Francisco Gomez Paz – Designer im Interview

Die Aufnahme zeigt Designer Francisco Gomez Paz mit Linda Mac Nelly und Florian Felgenhauer von light11 auf der diesjährigen Euroluce in Mailand.Seit dem vergangenen Jahr dürfen wir im lightMAG regelmäßig renommierte Designer in unserer Interview-Rubrik begrüßen. Diesmal im Gespräch: Der argentinische Designer Francisco Gomez Paz, Schöpfer der populären Hope Leuchtenfamilie von Luceplan. Das Interview führten wir auf der diesjährigen Euroluce in Mailand – der weltgrößten Messe für Designerbeleuchtung.

 

Doch wir trafen den argentinischen Erfolgs-Designer nicht nur zum Interview, sondern kamen auch in den Genuss einer exklusiven Standführung durch Francisco Gomez Paz höchstselbst. Hier führte er uns unter anderem die Pendelleuchte Mesh vor, die sich als netzartiges Geflecht präsentiert, in dem einzelne LED-Module untergebracht sind. Über eine spezielle App lassen sich nun beliebig viele der LEDs zu- oder abschalten, so dass Mesh wahlweise als rundumstrahlende Leuchte eingesetzt werden kann, oder auch eine Lichtrichtung definiert werden kann. Beispielsweise können nur die nach unten strahlenden LEDs aktiviert werden – schon liefert Mesh nach unten gerichtetes Licht. Designer Gomez Paz demonstrierte uns anhand eines Touch-Panels am Messestand von Luceplan die schier grenzenlosen Möglichkeiten von Mesh. Auch diese innovative Pendelleuchte war Thema während unseres äußerst aufschlussreichen Interviews, in dem Gomez Paz mit uns über Design, LEDs und seine argentinische Heimat plauderte.

 

 

Francisco Gomez Paz – Das Interview

Designer Francisco Gomez Paz mit Linda Mac Nelly und Florian Felgenhauer von light11.Linda Mac Nelly und Florian Felgenhauer von light11 trafen Francisco Gomez Paz am Stand von Luceplan

lightMAG: Herr Gomez Paz, wir freuen uns sehr, Sie zum Interview hier auf der Euroluce zu begrüßen. Hier in Mailand unterhalten Sie auch Ihr Design-Studio. Sie leben bereits hier seit Ihren Studententagen an der Domus Akademie?

Francisco Gomez Paz: Eigentlich habe ich in Córdoba studiert, einer Stadt im Herzen Argentiniens. Meinen Masterabschluss habe ich zwar an der Domus Akademie erworben, doch im Grunde habe ich die Ausbildung in Argentinien durchlaufen. Ohne Zweifel habe ich an der Domus Academy eine Menge gelernt, trotzdem glaube ich, dass meine Herangehensweise an das Thema Design hauptsächlich durch meine argentinischen Wurzeln beeinflusst ist. In Argentinien gab es keinerlei postmoderne Bewegungen, stattdessen wird das Design bis heute stark durch Strömungen der Moderne wie dem Bauhaus geprägt. Daher ist diese klassische Denkweise bei uns noch sehr präsent und wird auch so gelehrt.

lightMAG: Gibt es, neben diesen Einflüssen, bestimmte Stile, die Ihr eigenes Wirken beeinflusst haben?

Francisco Gomez Paz: Ich bin kein großer Freund der Einteilung in Stile, weil diese Stile das Ergebnis eines konzeptionellen Prozesses sind. Mir ist es wichtiger, einen Stil zu verstehen und diesen frei zu interpretieren als einer vorgeschriebenen Designvorlage zu folgen. Aus diesem Grund möchte ich meine eigenen Ideen umsetzen und Stile frei interpretieren.

Im Allgemeinen lasse ich mich durch Stile nicht einschränken. Und sobald ich zwei Mal hintereinander auf die gleiche Art und Weise denke, macht mich das nervös, weil es bedeutet, dass ich meinen Job nicht richtig mache. Deswegen möchte ich immer meine eigenen Regeln brechen. Ich beginne jeden Arbeitsprozess bei Null. Doch dies ist im Grunde ein sehr alter Ansatz, der sich auch in vielen modernen konzeptuellen Strömungen wiederfindet. Kurz gesagt: Ich lasse mich nicht durch Stile beeinflussen, doch ich werde konzeptionell durch viele Menschen geprägt.

 

"Ich lasse mich nicht durch Stile beeinflussen..."

 

Alberto Meda im Portrait

Designer Alberto Meda zählt zu den Vorbildern von Gomez Paz

lightMAG: Welche Menschen sind das? Gibt es Designer oder Künstler, die Sie besonders schätzen? Haben Sie ein Vorbild?

Francisco Gomez Paz: Mich fasziniert einfach die Art und Weise, wie eine Person denkt, nicht die Person selbst. Folglich prägen mich eine Menge Menschen. Ich liebe Gedanken – ich liebe die Schönheit der Gedanken. Natürlich gibt es auch Personen, die mich direkt beeinflusst haben, als ich mit ihnen zusammengearbeitet habe. Mein Vater hatte vermutlich den größten Einfluss darauf, wie ich an das Thema Design herangehe. Ohne Zweifel hat mich auch Alberto Meda in vielerlei Hinsicht geprägt. Ich kann mich mit seiner Arbeitsweise in vielen Bereichen identifizieren. Und wir sind ziemlich gute Freunde. Ich wohne in der Nähe seines Studios, daher essen wir häufig gemeinsam zu Mittag und sprechen über Design.

 

Zudem – und das mag unerwartet sein – hatte Steve Jobs einen enormen Einfluss auf mich. Ich habe große Achtung davor, wie er denkt und wie er unternehmerische Elemente mit Design kombiniert. Was Kunst betrifft: Ich liebe die Arbeiten des argentinischen Künstlers Tomás Saraceno. Die Ästhetik seiner Werke spricht mich einfach an.

lightMAG: Kehren wir zu unserer Eingangsfrage über Italien zurück. Leben Sie hauptsächlich in Mailand?

Francisco Gomez Paz: Ja, bis zum letzten Jahr hatte ich in Italien meinen Hauptwohnsitz. Ich habe nach wie vor ein Studio in Mailand. Letztes Jahr habe ich jedoch einen großen Schritt gewagt und ein weiteres Studio in Argentinien eröffnet. Es ist ein Ort zum Experimentieren, an dem ich einfach mit meinen Projekten spielen kann – abseits von jeglichen Störungen. Ein Ort, an dem ich an neuen Designs feilen kann. Aber ich komme nach wie vor sehr häufig nach Italien und arbeite in meinem Mailänder Studio. Was meine Arbeit betrifft, ist dies die Hauptniederlassung, in der ich auch mit meinen Kunden sprechen und arbeiten kann.

lightMAG: Würden Sie Italien als Ihre zweite Heimat betrachten?

Francisco Gomez Paz: Ja, es ist meine zweite Heimat…und in vielerlei Hinsicht auch meine erste Heimat. Italien hat mir wirklich viel gegeben. Ich liebe dieses Land, ich liebe Mailand. Ich habe dort viele Menschen kennenlernen dürfen, die meine Leidenschaft für Design teilen. Beispielsweise habe ich gleich nach meinem Abschluss an der Domus Academy angefangen, mit Paolo Rizzatto zu arbeiten, was wirklich eine großartige Erfahrung für mich war. Davor hat er stets allein gearbeitet, daher war es eine große Ehre für mich, dass ich ihn als Assistent unterstützen durfte. Durch seine Arbeitsroutinen habe ich viel darüber gelernt, wie Italiener Design interpretieren. Diese Zusammenarbeit bedeutete einen großen Sprung in meiner Karriere, nicht nur weil ich mit einem bekannten Designer zusammengearbeitet habe, sondern weil ich es mir selbst endlich gestattet habe, im Zusammenhang mit Design auch über Schönheit zu sprechen. Vor dieser Zeit habe ich das Konzept der Schönheit während des Design-Prozesses eher wenig bedacht.

 

Das Foto zeigt den Luceplan-Mitgründer Paolo Rizzatto während der Arbeit.

Mit Paolo Rizzatto entwickelte Francisco Gomez Paz die Hope Leuchten

lightMAG: Sie konzentrierten sich zuvor ausschließlich auf die Funktion?

Francisco Gomez Paz: Nein, nicht die Funktion. Mein Problem in Bezug auf das Konzept der Schönheit lag auf einem konzeptuellen Level. Schönheit ist ein sehr subjektives Konzept, daher konnte ich es nicht wirklich in meine Designs integrieren. Bei der Zusammenarbeit mit Paolo Rizzatto und später mit Alberto Meda habe ich diese Berührungsängste mit dem Thema Schönheit hinter mir gelassen und gelernt zu akzeptieren, dass im Endeffekt ein großer Teil unserer Arbeit darin besteht, Schönheit zu schaffen. Das ist ein wichtiger Punkt, den Italien mich gelehrt hat.

 

 

 

Tatsächlich habe ich mich nur langsam in Italien eingelebt, weil alles fremd ist, wenn man das erste Mal nach Italien kommt. Die Mailänder sind sehr bescheiden und stehen nicht gerne im Mittelpunkt, sodass ich deren Kultur Schritt für Schritt verstehen musste. Doch im Laufe der Zeit habe ich eine unheimlich große Vielfalt der Kulturen und Lebensweisen beobachtet, in die ich mich einfach verliebt habe. Und plötzlich wurde Mailand zu einem Teil meines Lebens, ja sogar ein Zuhause. Ich habe auch meine beiden Töchter in Italien großgezogen.

lightMAG: Gab es einen bestimmten Punkt in Ihrem Leben, am dem Sie sich bewusst für den Beruf des Designers entschieden?

Francisco Gomez Paz: Ja, ich gehörte zu den Kindern, die voller Neugier und Wissensdurst waren. Ich habe mein Spielzeug ständig in seine Einzelteile zerlegt, damit ich aus diesen etwas Neues schaffen konnte. Mein Vater hat mir von seinen Geschäftsreisen Spielzeug aus aller Welt mitgebracht, aber schon nach einer Woche hatte ich es auseinander genommen, um zu verstehen, wie es funktioniert und um neue Sachen daraus zu erschaffen. Aber mein absolutes Lieblingsobjekt war ein Dampfmotor, der in meines Vaters Studio stand. Diese Maschine hat mich einfach fasziniert und ich wollte immer damit spielen. Doch mein Vater hat mir das verboten, weil er wusste, dass ich sie sowieso zerlegen würde. Eines Tages jedoch, hat er es mir dann doch gestattet, unter der Voraussetzung, dass ich die Maschine nicht beschädigen würde. Also habe ich sie dazu verwendet, ein Spielzeugauto mit einem Dampfmotor zu bauen. In gewisser Weise war dies mein allererstes Design. Jedes Mal wenn ich sehe, wie dieses kleine Spielzeug sich bewegt, wird mir bewusst, dass man alles verwirklichen kann. Danach habe ich einfach gewusst, was ich studieren möchte, Mein Vater, der als Architekt tätig war, hat mich stark beeinflusst – so war der Beruf des Designers keine weithergeholte Idee. Ich habe mich also stets intensiv mit dem Designprozess und dessen Abläufen beschäftigt. Als ich dann nach Córdoba ging, um Design zu studieren, war es Liebe auf den ersten Blick.

lightMAG: Sie entschieden sich sehr früh, die Laufbahn des Designers einzuschlagen…

Francisco Gomez Paz: Ja, es war etwas, das in mir erwacht war. Beispielsweise habe ich gar kein Talent, wenn es um Sprachen geht. Ich bin auch kein begnadeter Autor, sodass ich manchmal Schwierigkeiten habe Texte zu verfassen. Die dreidimensionale Welt dagegen ist etwas komplett anderes für mich. Zu verstehen, wie Dinge funktionieren, ist Teil meines Wesens, daher folge ich meinem inneren Drang.

lightMAG: Eine Frage, die wir gern an Designer stellen: Wie denken Sie über den gesetzlich verordneten Glühlampenausstieg? Halten Sie dies für einen sinnvollen Weg, den Energieverbrauch einzuschränken? Und fehlt Ihnen – vom Standpunkt des Designers – die traditionelle Glühlampe?

 

Auf dem Foto ist Francisco Gomez Paz zu sehen, wie er den light11-Mitarbeitern das Konzept seiner neuen Mesh Pendelleuchte erläutert.

Sympath: Francisco Gomez Paz nahm sich viel Zeit für unser Gespräch

Francisco Gomez Paz: Das ist mir eigentlich ziemlich egal, weil die klassische Glühlampe der Vergangenheit angehört. Bei meiner täglichen Arbeit als Designer interessiere ich mich vielmehr für die neuen Möglichkeiten, die uns durch die LED-Technologie geboten werden. Meiner Meinung nach stellt das Glühlampenverbot nur Unternehmen vor eine Herausforderung, die viele Produkte in ihrem Portfolio haben, bei denen herkömmliche Lichtquellen zum Einsatz kommen. Mir persönlich fehlt mir die Glühbirne nicht sonderlich, weil LEDs uns die Türen für neue Designs, eine neue Ästhetik, neue Geschichten und eine neue Poesie öffnen.

 

 

 

lightMAG: Also würden Sie sich als “Fan” der LED-Technik bezeichnen?

Francisco Gomez Paz: Absolut! Tatsächlich sind die meisten meiner derzeitigen Projekte das Ergebnis eines Experimentierprozesses mit LEDs. Es gibt viele Beispiele in der Geschichte, die zeigen, dass eine neue Technologie auch die Welt des Designs verändert. Wir haben großartige Innovationsmöglichkeiten, um neue Prototypen und neue Formen zu entdecken, die sich kein anderer bisher vorstellen konnte. Für mich sind die LEDs vergleichbar mit der Entdeckung Amerikas.

 

"Für mich sind die LEDs vergleichbar mit der Entdeckung Amerikas."

 

Die Wandleuchte Luceplan Illusion an einer dunklen Wand montiert.

Francisco Gomez Paz arbeitet gerne mit LEDs, wie im Falle der Illusion Wandleuchte

Die LED ändert derzeit alle Spielregeln. Es ist auch faszinierend, wie viele Designer noch immer technische Lösungen einsetzen, die auf der Form und den technischen Grenzen der Glühlampe beruhen. Sie kreieren noch immer denselben Leuchtentyp, weil sie sich von den Einschränkungen des klassischen Leuchtendesigns nicht lösen können. Es ist ein langwieriger Prozess – vergleichbar mit der Einführung der ersten Autos. Die ersten Modelle sahen weiterhin genauso aus wie Kutschen. Langsam aber sicher haben sie die Form dann aber verändert. Das ist auch der Grund, warum ich mich gerne von allen vorherigen Prototypen des Designs distanziere und von Grund auf eine neue Lichtlösung erschaffe.

 

 

 

lightMAG: Ihre Werke “Tango” und “Nothing” arbeiten beide mit LED-Technik. Wie beurteilen Sie die Lichtqualität aktueller LEDs? Produzieren diese hochwertiges, gutes Licht?

Francisco Gomez Paz: Ich befinde mich nach wie vor in einem Lernprozess im Umgang mit LEDs. All die Projekte, die Sie genannt haben, sind für mich Teil eines Entwicklungsprozesses; dabei mache ich mit den Eigenschaften der LED-Beleuchtung vertraut. Beispielsweise ist mein derzeitiges Projekt „Mesh“ das krönende Ergebnis meiner Recherchearbeit, die ich während der vorherigen Projekte geleistet habe. Dabei spiele ich mit Schatten, indirektem Licht und den besonderen Eigenschaften von LED-Licht.

 

Designer Francisco Gomez Paz mit seiner Tango Stehleuchte auf der Euroluce 2015.

Designer Francisco Gomez Paz mit seiner Schöpfung Tango

lightMAG: Noch einmal zur “Tango” Stehleuchte: Was diente Ihnen als Inspiration für dieses Projekt?

Francisco Gomez Paz: Der Grundgedanke des Konzepts von „Tango“ war meine Neugierde in Bezug auf das Thema indirektes Licht. Weiterhin wollte ich mit der Bewegung der Form spielen. Ich habe einen sehr praktischen Ansatz, wenn es um Design geht, daher erschaffe ich sehr viele Prototypen. Ich habe mit der Bewegung einer Ebene im Raum herumgespielt, als ich endlich die Lösung des Problems entdeckte. Viele meiner Designs sind das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses. Wie auch bei der Arbeit mit Skulpturen, setze ich meine Hände sehr häufig ein. Ich bin der Meinung, dass Hände manchmal sprechen können, daher muss man sie einfach mal machen lassen. Ich beginne immer mit einem starken Konzept, das Raum für Experimente lässt.

 

"Ich bin der Meinung, dass Hände manchmal sprechen können..."

 

lightMAG: Wie entstand der Name “Tango”? Sollte die Leuchte an Tänzer erinnern?

Francisco Gomez Paz: Ja. Mein erstes Design konnte sich auf verschiedene Arten bewegen, bis ich entschieden habe, seine Mobilität einzuschränken. Beim Tango gibt es diese tolle Bewegung, bei der sich das Bein des Mannes und das Bein der Frau überkreuzen. Die Form der „Tango“ spiegelt diese Bewegung wider. Wenn man vor der Leuchte steht, fühlt es sich an, als würde man Tango tanzen. Für mich als Argentinier besteht hier eine direkte Verbindung.

 

Im Handumdrehen entfaltet: Die Bildstrecke zeigt, wie unkompliziert sich Nothing in Form bringen lässt. Das rechte Bild zeigt die Leuchte in ihrer ganzen Pracht

 

"Es ist ein bisschen wie Zauberei."

 

lightMAG: Zurück zur “Nothing” Stehleuchte: Diese weist ein äußerst interessantes Designkonzept auf. Die Leuchte lässt sich komplett auseinanderfalten…

Francisco Gomez Paz: „Nothing“ war eines der Projekte für Luceplan, bei denen ich die größtmögliche kreative Freiheit hatte. Mir wurde eine fast uneingeschränkte Freiheit bei der Umsetzung meiner Ideen gewährt, sodass ich die Leuchte ohne jegliche Vorgaben entwerfen konnte. LEDs ändern die Art und Weise, wie wir Licht produzieren, doch die Leuchten werden weiterhin auf der Grundlage von Glühlampen designt. Also habe ich mir gedacht: Was passiert, wenn ich eine Leuchte aus dem Nichts kreiere, als wäre es die allererste Leuchte, die ein Mensch entwickelt hat? Deswegen standen für mich am Anfang die technischen Gesichtspunkte im Vordergrund. Man hat immer eine Leiterplatte, welche die einzelnen LED-Module miteinander verbindet. Vor diesem Hintergrund habe ich versucht, eine Leuchte zu erschaffen, die nur aus einer Leiterplatte besteht. Nachdem ich eine Reihe von Elementen weggelassen habe, nahm die Leuchte nach und nach Form an. Es war ein sehr schwieriges Projekt; die gesamte Recherche für den Entstehungsprozess hat drei Jahre in Anspruch genommen. Aus diesem Grund musste ich 130 Prototypen erstellen. Es war so etwas wie ein Evolutionsprozess. Die Grundidee war es, eine einzige Lichtquelle zu erschaffen, die auf einer flachen Ebene im Raum angebracht ist. Ich habe die Struktur der Leuchte auf ein Minimum reduziert. Sie wirkt fast wie eine kleine Skulptur, die im Raum hängt und Licht projiziert, dessen Quelle man nicht lokalisieren kann. Es ist ein bisschen wie Zauberei.

lightMAG: Wie können wir den Namen “Nothing” interpretieren?

Francisco Gomez Paz: LEDs steigern die Bedeutung der Leuchte an sich. Vielleicht können wir in der Zukunft Licht erzeugen, ohne dass ein Objekt das Licht abgibt. Also habe ich versucht, die Masse des Objekts so weit wie möglich zu reduzieren. Auch wenn das Objekt an sich eine sehr starke ästhetische Ausdruckweise hat, habe ich versucht, diese soweit dies machbar ist, zu reduzieren.

lightMAG: Sie erwähnten Ihre Vorliebe für reduzierte, minimalistische Formen. Wie würden Sie Ihren eigenen Stil in wenigen Worten umreißen?

Francisco Gomez Paz: Ich denke, dass ich mich auf Ideen konzentriere. Bei meinen Arbeitsprozessen geht es eher um Entwicklung, als darum eine Form von Anfang an zu favorisieren. Ich experimentiere sehr viel, fast wie bei dem Entwicklungsprozess einer Skulptur. In einem Prozess, an dem meine Fantasie und meine Hände mitwirken sind, entdecke ich langsam die Form des Objekts. Im Mittelpunkt aller meiner Designs steht der Freiheitsgedanke. Um dieses Ziel zu erreichen, eigne ich mir so viel Wissen an, wie es nur möglich ist: über die Elektronik der LED-Glühbirnen, über Philosophie, über Menschen, über alles. Ich glaube wirklich, dass Wissen den Schöpfungsprozess eines Objekts bereichert.

 

"Im Mittelpunkt aller meiner Designs steht der Freiheitsgedanke."

 

lightMAG: Wie gestaltet sich Ihre Zusammenarbeit mit der Marke Luceplan? Sie erwähnten bereits, dass Sie bei der Gestaltung Ihrer Leuchten eine große gestalterische Freiheit haben….

Francisco Gomez Paz: Mich verbindet eine langjährige Beziehung mit Luceplan, die ursprünglich mit Alessandro Sarfatti, dem ehemaligen CEO von Luceplan, begann. Ich denke das Schöne an italienischen Unternehmen ist, dass man eine tiefe Beziehung zu ihnen entwickeln kann. Sie vertrauen mir sehr. Zwischen ihnen und mir findet ein konstant guter Dialog statt, sodass mir sehr viele Freiheiten eingeräumt wurden. Sie sind der Auffassung, dass ich auf lange Sicht im Sinne des Unternehmens handeln werde.

lightMAG: Dürfen wir uns nach Ihren aktuellen Projekten erkundigen?

Francisco Gomez Paz: Nun, zurzeit gibt es ein paar Prototypen, die wir hier bei der Euroluce vorstellen, aber ich habe selbstverständlich auch einige Ideen für neue Projekte im Kopf. Jedoch werde ich in den nächsten Monaten weiter an der „Mesh“ arbeiten, weil ich der Überzeugung bin, dass sie viel Potenzial besitzt und zu einer ganzen Familie von Objekten ausgearbeitet werden kann. Ich bin mit dem Ergebnis der „Mesh“ ziemlich zufrieden.

Die Luceplan Mesh Pendelleuchte von Francisco Gomez Paz in der Detailansicht

Die LEDs der Mesh lassen sich einzeln zu- und abschalten

Im Falle der „Mesh“ wollte ich meine bisherige Vorstellung von Lichtverteilung in einem Raum überdenken. Aus diesem Grund hat die „Mesh“ 132 LED-Module, die wie Fibonacci-Kurven angeordnet sind (Leonardo Fibonacci war ein italienischer Rechenmeister, auf den das Konzept der Fibonacci-Folge zurückgeht. Das Konzept beschreibt eine unendliche Folge von natürlichen Zahlen. Anm. d. Red.). Sie imitiert die Formen der Natur. Viele Pflanzen und Tiere sind ebenso Vertreter solcher mathematischer Strukturen.

 

 

 

 

Bei diesem Projekt haben wir Elektronik und Design vereint. Aus diesem Grund ist die „Mesh“ eine der ersten Leuchten, bei denen eine Regulierung des Lichts um 360° möglich ist. Man kann selbst wählen, wie das Licht abgegeben wird – dies ist eine Funktion, die bisher nicht möglich war. Sie lässt sich an die Bedürfnisse der Menschen und des Raumes anpassen. Dies gilt, wenn die Leuchte beispielsweise in die Nähe einer Wand im Raum angebracht wird. Vielleicht soll die Wand nicht in einem hellen, blendenden Licht erstrahlen. Vielmehr soll ein unaufdringliches Raumlicht in Richtung Wand strahlen, und ein helles klares Licht den Rest des Raumes beleuchten. Die „Mesh“ macht dies möglich, dazu müssen lediglich die gewünschten Einstellungen über eine App ausgewählt werden.

 

Das Bild zeigt drei Exemplare der Luceplan Titania, zwei Pendelleuchten sowie die Titania Stehleuchte.

Die Titania Leuchten zählen zu Francisco Gomez Paz Favoriten im Sortiment von Luceplan

 

"Schönheit entsteht immer aus Intelligenz."

 

lightMAG: Der Kronleuchter Hope entstand in Kooperation mit Luceplan-Mitgründer Paolo Rizzatto. Welche anderen Luceplan Leuchten schätzen Sie besonders? Haben Sie einen „Liebling“?

Francisco Gomez Paz: Ich bin ein großer Fan von Alberto und Paolo – ich liebe einfach alle ihre Leuchten. Aber die „Titania“ hat mich einfach umgehauen, als sie auf den Markt kam. Sie ist voller Innovationen und cleverer Ideen. Insgesamt mag ich alle Leuchten von Luceplan, die ein gemeinsames Thema haben: Schönheit entsteht immer aus Intelligenz. Es ist nicht nur eine ästhetische Schönheit, sondern auch eine Intellektuelle. Auf diese Weise kann man sich in eine Leuchte gleich zwei Mal verlieben.

lightMAG: Herr Gomez Paz, wir bedanken uns vielmals für das aufschlussreiche Gespräch.

 

 

Francisco Gomez Paz – Zur Person

Designer Francisco Gomez Paz im Portraitfoto

Francisco Gomez Paz ist gebürtiger Argentinier

Francisco Gomez Paz wurde 1975 in der argentinischen Stadt Salta geboren. Seine Ausbildung begann mit einem Abschluss in Industriedesign an der Nationalen Universität Córdoba. Um seinen Master-Abschluss zu machen, verlässt Gomez Paz sein Heimatland und macht sich auf in die Wiege des Designs: nach Italien, genauer gesagt nach Mailand. Hier macht er an der weltberühmten Domus Akademie seinen Master in Design. Seit dem Jahr 2000 ist er zudem regelmäßig als Gastprofessor an der Domus Akademie tätig und hielt als Dozent bereits Gastvorträge an vielen Design-Hochschulen dieser Welt.

 

 

 

2004 eröffnet sein eigenes Designstudio seine Pforten in Mailand. Rasch machte der aufstrebende Designer auf sich aufmerksam. Mit Neugier als zentraler Antriebskraft experimentiert Francisco Gomez Paz oft und gerne mit neuen Herstellungsverfahren und Werkstoffen, und versucht sich an neuen, innovativen Formen. Seine kreativen Ideen begeistern die Auftraggeber. Zu den Kunden seines Studios zählen so renommierte Marken wie Artemide, Danese Milano, Driade oder Olivetti. 2014 eröffnet er dann ein weiteres Design-Studio in seiner argentinischen Heimat. Seitdem pendelt der vielbeschäftigte Designer regelmäßig zwischen Argentinien und seiner und seiner Wahlheimat Mailand.

 

Das Bild  zeigt einen Esstisch, darüber thront die größte Ausführunge der Hope Pendelleuchte

Die vielfach preisgekrönte Hope Pendelleuchte entstand in Kooperation mit Paolo Rizzatto

Die Zusammenarbeit mit Luceplan trägt 2009 erste Früchte, als der innovative Kronleuchter Hope erscheint, den er gemeinsam mit Luceplan-Mastermind Paolo Rizzatto entwickelte. Seitdem gestaltete Francisco Gomez Paz eine Reihe erfolgreicher Produkte für den italienischen Hersteller, angefangen bei einer ganzen Reihe von Leuchten, die das charakteristische Design der Hope gekonnt aufgreifen. Für seine innovativen Entwürfe konnte der Argentinier bereits einige renommierte Designpreise einheimsen. Für die Luceplan Hope etwa wurde er bereits mit dem Good Design Award dem Red Dot Award und dem Compasso d’Oro ausgezeichnet. 2011 wurde ihm zudem eine besondere Ehre zuteil: Italiens Staatspräsident Georgio Napolitano zeichnete ihn mit dem „Premio dei Premi per l'Innovazione“ aus, dem Preis der Preise für Innovationen.

 

 

Francisco Gomez Paz – Erfolgsmodell Hope

Das Bild zeigt die ausladende Pendelleuchte Hope in der größten Ausführung mit 200cm Durchmesser.

Üppig: Die größte Ausführung der Hope Pendelleuchte weist einen Durchmesser von 200 cm auf

Die Hope Pendelleuchte, eine moderne Neuinterpretation des klassischen Kronleuchters, markierte einen großen Erfolg in der Karriere von Francisco Gomez Paz. Neben dem außergewöhnlichen Design, das an das Erscheinungsbild des namensgebenden Hope-Diamanten erinnert, besticht die Pendelleuchte durch ihre ausgefeilte Konstruktion. In vielen Baumärkten und Einrichtungs-Discountern finden sich mittlerweile mehr oder weniger gelungene Kopien der Hope. Keine davon erreicht jedoch auch nur Annähernd den Grad der Entblendung, wie ihn die Hope Pendelleuchte gewährleistet. Tatsächlich ist es aus beinahe jedem Blickwinkel unmöglich, einen direkten Blick auf das Leuchtmittel zu werfen. Trotz ihrer offenen Struktur besticht Hope folglich durch ausgezeichnete Entblendung. Gleichzeitig entsteht durch die hauchfeinen Micro-Fresnel-Linsen ein faszinierendes Lichtspiel. Das austretende Licht wird durch die Kunststofflinsen tausendfach gebrochen und sorgt für atemberaubende Lichtreflexe.

 

Der große Erfolg der Hope zog nicht nur Varianten der Pendelleuchte in verschiedenen Größen nach sich, sondern auch weitere Vertreter der Hope-Familie. Die Hope Soffitto, erhältlich mit einem Durchmesser von 109 cm sowie mit 69 cm, transportiert das bekannte Design gekonnt auf eine Deckenleuchte. Mit Hope Parete kommt der außergewöhnliche Diamant an die Wand, entweder als üppige Hope Parete grande, oder als deutlich kompaktere Hope Parete piccola. Außerdem sind mit Hope Terra und Hope Terra Stilo zwei Varianten zu haben, die das beliebte Design auf eine Stehleuchte übertragen. Hope Terra erinnert mit ihrer Dreibein-Konstruktion an die Ästhetik eines Kamerastativs – mit dem Unterschied das obenauf keine Kamera zu finden ist, sondern ein Diamant prangt. Hope Terra Stilo hingegen ist nur mit einem schlanken Stiel ausgestattet und besticht durch ihre besonders filigrane Konstruktion.


 

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