Enzo Catellani – Designer im Interview

Das Bild zeigt Enzo Catellani lächelnd und an einem Tisch sitzend.

Enzo Catellani, Gründer von Catellani & Smith, zählt zu den Künstlern im Bereich des Leuchtendesigns. Bereits seit den 80er-Jahren begeistert seine italienische Manufaktur mit handgefertigten Leuchten, die oft aus Edelmetallen und anderen hochwertigen Werkstoffen entstehen. Es war uns eine große Ehre, Enzo Catellani auf der diesjährigen Light + Building in Frankfurt persönlich kennenlernen zu dürfen. Zu unserer großen Freude konnten wir den Altmeister auch gleich für ein Interview gewinnen.

 

Im Gespräch mit Enzo Catellani

lightMAG: Herr Catellani, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Gespräch mit uns nehmen. Wir möchten gerne mit einer Frage starten, die uns unter den Nägeln brennt: Was hat es mit dem Namen „Catellani & Smith“ auf sich? Wir hörten Gerüchte über einen britischen Architekten und ein Rennpferd…

Enzo Catellani: Das Unternehmen Catellani & Smith, 1989 gegründet, war von Beginn an sehr erfolgreich – trotz Nonkonformismus. Der Name der Firma ergibt sich aus der Begegnung zwischen dem Architekten Carlo Catellani und Logan Smith. Logan Smith war angeblich ein Londoner Architekt aus Cambridge – wo eine Fakultät für Architektur bekanntlich nicht existiert. Eigentlich ist es aber der Name meines Rennpferdes, während Carlo der Vorname meines Vaters ist.

lightMAG: Was fasziniert Sie am Thema Licht?

Enzo Catellani: Ich glaube, dass meine Werke die Idee von Licht als wesentlichem Element des Lebens widerspiegeln – und das in all seinen unterschiedlichen Intensitäten und Nuancierungen. Das Licht ist so beschaffen, wie man es auch in der Natur finden kann – von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

lightMAG: Was hat Sie persönlich dazu bewogen, den Beruf des Designers zu ergreifen?

Enzo Catellani: Es fing alles durch einen Zufall an, als ein Freund mir vorschlug, ein Leuchtengeschäft in Bergamo zu kaufen.

 

„Ich denke, dass Gino Sarfatti ein wahrer Meister war.“

 

lightMAG: Gibt es einen Künstler oder Designer, dessen Arbeit Sie besonders schätzen? Haben Sie ein Vorbild?

Die Aufnahme zeigt den berühmten Designer Achille Castiglioni im Schwarz-Weiß-Portrait.

Altmeister: Enzo Catellani schätzt die Arbeiten von Achille Castiglioni.

Enzo Catellani: Ich denke, dass Gino Sarfatti ein wahrer Meister war. Ebenso wie Achille und Pier Giacomo Castiglioni mit der Leuchte „Arco“.

lightMAG: Leuchten wie „Luna“ oder „Gemma“ setzen auf Kerzen bzw. Teelichter als Leuchtmittel. Woher rührt Ihre Vorliebe für das Feuer? Und was ist das Besondere am Licht einer offenen Flamme?

Enzo Catellani: Feuer ist für mich nicht nur eine Wärmequelle, sondern auch eine Lichtquelle, die für ein Gefühl von Wärme und Entspannung sorgt. Die Flamme kann unterschiedliche Formen annehmen, sobald ein Windstoß sie flackern lässt. Die Flamme wird an den Scheiben reflektiert, die mit Blattgold versehen sind, wodurch der Durchmesser größer wirkt. Es handelt sich um ein freies Licht.

 

 

Das Motiv zeigt die spektakuläre Pendelleuchte Sistema Macchina della Luce von Enzo Catellani in einer Ausführung mit Kupfer-Oberflächen.

Am Stand von Catellani & Smith bestaunten wir diese Installation der Sistema Macchina della Luce

lightMAG: Jede Leuchte von Catellani & Smith ist ein Unikat aus Handarbeit. Was macht den besonderen Charme einer „handgemachten“ Leuchte aus?

Enzo Catellani: Ein handgemachtes Werk wird durch die Arbeit des Handwerkers bereichert. So wird die Tendenz zur Wiederholung der industriellen Produktion vermieden, denn jedes Element wird in unseren Werkstätten mit großer Sorgfalt hergestellt und so "maßgeschneidert", das es sich nach den Bedürfnissen des Kunden richtet.

 

 

 

 

 

Das Motiv zeigt eine Nahaufnahme einer mit Schlagmetall besetzten Scheibe aus der Kupfer-Ausführung der Stchu-Moon Pendelleuchte.

Edle Metalle verleihen den Leuchten von Catellani & Smith ihre außergewöhnliche Lichtwirkung.

lightMAG: Viele Leuchten aus Ihrer Manufaktur verwenden Edelmetalle wie Gold oder Silber als Werkstoff. Was ist das Besondere an diesen Materialien im Zusammenspiel mit Licht?

Enzo Catellani: Das Licht einer Lichtquelle wird von den Metallen stark reflektiert, so dass eine geradezu magische Lichtwirkung erzeugt wird. Aus diesem Grund sind die glatten oder unregelmäßigen Oberflächen von vielen Catellani & Smith Leuchten mit einer feinen Schicht Blattgold, Blattsilber oder Kupfer überzogen. Insbesondere in der Serie „Stchu Moon“ wird durch die texturierte Oberfläche der Reflektor-Scheiben, die in reiner Handarbeit gefertigt sind, eine maximale Brechung des Lichts erreicht.

 

 

 

lightMAG: Das Spiel aus Licht und Schatten bei den Leuchten der „Lederam“-Kollektion erinnert uns an Naturereignisse wie Sonnen- und Mondfinsternis. Was diente Ihnen als Inspiration bei der Gestaltung der Lederam Leuchten?

Enzo Catellani: Die Sonne ist eine warme Lichtquelle und der Mond ein reflektierender Spiegel eines weißen und magischen Lichtes. Beide waren schon in den frühen Phasen Inspirationsquellen für meine Werke.

 

Die Aufnahme zeigt die Pendelleuchte Lederam S2, die an der Innenseite mit goldenem Schlagmetall versehen ist, am Stand von Catellani & Smith auf der Light + Building 2016.

Enzo Catellani über die Lederam S2 Pendelleuchte: „Die Form der Scheibe erinnert an die Eleganz des Mantas.“

lightMAG: Die Pendelleuchte Lederam S2 fällt mit ihrem elegant geschwungenen Schirm ein wenig aus der Reihe. Welche Idee steckte hinter dem Design dieser Leuchte?

Enzo Catellani: Das Meer war schon immer meine große Leidenschaft. Die Form der Scheibe erinnert an die Eleganz des Mantas.

 

„LEDs erfüllen den Wunsch, neue Wege der „Inszenierung“ des Lichtes zu gehen, ein wesentliches und emotionales Licht.“

 

lightMAG: Die Lederam-Leuchten arbeiten allesamt mit energieeffizienter LED-Technik. Schätzen Sie die LED als Leuchtmittel? Bietet Ihnen der Einsatz von LEDs neue Möglichkeiten in puncto Design?

Enzo Catellani: LEDs sind eine praktisch unbegrenzte Lichtquelle. Sie sind energiesparend und für mich sind sie nicht nur eine neue Lichtquelle, sondern auch eine Inspirationsquelle. Sie bergen ein Potenzial, das zur Erkundung einlädt, um attraktive Lichtspiele zu erzeugen. Durch die Anwendung von Linsen wird das gestreute Licht von winzigen LEDs verstärkt und dem Licht wird eine Form gegeben. LEDs erfüllen den Wunsch, neue Wege der „Inszenierung“ des Lichtes zu gehen, ein wesentliches und emotionales Licht. Durch die Kombination von Technologie und Kreativität werden Leuchten mit linearen oder skulpturalen Formen realisiert.

lightMAG: Im Gegensatz zur LED ist die altvertraute Glühlampe im Zuge des so genannten „Glühlampenverbots“ mittlerweile fast verschwunden. Wie beurteilen Sie das „Verbot“ durch die EU? Halten Sie den Verzicht auf die Glühlampe für ein gutes Instrument, um den Energieverbrauch in Privathaushalten zu senken?

Enzo Catellani: Durch den Ersatz der alten Glühbirne wurde der Energieverbrauch auch in privaten Haushalten zweifellos reduziert. Wenn man eine Glühbirne gegen einer energiesparende Lampe austauscht oder noch besser mit einer LED Lampe, werden CO2-Emissionen reduziert.

 

"Die gute alte Glühbirne ist ein wichtiger Teil meiner Vergangenheit."

 

lightMAG: Vermissen Sie die Glühlampe manchmal?

Enzo Catellani: Die gute alte Glühbirne ist ein wichtiger Teil meiner Vergangenheit. In der Serie „Turciù“ wird die Ästhetik der Birne bereichert und von Scheiben und Schirmen befreit, die normalerweise die Lichtquelle verbergen. Die kontinuierliche Aktualisierung der neuen LED-Lampen-Modelle, die heute in der Lage sind die alte Glühbirne getreuer zu reproduzieren, erbringen erhebliche Energieeinsparungen, ohne dass die Ästhetik darunter leidet. Nach dem Vermarktungsverbot für alte Glühbirnen haben sich mehrere Kunden über den "Mangel an Eleganz" der neuen Energiesparlampen beschwert, weil die Basis einfach zu sehr im Vordergrund stand. Heute hat die Technologie auch diese ästhetischen Unannehmlichkeiten behoben.

lightMAG: Haben Sie sich bereits mit der OLED-Technologie beschäftigt? Sehen Sie eine Zukunft für die OLED im Bereich der Beleuchtung?

Enzo Catellani: Ich bin an der OLED-Technologie interessiert. Allerdings ist es angesichts des Verhältnisses zwischen Kosten und Lichtmenge noch zu früh, sie anzuwenden.

 

Die Aufnahme zeigt die gläserne Atman Leuchte auf einem Beistelltisch. An der Decke zeichnet sich der spektakuläre Lichtwurf der Leuchte ab.

Die außergewöhnliche Leuchte Atman zählt zu den Favoriten Enzo Catellanis.

lightMAG: Gibt es unter den Catellani & Smith Leuchten ein Objekt, das Ihnen persönlich besonders ans Herz gewachsen ist?

Enzo Catellani: Jede Leuchte ist eine wichtige Etappe meiner mehr als dreißig Jahre währenden Arbeit. Besonders schätze ich aber die Leuchte „Atman“, da sie für mich als Mann und Designer eine besondere Bedeutung hat. Ich schätze aber auch die „Albero della Luce“ für ihre wahre Bedeutung.

 

Das Bild zeigt die eingeschaltete Taccia von Achille Castiglioni neben einem Chaise Longue in einem Wohnraum. Enzo Catellani ist ein Freund der außergewöhnlichen Taccia.

lightMAG: Und gibt es Leuchten anderer Hersteller, die Ihnen besonders gut gefallen?

Enzo Catellani: Die Leuchte „Taccia“ von den Gebrüdern Castiglioni zählt zu meinen Lieblingsleuchten.

 

Das Motiv zeigt ein Ensemble gläserner Außenleuchten, die auf der Light + Building 2016 erstmals vorgestellt wurden.

Outdoor-Schönheiten: Diese spektakuläre Außenleuchten-Kollektion war auf der Light + Building am Stand von Catellani & Smith zu sehen.

lightMAG: Unsere letzte Frage: Verraten Sie uns, woran Sie derzeit arbeiten?

Enzo Catellani: Auf der Light + Building 2016 wurde die neue Außenleuchten-Kollektion präsentiert. Auf der kommenden Fuori Salone (eine Eventreihe für Design-Objekte, die im Rahmen des „Salone del Mobile“, der weltgrößten Möbelmesse in Mailand stattfindet, Anm. d. Red.) werden wir einige Werke vorstellen, in denen das Glas der wirkliche Protagonist des Lichts sein wird. Durch Licht, Farbe und Form werden stimmungsvolle und emotionale Schattenspiele erschaffen. Es handelt sich hierbei um die Rückkehr zu einem Material, das durch seine Transparenz und Verspieltheit die Lichtfarbe besser hervorhebt.

 

Das Motiv zeigt Enzo Catellani (m.) mit Linda Mac Nelly und Florian Felgenhauer von light11 am Stand von Catellani & Smith auf der Light + Building 2016.

Enzo Catellani (m.) mit Linda Mac Nelly und Florian Felgenhauer von light11 auf der Light + Building 2016 in Frankfurt

lightMAG: Herr Catellani, wir bedanken uns vielmals für Ihre Zeit. Es war uns eine Freude, Sie kennenzulernen.

Enzo Catellani: Vielen Dank für Ihren Besuch und für das nette Treffen auf der Light + Building 2016.

 

 

Enzo Catellani und die Marke Catellani & Smith

Wie bereits von ihm selbst im Interview erwähnt, ist Nonkonformismus ein wesentliches Merkmal im Wesen von Enzo Catellani, ebenso wie der Marke Catellani & Smith. Viele seiner Arbeiten sind gekennzeichnet durch etwas Mystisches, etwas Geheimnisvolles. Eine gewisse Vorliebe für Geheimniskrämerei sowie ein augenzwinkernder Humor sind Enzo Catellani dabei nicht abzusprechen. Aus gutem Grund zielte unsere erste Interviewfrage auf die Hintergründe des Firmennamens ab. Lange Zeit hielt sich nämlich hartnäckig die Legende vom britischen Architekten Logan Smith und dem italienischen Schlosser Carlo Catellani.

 

 

Die Arbeiten Enzo Catellanis sind überaus vielseitig. Gerne experimentiert der italienische Meister mit Formen und Lichtwirkungen. Verbindendes Element aller Werke ist jedoch, dass es sich bei jeder einzelnen Leuchte um ein Unikat handelt, das in Handarbeit in der Manufaktur von Catellani & Smith entsteht. Das obige Video demonstriert eindrucksvoll, mit wieviel Mühe (und einer Extraportion Liebe) die außergewöhnlichen Leuchten der italienischen Design-Schmiede gefertigt werden.

 

Die Deckenleuchte Disco d´Oro, ein Werk von Enzo Catellani, eingeschaltet auf einer hellen Decke.

Goldstück: Disco d´Oro wird mit Blattgold beschlagen.

Seit der Gründung im Jahr 1989 fertigt Catellani & Smith Leuchten, die in aufwändiger Handarbeit mit Schlagmetall besetzt werden, um einen unvergleichlichen Look zu erreichen. Gerne setzt man dabei auf edle Metalle wie Gold und Silber, aber auch Ausführungen in Kupfer und Messing sind zu haben. Durch die Metalloberflächen kommt es zu effektvollen Reflexionen, die ein ganz besonderes Lichtspiel bewirken.

 

 

 

 

 

 

Im Bereich der Leuchtmittel setzt Enzo Catellani das gesamte zur Verfügung stehende Spektrum ein. Während einige Leuchten noch ganz archaisch auf die offene Flamme als Leuchtmittel setzen, wie etwa die oben gezeigten Wandleuchten Luna oder Gemma, arbeiten die neueren Entwürfe von Catellani & Smith bereits überwiegend mit energieeffizienter LED-Technik. So ist bei der Leuchtenfamilie Sorry Giotto kaum mehr auszumachen, wo sich das Leuchtmittel im Objekt befindet.

Betrachtet man das Gesamtwerk Enzo Catellanis, kommt man nicht umhin zu bemerken, dass er zu den großen Innovatoren der Branche zählt. Gleichzeitig bewahrt seine Manufaktur mit der Rückbesinnung auf handwerkliche Arbeit die Traditionen längst vergangener Zeiten. Nicht nur für uns ist Enzo Catellani einer der großen Künstler unter den Designern unserer Zeit. Wir jedenfalls sind bereits gespannt, welche Werke von Catellani & Smith uns in Zukunft in Staunen versetzen werden. Dass sie das schaffen, daran hegen wir keinen Zweifel.


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