Experten im Interview – Frank Busch von Artemide

Frank Busch - ArtemideFrank Busch leitet die deutsche Vertriebsgesellschaft für die Premium-Marke Artemide. Der italienische Hersteller ist seit Jahrzehnten für seine Innovationskraft und sein außerordentliches Gespür für gutes Design weltweit bekannt. Wir trafen Frank Busch im Artemide Showroom in Frankfurt und sprachen mit ihm über seine Leidenschaft für Licht, die Bedeutung der LED für den Bereich der Beleuchtung und über seine Tätigkeit für einen der bekanntesten Leuchtenhersteller der Welt.

 

lightMAG: Herr Busch vielen Dank, dass sie sich die Zeit für uns nehmen. Unsere erste Frage: Was verbindet Sie persönlich mit dem Thema Licht?

 

„Licht gestaltet Raum, Licht macht Architektur erkennbar, Licht ist Emotion, Licht stimuliert den Menschen und steigert sein Wohlbefinden.“

 

Frank Busch: Ich interessiere mich bereits seit Kindheitstagen für das Thema Licht. Ich bin von Haus aus Ingenieur und war schon immer technisch interessiert. Schon als Kind habe ich viel mit Elektronikbaukästen gespielt. Ich habe schon in meiner Jugend an eigenen Leuchten gebastelt, insofern hat mich das Thema Licht schon immer begeistert. Nach meinem Studium war ich in verschiedenen Ingenieurbüros tätig und habe, gemeinsam mit einem Architekten ein eigenes Planungsbüro betrieben. Dort haben wir die Generalplanung für Gebäude durchgeführt, wo natürlich dem Licht eine ganz besondere Rolle zukommt. Schon damals hatte ich viel Spaß an der Planung der Beleuchtung. Technologie hat mich schon immer interessiert, auch für die Technik hinter Bus- und Steuerungssystemen kann ich mich begeistern. Licht gestaltet Raum, Licht macht Architektur erkennbar, Licht ist Emotion, Licht stimuliert den Menschen und steigert sein Wohlbefinden. Insofern hat sich schnell herauskristallisiert, dass Lichtdesign und Beleuchtung zu meinen Lieblingsgewerken zählen.

lightMAG: Die Rolle der Beleuchtung im Raumkonzept ist ein Aspekt, den Sie besonders spannend finden?

Frank Busch: Absolut! Gleichzeitig kann beim Thema Beleuchtung auch viel falsch gemacht werden. Damals, zu Zeiten unseres Planungsbüros, haben wir zum Beispiel rasch bemerkt, dass durch unpassende oder unzureichende Beleuchtung die Architektur nicht in der Form sichtbar wurde, wie wir es uns vorstellten. Insofern ist das ein Aspekt, der mich unheimlich fasziniert: Wie kann ich mit Licht den Raum gestalten und verändern?

lightMAG: Das Produktdesign muss sich folglich immer mit der Wirkung der Leuchte im Raum beschäftigen?

Frank Busch: Wir bieten grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Leuchten, bzw. Licht: Zum einen sind dies Leuchten, die ich wahrnehmen und sehen kann, der Beleuchtungskörper als Objekt steht im Vordergrund. Auf der anderen Seite soll die  Lichtquelle nicht sichtbar sein. Der Raum soll beleuchtet werden, der Beleuchtungskörper selbst soll dabei aber nicht im Fokus stehen. Artemide bedient mit seinen Produkten stets beide Bedürfnisse. Uns war schon immer die Lichtwirkung wichtig: Was macht das Licht unserer Leuchte mit dem Raum, und den Menschen die darunter Arbeiten, und leben? Wir haben hohe Ansprüche an das Design unserer Leuchten, aber wir können Licht auch so gestalten, dass der Beleuchtungskörper kaum mehr zu sehen ist.

 

lightMAG: Leuchten wie Tizio oder Tolomeo werden gerne als „zeitlose Klassiker“ bezeichnet. Wann ist Design „zeitlos“?

Frank Busch: Nun, wenn wir solche Ikonen betrachten, wie die Tizio oder die Tolomeo, löst dies eine gewisse Faszination aus. Trotz ihres Alters – Tizio stammt aus dem Jahr 1972, Tolomeo aus dem Jahr 1987 – schauen wir noch heute auf die Objekte und denken: „Das könnte auch aus dem letzten Jahr stammen.“ Das ist meiner Ansicht nach das größte Faszinosum an solch zeitlosem Design.

Zum Thema Design gehört aber auch der Aspekt der Funktionalität – etwas, dass wir hier bei Artemide immer ganz gut hinbekommen (lacht). Eine Leuchte muss genug Licht bieten, um ihre Funktion erfüllen zu können. Gleichwohl spielt hier auch die Qualität des Lichtes eine Rolle. Diese funktionalen Aspekte gilt es mit dem Design zu verbinden. Gerade diese Verbindung aus Innovation, Qualität des Designs und der Qualität des Lichtes macht Artemide aus.

Wenn wir uns Tizio oder Tolomeo anschauen sehen wir exemplarisch diese Verbindung aus hoher Funktionalität als Arbeitsplatzleuchte, hervorragender Lichtqualität und zeitlosem Design. Und es geht hier auch nicht zuletzt um eine nachhaltige Produktqualität. Dass man etwa auch heute noch, 40 Jahre später, seine Tizio reparieren lassen kann, finde ich einfach toll.

lightMAG: Ein Kunde berichtete uns, dass er bereits in den 70ern eine Original-Tizio gekauft hat – damals noch als Architekturstudent. Die Leuchte zog mit dem Kunden ins eigene Architekturbüro, begleitete ihn dort über seine berufliche Karriere hinweg. Nun wollte er die Tizio an seinen Sohn vermachen – für dessen Architekturstudium – benötigte aber nun, rund 40 Jahre später, ein Ersatzteil. Der Kunde war begeistert, dass er auch Jahrzehnte später noch das passende Ersatzteil bekommen und die Leuchte somit an die nächste Generation weiterreichen konnte. Durch solche Berichte erfahren wir, wie stark sich die Besitzer mit Objekten wie der Tizio identifizieren. Sie wird zu einem Begleiter über Jahre und Jahrzehnte…

Frank Busch: So ist es. Tizio ist ja schon weit über 40 Jahre alt, die Tolomeo wird fast 30. Wir hören regelmäßig sehr persönliche Geschichten von Architekten und anderen Kunden. Viele haben eine Tizio oder Tolomeo von ihrem ersten Geld oder noch während des Studiums gekauft. Die Leuchte begleitet sie anschließend auf allen Stationen ihres Lebens, sei es in verschiedenen Büros oder in der eigenen Firma.

lightMAG: Herr Busch, was ist das Besondere an der Arbeit für Artemide? Was verbinden Sie ganz persönlich mit der Marke?

 

„Die Innovationskraft von Artemide ist für mich unfassbar und scheint unendlich zu sein.“

 

Ein Ensemble von Empatia Pendelleuchten sorgt für stilvolle Beleuchtung in einem Lokal.

Frank Busch schätzt die Empatia für ihr stimmiges Gesamtbild

Frank Busch: Innovation, Qualität, Design. Die Innovationskraft von Artemide ist für mich unfassbar und scheint unendlich zu sein. Wenn ich sehe, welche und wie viele Produkte wir von Messe zu Messe kreieren, frage ich mich manchmal, woher all diese guten Ideen in dieser kurzen Zeit stammen. Ich nenne gerne die Empatia als eine der neueren Artemide Leuchten, die eine visionäre Verknüpfung vom alten Kunsthandwerk des Glasblasens und moderner Technologie verkörpert. Dies ergibt ein stimmiges Gesamtbild, die Elemente passen gut zusammen. Es sind für mich auch keine Gegensätze, einerseits das Traditionshandwerk zu bewahren, aber gleichzeitig auf die neuste Technologie zu setzen. Bei der Empatia begeistert mich auch die Idee, das Licht mittels einer „Lightpipe“, einem Lichtleiter, von der LED nach oben in das Glas zu transportieren.

 

Neben diesem Mut zur Innovation hat die Marke Artemide zudem eine weltweite Strahlkraft, die ihresgleichen sucht. Wir sind ein geschätzter Partner von Endkunden, aber auch von Architekten, Lichtplanern, etc. Zum 50-jährigen Jubiläum von Artemide gab es eine Aktion unter dem Motto „Macht Artemide ein Geschenk“. Bei dieser Aktion wurden 50 Architekturbüros aufgerufen, Artemide ein Geschenk zu machen. Dafür bekamen sie eine schwarze Box, die sie ganz nach Wunsch befüllen sollten. Als die Boxen zurückkamen, war ich fasziniert, welch tolle Ideen darunter waren – als Geschenk für Artemide. Als ich dann bei einigen Architekten zu Besuch war, um mich für die Geschenke zu bedanken, habe ich immer wieder gehört: „Artemide steht seit 50 Jahren für gutes Licht und gutes Design. Darum war es für uns eine Selbstverständlichkeit und eine Ehre, etwas an Artemide zurückgeben zu können.“ Da wurde mir die Strahlkraft dieser Marke bewusst. Schon seit 50 Jahren stehen wir für gutes Licht und hochwertige Leuchten.

 

Frank Busch erläutert einigen light11-Mitarbeitern die Artemide Glass Collection auf der Euroluce in Mailand.

Licht aus Leidenschaft: Auf der Euroluce 2015 führte uns Frank Busch über den spektakulären Artemide-Stand.

lightMAG: Was macht für Sie eine gelungene Leuchte aus? Haben Sie eine Präferenz in puncto Design?

Frank Busch: Ich habe zwar Präferenzen, gerade wenn es um die Kombination verschiedener Aspekte geht, aber ich bevorzuge keinen bestimmten Stil. Natürlich habe ich viele Lieblingsleuchten, aber diese sind eigentlich völlig verschieden. Manchmal spricht mich die Funktionalität einer Leuchte besonders an. Natürlich liebe ich aber auch Design und Materialität. Bei Artemide spielt auch die Haptik eines Produktes eine wichtige Rolle.

Letztlich ist hier die Kombination dieser Eigenschaften entscheidend: Die Leuchte hat eine ganz konkrete Aufgabe, einen Zweck. Zugleich berührt man sie gerne, wenn Haptik und  Materialität ansprechend sind, und schaut sie gerne an, weil sie zeitlos gestaltet ist. Wir legen bei Artemide sehr viel Wert darauf, dass all diese Komponenten ineinander greifen und miteinander harmonieren.

 

Zwei Exemplare der Pipe Terra von Artemide demonstrieren ihre Beweglichkeit.

Futuristisches von Herzog & de Meuron: Artemide Pipe

Ich habe ja bereits die Empatia erwähnt, deren Design mich persönlich sehr anspricht, besonders die Kombination von moderner Technik und traditionellem Handwerk. Aber auch die Pipe von Herzog & de Meuron begeistert mich wegen ihrer Flexibilität. Ich kann sie biegen und in Form bringen. Gleichzeitig bietet der besondere Kunststoff eine außergewöhnliche Haptik. Und auch die Lichtwirkung der Pipe schätze ich sehr. Wenn Sie überlegen, auch die Pipe ist jetzt schon einige Jahre alt. Wenn ich sie mir heute anschaue, empfinde ich sie dennoch als sehr innovativ. Wie weit man hier vorausgedacht hat, ist einfach beeindruckend.

lightMAG: Ein Blick in die Zukunft sozusagen…

Frank Busch: Ja, auch heute hören wir noch, dass die Leuchte sehr futuristisch wirkt. Dabei ist sie schon fast 15 Jahre alt.

 

Das Motiv zeigt, wie ein Glaskörper für eine Artemide Empatia nach traditionellen Verfahren entsteht.

Handwerk: Empatia verkörpert mit ihrem mundgeblasenen Glas die Kombination von Tradition und Moderne.

lightMAG: Noch eine Frage zur Empatia: Ist das von Ihnen beschriebene Nebeneinander von Innovation und Tradition ein wichtiger Aspekt in der Entwicklung von Artemide-Leuchten?

 

„Die Empatia ist Artemide.“

 

Frank Busch: Ja, definitiv. Unsere Kernwerte umfassen neben der Innovation auch die Pflege traditionellen Handwerks. Die Empatia ist Artemide. Sie sagt genau das aus, was Artemide ausmacht: Die Verbindung von Handwerk und Technologie. Gerade die bereits erwähnte Lightpipe in der Empatia ist eine beeindruckende Innovation, die das Licht genau dorthin leitet, wo es hin soll. Empatia macht exemplarisch die Kernwerte von Artemide sichtbar.

Zudem ist die Qualität des Lichtes hervorragend. Durch die Schicht weißen Glases auf dem klaren Glas wird das Licht gestreut und in alle Richtungen verteilt. All dies macht die Empatia zu einem rundum gelungenen Produkt.

 

Die Tischleuchte der Empatia-Familie ist auf dem Foto in drei verschiedenen Größen zu sehen. Gut erkennbar: Die Lightpipe.

Durchdacht: Empatia transportiert ihr Licht über eine „Lightpipe“.

lightMAG: Empatia bringt auch noch die letzten LED-Kritiker zum Verstummen?

Frank Busch: Hinsichtlich der Lichtqualität haben wir hier ein wirkliches Wohlfühllicht, gerade im direkten Vergleich mit dem Licht der Glühlampe. Auch optisch, wenn Sie einen genauen Blick auf die Leuchte werfen, erinnert sie mit ihrer Form und der „Lightpipe“ als Lichtleiter schon sehr stark an eine Glühlampe. Und dies ist das Licht, das wir Menschen als so angenehm empfinden, auch weil es für uns seit so vielen Jahren vertraut ist.

lightMAG: Welche Märkte sind für Artemide besonders wichtig? Wo befinden sich bedeutende Zukunftsmärkte?

 

 „Unsere Mission darin besteht, die ganze Welt mit gutem Licht zu versorgen, um das Wohlbefinden des Menschen zu verbessern.“

 

Frank Busch: An dieser Stelle möchte ich im Sinne meines Chefs sprechen: Für uns sind alle Märkte wichtig, denn: Unsere Mission darin besteht, die ganze Welt mit gutem Licht zu versorgen, um das Wohlbefinden des Menschen zu verbessern. Wenn wir aber über Volumen und Kernmärkte sprechen, dann sind sicherlich Deutschland und Italien die wichtigsten Märkte. Natürlich auch Frankreich, USA, Großbritannien, der Mittlere Osten, Russland und Asien – auch wenn es dort viele Kopien von uns gibt. Dennoch gibt es dort einen großen Trend zu Marken. Die Markenshops sprießen in Asien aus dem Boden, sei es im Textil- oder Automobilbereich – und wir sind natürlich an der Beleuchtung vieler dieser Shops beteiligt. Aber wir sind auch daran interessiert, unsere Leuchten an die Endnutzer zu verkaufen. Wir produzieren in Europa und verkaufen in Asien.

 

Das Motiv zeigt verschiedenfarbige Exemplare der Tolomeo Micro.

Die Tolomeo zählt zu den meistkopierten Leuchten der Welt.

lightMAG: Sie haben gerade das Thema Plagiate angesprochen. Ist dies ein großes Problem für Artemide?

Frank Busch: Nun, selbst in Deutschland finden wir sehr oft Plagiate. Wir haben also regelmäßig mit diesem Thema zu tun. Ich habe gerade mit einem Kollegen gesprochen, der mir davon berichtete, dass auf Messen in Asien seitenweise Produkte aus Katalogen kopiert wurden, die noch gar nicht erhältlich sind.

lightMAG: Welches ist das meistkopierte Objekt? Wir würden vermuten, es ist die Tolomeo?

Frank Busch: Die Tolomeo wird natürlich am meisten kopiert. Als eine der meistverkauften Leuchten greifen wir sehr oft Kopien von ihr auf. Und diese Kopien werden immer besser. Oft erkennt man das Plagiat erst, wenn man es in Händen hält. Wenn man versucht den Leuchtenkopf mit einer Hand zu drehen – was die Funktionalität der Tolomeo ausmacht – sieht man aber sehr schnell, dass es sich nicht um ein Original handelt.

lightMAG: Das Thema Nachhaltigkeit ist einer der zentralen Aspekte in der Philosophie von Artemide. Wie wirkt sich dieser Aspekt auf den Entwicklungsprozess der Produkte aus? Hat man von vornherein einen langen „product life cycle“ im Sinn?

Frank Busch: Unbestritten, ja. Diese Aspekte werden bereits im Entwicklungsprozess berücksichtigt. Auch die Art der Materialien und ihre Herkunft sind uns sehr wichtig. Wie können sie verarbeitet werden, sprich, wie können die Ressourcen effizient genutzt werden?

 

Auf dem Bild ist die Copernico Sospensione zu sehen, die komplett zusammengefaltet und somit platzsparend transportiert werden kann.

Dreidimensional: Copernico entsteht aus wenig Material.

Die Frage ist auch: Wie mache ich aus wenig Ausgangsmaterial eine Leuchte? Hier spielen auch Aspekte der Logistik eine Rolle. Sehr gut umgesetzt wurde dies etwa bei den Serien IN-EI oder Copernico. Copernico ist ein sensationell gutes Beispiel: Aus einer Platte wird der Korpus mit einem Laser geschnitten und durch das Aufklappen der Leuchte entfaltet sie ein großartiges Volumen. So entsteht aus wenig Material eine Leuchte. Gleichzeitig können beim Versand Ressourcen eingespart werden, denn die Leuchte nimmt zusammengeklappt nur sehr wenig Raum ein. All das sind Aspekte, die wir bereits während der Konzeption einer Leuchte berücksichtigen.

 

 

 

„Die LED ist die Technologie der Zukunft.“

 

lightMAG: Also ein sehr ganzheitlicher Ansatz im Hinblick auf die Nachhaltigkeit?

Frank Busch: Absolut! Von Materialien, Nutzungsdauer bis hin zum Recyceln wird der Prozess geplant. Auch die Leuchtmittel sind wichtig. Wir entwickeln mittlerweile nur noch im Bereich LED – es gibt keine herkömmlichen Leuchtmittel mehr in der Entwicklung. Die LED ist die Technologie der Zukunft.

lightMAG: Wie beurteilen Sie die Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich LED-Technik? Werden sich Effizienz und Lichtqualität noch weiter verbessern?

Frank Busch: Da bin ich sicher. Wenn man zurückblickt, ging es vor einigen Jahren vor allem darum, dass man überhaupt eine LED-Leuchte fertigen und anbieten kann. Schon damals zeichnete sich ab, dass das Verhältnis von Watt zu Lumen sensationell ist. Meiner Meinung nach wurde aber zunächst vernachlässigt, sich mit der Qualität des Lichts zu beschäftigen. Es ging vornehmlich um einen großen Licht-Output bei geringem Energiebedarf. Ein Trend, der sehr lange auf den Messen zu sehen war.

Ich glaube, wir sind heute an einem Punkt angekommen, wo wir uns wieder mehr Gedanken um die Qualität des Lichts machen und uns auch mit der Frage beschäftigen, wie die Leuchte um das Leuchtmittel herum aussieht. Artemide ist sicherlich auch in dieser Hinsicht Vorreiter, weil für uns schon immer beides sehr wichtig war: Eine gute Lichtqualität UND ein attraktives Design anbieten zu können. Und auch in der Zeit der Einführung der LED haben wir so weiter gemacht. Die Leuchte als Objekt sowie Art und Qualität des Lichts haben wir niemals aus den Augen verloren.

lightMAG: Welche Anstrengungen unternimmt Artemide im Bereich LED-Forschung und -Entwicklung?

 

Das Bild liefert einen Einblick in das LED-Modul der Talo Parete LED von Artemide.

Die LEDs lässt Artemide nach ganz konkreten Vorgaben fertigen.

Frank Busch: Mittlerweile gehen all unsere Neuentwicklungen in diese Richtung. Wir stellen LED-Leuchten her, fertigen aber die LED-Platinen nicht selbst, sondern kaufen sie bei anderen Herstellern. Aber wir sind sehr stark in der Entwicklung der für uns produzierten LEDs beteiligt. Die Hersteller produzieren die LEDs also nach unseren konkreten Vorstellungen.

Uns geht es vor allen Dingen darum, die Lichtqualität und Effizienz der LEDs zu verbessern. Auch die Lebensdauer der LEDs ist ein großes Thema. Es ist sehr wichtig, ein gutes Thermomanagement zu entwickeln, damit die LED nicht frühzeitig den „Hitzetod“ stirbt. Die zentralen Aspekte sind Wärmemanagement, Licht-Output und natürlich die Qualität des Lichtes.

 

Insgesamt stecken wir viel Energie in das Thema Forschung & Entwicklung. Ich glaube ehrlich gesagt, dass nicht viele Hersteller derartig stark in Forschung und Entwicklung engagiert sind wie Artemide. Wenn ich in Italien bin und sehe, wie viele Menschen bei Artemide in Forschung und Entwicklung arbeiten, bin ich immer wieder begeistert.

lightMAG: Sie sehen Artemide in dieser Hinsicht als Vorreiter?

Frank Busch: Ja, das kann man so sagen, insbesondere wenn man einen Blick auf die letzten Dekaden bei Artemide wirft. Artemide war schon immer Trendsetter und hat richtungsweisende Produkte entwickelt.

lightMAG: Das würden wir so unterschreiben.

Frank Busch: Danke. (lacht)

lightMAG: Wir erleben nach wie vor, dass manche Verbraucher der LED noch recht kritisch gegenüberstehen. Viele sind von ihren ersten Erfahrungen geprägt, als sie vor Jahren die erste LED-Retrofit aus dem Baumarkt kauften und von der damaligen Lichtqualität enttäuscht waren. Wie würden Sie einem Kritiker die Vorteile aktueller LEDs erläutern?

Frank Busch: Mittlerweile hat die LED eine gewisse Reputation erlangt. Viele Endkunden wünschen bereits ausschließlich LED-Produkte. Vor zehn Jahren hingegen, als die Lichtqualität noch nicht das heutige Niveau hatte, wurden viele, wenig ausgereifte Produkte auf den Markt geworfen. Darunter litt der Ruf der LED zunächst. Zwischenzeitlich sind wir viel, viel weiter in der Entwicklung. Heute liefern LEDs eine sehr gute Lichtqualität und bieten eine exzellente Farbwiedergabe. Die Qualität ist heute so gut, dass man ein angenehmes, für den Menschen wohlbefindliches Licht erzeugen kann. Auch im öffentlichen Bereich ist die LED mittlerweile angekommen. An Orten mit langer Brenndauer ist sie unabdingbar. Ich glaube, dass wir einen Status erreicht haben, in dem die LED so weit ausgereift ist, dass ich sie jedem Kunden guten Gewissens empfehlen kann.

Aber als Lichttechniker schätze ich auch die Lichtqualität der Glühlampe sehr. Auch und vor allem wegen der Einfachheit dieses Leuchtmittels. Es gibt nach wie vor Bereiche, in denen ich auch herkömmliche Leuchtmittel einsetzen könnte, wenn es sie noch gäbe. Eine Glühlampe war relativ einfach zu produzieren, bot eine hohe Lichtqualität und hohe Farbwiedergabe. Ihr Licht erinnerte an das Feuer – das mag der Mensch. Sie war einfach zu verwenden und einfach und kostengünstig zu entsorgen.

lightMAG: Sie sehen es also kritisch, dass die Glühlampe durch die EU-Gesetzgebung vom Markt verschwindet?

 

„Ich denke, auch heute hätte die Glühlampe in gewissen Bereichen eine Daseinsberechtigung.“

 

Frank Busch: Ja, insbesondere mit Blick auf den Zeitpunkt des Verbots. Damals war die LED noch nicht so weit fortgeschritten wie heute. Ich denke, auch heute hätte die Glühlampe in gewissen Bereichen eine Daseinsberechtigung. Natürlich sollte sie nicht für Bereiche genutzt werden, in denen die Leuchtmittel lange Brennzeiten aufweisen, etwa für eine permanente Beleuchtung, wie hier im Atrium des Artemide Showooms.

Für gewisse Bereiche jedoch, besonders in den heimischen vier Wänden, wo es um eine Wohlfühlatmosphäre geht, finde ich die Verwendung von Glühlampen nach wie vor durchaus angebracht – insbesondere bei geringer Brenndauer.

 

Das Motiv zeigt die Tunable White-Variante der Tolomeo Tavolo, die mit einstellbarer Lichtfarbe aufwartet.

Tunable White: Tolomeo und andere Leuchten sind mit einstellbarer Lichtfarbe erhältlich.

lightMAG: Unter dem Motto „Tunable White“ bietet Artemide eine Reihe von Produkten, die eine individuelle Anpassung der Lichtfarbe ermöglichen. Wo sehen Sie Vorteile und Anwendungsbereiche für diese Funktion?

Frank Busch: Ich glaube, dass diese Technologie schon sehr breit im Markt angewandt wird. Die Anwendungsbereiche sind überaus vielfältig. In einer Verkaufsstelle kann die Lichtfarbe dem Produkt entsprechend eingestellt werden. Auch im Wohnbereich lässt sich diese Funktion vielseitig nutzen. Die Lichtfarbe des Tageslichts ändert sich je nach Tageszeit. Mittags ist es eher kalt-weiß, während es am Abend eher warm-weiß wird. Mit Tunable White Leuchten kann der Endnutzer das Licht stets an die derzeitigen Tageslichtverhältnisse anpassen und sich letztlich seine eigene Lichtstimmung kreieren. Ich sehe da ein großes Marktpotenzial.

 

 

lightMAG: Haben Sie einen Favoriten unter den Produktdesignern, jemanden dessen Arbeit Sie besonders schätzen?

Frank Busch: Ja, die Arbeiten von Ross Lovegrove finde ich bis auf ganz wenige Ausnahmen großartig. Ob Mercury oder Acqua: Das Design spricht mich sehr an. Auch die Produkte von Michele De Lucchi schätze ich sehr, ebenso die Entwürfe Carlotta de Bevilacquas wie Empatia und Pad. Auch der Strahler Cata ist meiner Ansicht nach ein wirklich tolles Produkt. Diese drei kommen mir spontan in den Sinn, aber im Prinzip könnte ich noch zehn weitere aufzählen. (lacht)

 

Das Motiv zeigt eine Artemide Pirce Pendelleuchte über einem Tisch montiert.

Frank Busch über die Pirce: „Sie hat eine wundervolle Lichtwirkung…“.

lightMAG: (lacht) Die Liste wird lang…

Frank Busch: Ja, wenn wir uns die Arbeiten von Scutellà anschauen, etwa die Pirce: Sie ist eine wunderbar einfache Leuchte mit dem „Scherenschnitt“ als Kernelement. Sie hat eine wundervolle Lichtwirkung – man sieht zunächst nicht, woher ihr Licht kommt und dass es sich an zahllosen Stellen bricht – einfach toll. Scutellà schätze ich auch als Persönlichkeit sehr. Und dann gibt es da noch Karim Rashid mit der Cadmo… Sie sehen, es werden immer mehr Namen. Aber Ross Lovegrove ist wirklich mein Favorit.

lightMAG: Herr Busch, vielen Dank für das interessante Gespräch.


 

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