klarer Linie, aber angefüllt mit Emotionen.

 

lightMAG: Gefällt Ihnen die Neuinterpretation der Parentesi von Konstantin Grcic, die OK Lamp?

Giuseppe Maurizio Scutellà: Ja, sie gefällt mir, allerdings ist sie ja nicht die erste Hommage an Parentesi. Ich erinnere mich gut an die Hot Achille von Ingo Maurer, die ich ebenfalls sehr schätze. OK von Konstantin Grcic ist eine wirklich gute Interpretation dieses Konzeptes und passt mit ihrem Minimalismus perfekt in unsere Zeit. Für mich persönlich allerdings steckt derartig viel Emotion im Original von Castiglioni, dass die Parentesi für mich immer die liebste Ausführung dieses besonderen Konzeptes bleiben wird.

 

"Wir sind die Summe unserer Erfahrungen."

 

lightMAG: Sie erwähnten die Meister des Bauhaus. Welche Epochen oder Stile hatten außerdem Einfluss auf Ihr Wirken?

Giuseppe Maurizio Scutellà: Wir sind die Summe unserer Erfahrungen. Die Geschichte, die Orte, an denen wir leben, die Menschen, die uns in unserem Leben begegnen, prägen das, was wir sind. Unsere individuelle Wahrnehmung, unsere persönlichen Filter erzeugen anschließend etwas Eigenes daraus. Jemand erzählte mir einst, dass wir als Italiener in einem Container aus Geschichte, Kunst und unzähligen Stilen leben, die wir uns praktisch per Osmose aneignen. Ich denke, das stimmt nur teilweise. Manche leben zeitlebens an einem wunderbaren Ort, ohne dessen Schönheit zu begreifen. Andere wiederum entdecken die Schönheit von etwas schon nach wenigen Augenblicken. Ich denke, Schönheit lässt sich überall entdecken, man muss nur aufmerksam und leidenschaftlich sein.

Persönlich schätze ich die klassische Architektur. Ich bin auf Sizilien geboren, was praktisch ein Open Air-Museum von griechischer Antike bis Barock ist. Ich mag aber auch das Bauhaus, das ich für die Wiege des heutigen Designs halte. Die Bauhaus-Ära ist für mich ein frühes Beispiel, wo der Designer in den Vordergrund rückte, in gewissem Sinne ein Schlüsselmoment für das moderne Produktdesign. Ausgehend vom Bauhaus entwickelten sich eigene Strömungen in anderen Ländern, teils nur auf Regionen oder Städte beschränkt. Landesspezifisch entwickelten sich aber sehr eigene Strömungen des Designs, so hat mich auch, wie bereits erwähnt, der Rationalismus eines Achille Castiglioni stets begeistert. Das moderne Design hat also viele Geburtsstätten, wenn Sie so wollen. Eine weitere Inspirationsquelle sind Skulpturen, die ich als komplementär zum Objekt Leuchte verstehe. Eine Skulptur "lebt" von Licht und Schatten.

 

Das Bild zeigt die Interviewsituation mit Giuseppe Maurizio Scutellà auf der Euroluce 2015.Reger Austausch: Mit Giuseppe Maurizio Scutellà plauderten wir unter anderem über seinen persönlichen Stil als Designer

 

"...ich sehe meinen Stil als Schmelztiegel all meiner Erfahrungen und Erlebnisse."

 

lightMAG: Sie sehen Ihren Stil folglich als Mixtur aus all den genannten Einflüssen?

Giuseppe Maurizio Scutellà: Ja, ich sehe meinen Stil als Schmelztiegel all meiner Erfahrungen und Erlebnisse. Wissen Sie, heutzutage finden sich schier unzählige Stile. Wenn wir einen Rundgang durch den Salone del Mobile machen, ist das wie ein Spaziergang durch die Geschichte des Designs. Alles findet sich wieder: Exaltiert, minimal, emotional – es gibt so viele Wege, die eigenen Ideen zu realisieren. Für mich persönlich war insbesondere das Gestalten einer Leuchte immer ein hochemotionales Thema. Eine Leuchte ist mehr als nur ein Objekt. Sie muss zwar als solches funktionieren, eine ästhetische Wirkung entfalten, darüber hinaus aber muss sie auch über ihr Licht etwas zum Betrachter transportieren. Dies ist der Grund, warum ich stets versuche, mein Design mit Emotion zu verbinden.

Zudem befindet sich Design in einer steten Entwicklung, teils beeinflusst von neuen Möglichkeiten. Die LED beispielsweise erlaubt ein komplett neues Design, mehr Minimalismus, flaches Design und neue Formen. Eine schlanke und lineare Formensprache, die wir in dieser Weise zuvor nicht realisieren konnten.

lightMAG: Sie erwähnten zu Beginn unseres Gespräches, dass die Gestaltung von Leuchten Ihre größte Leidenschaft darstellt. Würden Sie es auch als die größte Herausforderung betrachten, im Vergleich zu anderen Objekten, die Sie gestalten?

Giuseppe Maurizio Scutellà: In gewisser Weise schon. Vor allem die LED hat die Art und Weise verändert, wie wir heute eine Leuchte gestalten. Als wir anfingen, mit LED-Technik zu arbeiten konnten wir völlig neue Formen realisieren – schmaler, flacher, einfach anders. Allerdings könnte gerade dies in Zukunft eine große Herausforderung für den Designer darstellen. Die ersten Jahre mit LED Leuchten brachte uns eine Reihe von Produkten, die sich in ihrem Minimalismus sehr ähnelten. Viele dieser Leuchten transportierten die emotionale Komponente einer Leuchte nur unzureichend, zumindest für meinen Geschmack.

lightMAG: Ihre Alcatraz für Artemide arbeitet mit LED-Technik. Würden Sie gerne wieder eine LED-Leuchte gestalten?

Giuseppe Maurizio Scutellà: Ja, mein Lieblingsthema. Ich habe darüber bereits mehrfach mit Artemide gesprochen. Sehen Sie, für mich ist es fast eine biologische Notwendigkeit, Leuchten zu gestalten (lacht). Nachdem ich die Möglichkeit hatte, mit Artemide die Pirce und Alcatraz zu gestalten, hat mich dieses Thema nie mehr losgelassen. Das führte sogar schon zu privaten Schwierigkeiten, so ist etwa meine Frau nicht immer begeistert, wenn ich mich stunden- und tagelang mit neuen Ideen für Leuchten auseinandersetze.

 

"Die Mehrzahl meiner liebsten Objekte wurde aus einer Emotion heraus geboren."

 

lightMAG: Form oder Funktion? Was ist für Sie der Ausgangspunkt?

Giuseppe Maurizio Scutellà (lacht): Es kommt ganz darauf an. Beide Aspekte müssen von Anfang an bedacht werden. Bei meinen ersten Überlegungen frage ich mich natürlich: Wo könnte die Leuchte hin? Was kann ich damit machen? Natürlich spielt die Frage nach der Funktionalität, nach der möglichen Anwendung der Leuchte, schon von vorneherein eine große Rolle.

In anderen Fällen liefert die Form eine erste Idee. Viele meiner eigenen Ideen sind das Resultat eines flüchtigen Eindrucks von einer Form, manchmal nur eines Schattens. Wissen Sie, wenn ich unterwegs bin und interessante Formen oder auch ein faszinierendes Licht- und Schattenspiel beobachte, frage ich mich oft: Wie kann ich diese Form, diese Wirkung in eine Leuchte transportieren?

Für mich spielen also sowohl Form als auch Funktion eine Rolle, die Form ist allerdings deutlich häufiger der Ausgangspunkt für mich. Die Mehrzahl meiner liebsten Objekte wurde aus einer Emotion heraus geboren. Die Form wurde also vor der Funktion geboren. Ich denke, dies ist auch auf meine Liebe zur bildenden Kunst zurückzuführen. Ich persönlich unterscheide an dieser Stelle nicht allzu sehr zwischen dem Werk eines Designers und dem eines Künstlers. Ich sehe eine direkte Verbindung zwischen diesen beiden Bereichen.

 

 

lightMAG: Sie erwähnten in Ihrer ersten Antwort die Artemide Eclisse von Vico Magistretti. Welche Artemide Leuchten gefallen Ihnen außerdem besonders gut?

Giuseppe Maurizio Scutellà: Eclisse ist magisch, perfekt in der Formgebung und Funktion, die Tolomeo ist der Archetypus einer Tischleuchte, Mesmeri eine Wandskulptur, Empatia, Cadmo, Lesbo, Dinarco, Scopas und Talak – und natürlich Pirce und Alcatraz.

lightMAG: Sie arbeiteten bereits mehrfach mit Artemide zusammen. Wie interpretieren Sie das Konzept „The Human Light“ für sich? Inwieweit beeinflusst es Sie während des Design-Prozesses?

Giuseppe Maurizio Scutellà: Ich denke, die Pirce passt sehr gut in dieses Konzept. Sie ist nicht einfach ein weiteres Designerprodukt, ein weiterer Stuhl oder Schreibtisch. Pirce entfaltet ihre Wirkung bereits in ausgeschaltetem Zustand. Wird sie dann eingeschaltet, wird sie „lebendig“, wir erleben dieses Spiel aus Licht und Schatten, verursacht vom Objekt selbst. Dies bringt eine neue Dimension in das Design, und zwar Emotionen. Pirce ist somit mehr als nur ein funktionales, technisches Produkt. Eine Leuchte sollte unser Leben mit gutem Licht und Emotionen bereichern – das ist zumindest meine eigene Definition von „The Human Light“.

Sehen Sie, ich bin auch ein großer Freund minimalistischer und reduzierter Formen, doch manchmal transportieren diese Objekte einfach nicht genug Gefühl für meinen Geschmack. Beleuchtung ist ein derartig emotionales Thema, ich muss meine Leuchten einfach mit Gefühlen „aufladen“.

 

Das Bild zeigt die Artemide Pirce Sospensione von Giuseppe Maurizio Scutellà in einem edel eingerichteten Wohnraum.

Über Pirce: „Sie ist vor allem das Ergebnis meiner Liebe zur bildenden Kunst, insbesondere zur Bildhauerei.“

lightMAG: Erzählen Sie uns mehr über die Pirce. Was hat Sie zur einzigartigen Form inspiriert?

Giuseppe Maurizio Scutellà: Sie ist vor allem das Ergebnis meiner Liebe zur bildenden Kunst, insbesondere zur Bildhauerei. Von Anfang an hatte ich den Gedanken eines skulpturalen Erscheinungsbildes, einer Form mit hohem Wiedererkennungswert. Die Leuchte sollte großartig aussehen, auch wenn sie ausgeschaltet ist.

Ich war schon immer ein großer Freund skulpturaler Formen im Bereich Produktdesign. Die Sache ist die: Ein Objekt muss stets mit einem 360°-Blick betrachtet werden – es soll aus allen Richtungen und Blickwinkeln gut aussehen. Dies wollte ich mit der Pirce realisieren, die aus jeder Richtung betrachtet werden kann. Gleichzeitig ändert sich ihre optische Wirkung, je nachdem von welcher Seite man sie anschaut.

 

"LEDs sind Nachhaltig, effizient und die aktuell beste Möglichkeit, gutes Licht zu geringen ökologischen Kosten zu erzeugen."

 

lightMAG: Sind Sie ein Freund der LED? Und gefällt Ihnen persönlich die Pirce besser mit klassischen Leuchtmitteln oder mit LED-Licht?

Giuseppe Maurizio Scutellà: Absolut! Ich glaube es ist unmöglich, dass es nochmal zu einer Kehrtwende kommt. LEDs sind Nachhaltig, effizient und die aktuell beste Möglichkeit, gutes Licht zu geringen ökologischen Kosten zu erzeugen. Als die Pirce 2008 entstand, arbeitete sie mit Halogen-Leuchtmitteln – die perfekte Wahl in puncto Lichtqualität. Als wir die Pirce mit LED ausstatteten, war ich zunächst ehrlich gesagt etwas besorgt, dass dies nicht zum gleichen Resultat führen könnte, dass die Leuchte vielleicht sogar ihren Charakter ändern könnte. Dies hat sich glücklicherweise nicht bestätigt. In meinem Haus habe ich mittlerweile selbst zwei Pirce mit LED-Technik. Ich halte die Qualität des Lichts für ausgezeichnet. Die LED ist für mich die Zukunft der Beleuchtung, wenngleich wir mit der OLED bereits einen weiteren, vielversprechenden Kandidaten beobachten können.

lightMAG: Gibt es ein Produkt, ein Objekt, das Sie schon immer gestalten wollten? Welches Objekt wäre dies und wie sähe es aus?

Giuseppe Maurizio Scutellà: Aktuell arbeite ich mit verschiedenen Unternehmen aus recht unterschiedlichen Bereichen, beispielsweise arbeite ich weiterhin an Bad- und Küchenutensilien, Möbeln und natürlich Leuchten, die eindeutig mein Liebstes Motiv darstellen. Eines Tages möchte ich gerne einen Stuhl entwerfen, aber aktuell scheint mir, dass alle Stühle, die ich zu Gesicht bekomme deutlich schöner ausfallen, als ich sie zeichnen könnte. Ich denke, hier muss ich einfach noch die richtige Idee abwarten…

lightMAG: Herr Scutellà, wir bedanken uns vielmals für das interessante Gespräch.

 

 

Giuseppe Maurizio Scutellà – sein Leben & Wirken

Giuseppe Maurizio Scutellà wurde 1962 in Alcamo geboren, einem Städtchen auf der Hauptinsel Siziliens. Im Jahr darauf zogen seine Eltern in die Stadt Lumezzane um, wo er auch seine Schulzeit verbrachte. 1981 machte er sein Diplom im Bereich Industriemechanik. Im beruflichen Umfeld profilierte er sich alsbald als Spezialist für Spritzguss- und Kunststoffformen und arbeitete als leitender Projektdesigner für so renommierte Marken wie Kawasaki, Ducati oder Mercedes. Heute ist Giuseppe Maurizio Scutellà als freischaffender Designer tätig. Neben dem Bereich Beleuchtung ist er auch im Segment der Haushaltsgeräte als Designer aktiv und arbeitet unter anderem als leitender Designer für das Unternehmen Marci&Co. Als Leuchtendesigner profilierte sich Giuseppe Maurizio Scutellà vornehmlich durch seine Arbeiten für den italienischen Premium-Hersteller Artemide.

 

Auf dem Foto sorgen zwei Exemplare der Artemide Pirce Sospensione von Giuseppe Maurizio Scutellà für gutes Licht in einer stilvoll eingerichteten Küche.

Zwei Exemplare der Pirce beleuchten eine Küche

Die gemeinsame Erfolgsgeschichte von Giuseppe Maurizio Scutellà und Artemide beginnt 2008, als Scutellà seine Pendelleuchte Pirce vorstellt, eine Konstruktion aus drei, scheinbar willkürlich angeordneten Ringen und einem „Schälchen“ an der Unterseite der Leuchte. Mit diesem außergewöhnlichen Erscheinungsbild erinnert Scutellàs Pirce an die Ringe des Saturns und transportiert eine wahrhaft überirdische Ästhetik in den Raum. Zudem besticht Pirce mit ihrer ausgeklügelten Lichtwirkung: das „Schälchen“ beherbergt einen leistungsstarken 400W-Halogenstab, mit dem die Leuchte auch größere Räume zu erhellen vermag. Das Licht wird nach oben abgegeben und dort von der Decke reflektiert. Es entsteht ein indirektes Raumlicht, das sich absolut blendfrei und besonders gleichmäßig im Raum verteilt.

 

 

Für ihr außergewöhnliches Design und die durchdachte Lichtwirkung wurde die Leuchte bereits mit einigen namhaften Designpreisen ausgezeichnet. 2008 errang sie den Good Design Award des Chicago Athenaeum, 2009 wurde sie mit dem renommierten Red Dot Award prämiert und 2010 gesellte sich eine Auszeichnung mit dem iF Product Design hinzu. Der große Erfolg der Pirce zog immer weitere Vertreter dieser Leuchtenfamilie nach sich, darunter Wand- und Deckenleuchten.

 

Die filigrane Konstruktion aus Aluminium wird mit einer speziellen Maschine in ihre ungewöhnliche Form gebracht. Von der komplexen Fertigung der Pirce-Familie konnten wir uns bereits selbst überzeugen. Während unseres Besuches im Artemide-Werk in Mailand erlebten wir hautnah mit, wie eine Pirce entsteht. Während der Korpus zunächst per Maschine bearbeitet wird, erfolgt die Montage der Elektrotechnik ausschließlich per Hand.

2011 erscheint mit Alcatraz eine Stehleuchte, die für den Betrieb mit LEDs konzipiert wurde. Alcatraz besticht durch ihre zweifache Lichtwirkung: der Löwenanteil des Lichtes wird nach oben abgegeben, wo es von der Decke reflektiert, und als indirektes Raumlicht in den Raum abgestrahlt wird. Zusätzlich bietet Alcatraz eine zweite Lichtquelle, die für nach unten gerichtetes Licht sorgt und somit zuverlässig die Umgebung in sanftes Licht taucht.

 

Die Artemide Alcatraz Stehleuchte von Giuseppe Maurizio Scutellà vor grauem Hintergrund.

Filigrane Schönheit: Stehleuchte Alcatraz

Der Clou: über zwei integrierte Dimmer lassen sich beide Lichtquellen getrennt steuern. Darüber hinaus präsentiert sich Alcatraz in filigraner Formensprache. Ihr Erscheinungsbild ist durch eigentlich recht simple, geometrische Formen geprägt, der Fuß etwa ist ein flaches Rechteck. Dies trifft auch auf den Kopf zu, allerdings weist dieser an der Unterseite eine deutliche Wölbung auf. Auf den ersten Blick könnte man fast meinen, das Material beginnt langsam herunter zu tropfen. Wie wir im Gespräch mit Giuseppe Maurizio Scutellà erfuhren, sollte der Name ursprünglich „Drop“ lauten. Scutella hatte beim Design das Bild eines Tautropfens vor Augen, in dem sich ein Lichtstrahl bricht.

 

 


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