Dietrich F. Brennenstuhl – Designer im Interview

Dietrich F. Brennenstuhl sitzt inmitten eines Ensembles aus verschiedenen Roxxane Leuchten von Nimbus.Der deutsche Hersteller Nimbus etablierte sich in den vergangenen Jahren als führende Adresse im Bereich der LED-Beleuchtung. Bereits seit 2006 setzt das Stuttgarter Unternehmen ausschließlich auf die energieeffiziente Leuchtdiode für seine ausgefeilten Produkte. Wir sprachen mit Nimbus-Gründer und –Geschäftsführer Dietrich F. Brennenstuhl über Design, Nachhaltigkeit und natürlich über das Thema LED.

Im April 2015 besuchte light11 die Firma Nimbus in Stuttgart. Hier konnten wir nicht nur die Räumlichkeiten und Produktionsanlagen des deutschen LED-Spezialisten begutachten, sondern besuchten auch den spektakulären Showroom, genannt „Mock-Up“ (Englisch für „Versuchsaufbau“). Im Mock-Up begegneten wir damals auch Nimbus-Gründer Dietrich F. Brennenstuhl. Da es seinerzeit aus Termingründen nicht möglich war, vor Ort ein Interview durchzuführen, holten wir dies jetzt nach. Im exklusiven lightMAG-Interview stellte sich Brennenstuhl unseren Fragen.

 

 

Dietrich F. Brennenstuhl im Gespräch

lightMAG: Herr Brennenstuhl, ich bedanke mich sehr herzlich für Ihre Zeit. Unsere erste Frage bezieht sich auf Ihren beruflichen Werdegang. Bei unserem Besuch in Ihrem Hause erfuhren wir, dass Sie Ihre Laufbahn zunächst als Werkzeugmacher begonnen haben. Danach folgte ein Studium der Architektur. Wann entschieden Sie sich für den Beruf des Designers?

Dietrich F. Brennenstuhl: Ich bin Designer – und eigentlich auch nicht. Die Berufsbezeichnung ist letztlich nicht geschützt. Ich bin also im eigentlichen Sinne erst zum Designer „geworden“. Meine Tätigkeiten als Werkzeugmacher und Architekt liefern mir hier das nötige Handwerkszeug. Daher empfand ich es auch als nicht nötig, noch ein Design-Studium im Anschluss zu absolvieren. Als Architekt ist man im Prinzip auch Designer, wenn auch nicht der klassische Produktdesigner.

Ein Schlüsselerlebnis hatte ich dennoch, wenngleich dieses eher meine Affinität zum Licht begründet, weniger zum Design. Während des Studiums erhielt ich das Angebot einer Bekannten, eine Bildergalerie architektonisch neu zu gestalten. Die handwerkliche Umsetzung erfolgte durch mich selbst – während meiner Semesterferien. Als es darum ging, die Beleuchtung zu realisieren, entwickelte ich kurzerhand eigene Lösungen – vornehmlich aus Budgetgründen. Dies markierte damals für mich den Einstieg in das Thema Beleuchtung.

 

Das Bild zeigt die erste Nimbus Leuchte Cirrus O vor schwarzem Hintergrund

Die Cirrus 0 war die erste Serienleuchte von Nimbus

lightMAG: Hier haben Sie Blut geleckt?

Dietrich F. Brennenstuhl: Ja, es hat mir viel Spaß gemacht. Es ist auch eine angenehme Sache, positives Feedback für die eigene Arbeit zu erhalten. Während einer Vernissage in der umgestalteten Galerie wurde ich mehrfach auf die Beleuchtung angesprochen. Nachdem ich mehrere Anfragen bezüglich dieser Leuchten erhielt, entschied ich mich dazu, ein Gewerbe anzumelden und die damals entwickelte Leuchte in Kleinserie zu produzieren. Dies war die Initialzündung für die gesamte Nimbus-Geschichte.

 

Das Bild zeigt die Werkstatt, in der Dietrich F. Brennenstuhl die ersten Nimbus-Leuchten konstruierte.

Steve Jobs lässt grüßen: Die Nimbus Geschichte nahm ihren Anfang in einer Garage

lightMAG: Während unseres Besuches in Ihrem Hause sahen wir eine Präsentation, in der unter anderem Ihre erste Werkstatt zu sehen war…

Dietrich F. Brennenstuhl: Ja, der Klassiker: Die Garage.

lightMAG: Ganz wie Steve Jobs…

Dietrich F. Brennenstuhl (lacht): So ist es.

 

"Pilot wäre definitiv für mich das alternative Berufsbild."

 

lightMAG: Wenn Sie sich nicht für eine Laufbahn als Unternehmer und Produktdesigner entschieden hätten, was wäre Ihr Traumberuf gewesen?

Dietrich F. Brennenstuhl: Der Beruf des Piloten hat mich bereits von Kindesbeinen an interessiert. Ich kam durch meinen Vater bereits sehr früh in Kontakt mit der Thematik und konnte ihn regelmäßig auf Flugreisen begleiten. Das Thema begleitet mich im Prinzip bis zum heutigen Tage. Pilot wäre definitiv für mich das alternative Berufsbild.

 

Die Aufnahme zeigt eine Kumulonimbuswolke im Abendlicht über Jena.

Namensgeber: Eine Kumulonimbus-Wolke - Foto von Uli Feuermeister, CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

lightMAG: Welche Geschichte steckt hinter dem Namen „Nimbus“?

Dietrich F. Brennenstuhl: Das passt gut zur vorherigen Frage. Der Name entstand ebenfalls aus meiner Affinität zur Luftfahrt. Das Bild der Nimbostratus- bzw. der Cumulonimbus-Wolken (die Begrifflichkeiten sind Begriffe zur Typisierung von Wolken, Anm. d. Red.) ist für mich eine schöne Metapher. Zudem gibt es diese andere Bedeutung. Wenn Sie den Begriff Nimbus nachschlagen, stoßen Sie noch auf eine andere Definition. Nimbus meint auch so viel wie „Heiligenschein“, dargestellt als Kreis aus Licht. Von daher ist der Name Nimbus gleich in doppelter Hinsicht überaus passend für uns.

lightMAG: Nimbus pflegt ein außergewöhnliches Selbstbild: „Die Andersmacher“. Was genau machen Sie eigentlich „anders“?

Dietrich F. Brennenstuhl: Eigentlich haben wir uns diese Bezeichnung gar nicht selbst gegeben. Im Kontakt mit Kunden und Partnern bekamen wir immer wieder zu hören: „Ihr macht seit 10 Jahren so viele Dinge anders als andere“. Irgendwann dachten wir uns, dass da wohl etwas dran sein muss. Vielleicht ist es auch der etwas unkonventionelle Umgang mit Gestaltung, mit Technik, mit Architektur und nicht zuletzt mit allem, was mit dem Menschen zu tun hat. Wir versuchen ein gewisses Wertesystem zu leben, etwa in Bezug auf Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und den Qualitätsanspruch unserer Produkte. Auch unsere Entscheidung für den Produktionsstandort Deutschland ist in diesem Kontext zu sehen. Es ist sicherlich nicht immer ganz einfach, aber es gibt einem ein gutes Gefühl. Aus der Vielzahl dieser Aspekte ist die Begrifflichkeit des „Andersmachers“ entstanden.

lightMAG: Sie sehen den Terminus des „Andersmachers“ also auch ein wenig als Kompliment?

Dietrich F. Brennenstuhl: Ja, ganz genau.

 

Der Archetyp der Nimbus LED Leuchten: Das Modul Q im Querschnitt vor schwarzem Hintergrund.

Pionier: Seit 2006 setzt Nimbus ausschließlich auf LED-Technik

lightMAG: In der Präsentation erfuhren wir, dass Sie bereits seit 2006 ausschließlich auf die LED-Technik setzen. Wie kam es zu dieser Entscheidung? Und haben Sie diese Entscheidung jemals bereut?

Dietrich F. Brennenstuhl: Bereut habe ich die Entscheidung nie. Auf dem Weg bis hin zur Markteinführung war es zwar durchaus, nennen wir es eine „sportliche Herausforderung“, das Ganze entsprechend umzusetzen. Aber ich habe es nie bereut und sehe es nach wie vor als die absolut richtige Entscheidung.

Wie kam es nun dazu? Ich habe erstmals 1999 eine weiß leuchtende LED in den Händen gehalten – damals war sie Teil einer Armaturenbeleuchtung. Mich faszinierte vor allem die nicht vorhandene Wärmeentwicklung dieser kleinen Lichtquelle. Zuvor war eines unserer größten Probleme, die hohe Wärmeentwicklung im Bereich der Halogenlampen irgendwie in den Griff zu bekommen. Von diesem Tag an hat mich die Technik nicht mehr losgelassen. Wir begannen weiter zu experimentieren und zu recherchieren. Das haben wir dann über etliche Jahre gemacht, uns mit Herstellern und Zulieferern ausgetauscht, auch aus Asien, bis schließlich die Technik einen gewissen Level erreicht hatte. Die LED hatte irgendwann eine Lichtqualität erreicht, um sie auch in der Allgemeinbeleuchtung umsetzen zu können. 2005 war es dann soweit, dass wir einen sinnvollen Einstieg in den Markt gesehen haben, der von der wirtschaftlichen Seite und von der Lichtleistung der Produkte die Umstellung auf LEDs möglich gemacht hat.

lightMAG: Der Anspruch war also, erst die technische Reife zu erreichen, die eigenen Ansprüche zu erfüllen, bevor das Produkt an den Markt geht?

Dietrich F. Brennenstuhl: Ja, dies ist auch der Grund, warum wir bislang keine Produkte mit OLED-Technologie anbieten. Die Technik ist einfach noch nicht genügend ausgereift.

 

Das Bild zeigt einen Versuchsaufbau im Nimbus Showroom, der den Energieverbrauch von LED-Leuchten und herkömmlichen Leuchtmitteln visualisiert.Dieser Versuchsaufbau im Nimbus Mock-Up illustriert die Energieersparnis von LED-Leuchten

 

"LEDs werden zur Selbstverständlichkeit im Haushalt werden – wie einst die Glühlampe."

 

lightMAG: Im Kontakt mit Kunden und Lesern erleben wir gelegentlich, dass manche Verbraucher dem Licht der LED eher kritisch gegenüberstehen. Viele sind geprägt von ihren ersten Erfahrungen mit Discount-Retrofits von eher mäßiger Lichtqualität. Wie würden Sie einen skeptischen Verbraucher von der Qualität der Nimbus-LEDs überzeugen?

Dietrich F. Brennenstuhl: Eigentlich bleibt hier nur, den Beweis anzutreten und zu zeigen, wie man es besser machen, „richtig“ machen kann. Eine gute Anlaufstelle ist sicherlich unser Mock-Up (unter diesem Namen firmiert der Nimbus Showroom in Stuttgart, Anm. d. Red.). Jeder Interessierte ist hier willkommen, um in unserem Vergleichsraum die Unterschiede der Leuchtmittel selbst beurteilen zu können. Wir erleben es auch häufig, dass unsere Händler sehr positiv auf diese vergleichende Darstellung reagieren.

Insgesamt ist es so, dass die Qualität von LEDs auf breiter Basis enorm zugelegt hat. Die Bedenkenträger werden immer weniger. Ich persönlich bin ganz sicher, dass diese Bedenken in spätestens zwei bis drei Jahren völlig ausgeräumt sind. LEDs werden zur Selbstverständlichkeit im Haushalt werden – wie einst die Glühlampe.

lightMAG: Stichwort „Glühlampenausstieg“. Wie beurteilen Sie diese politische Entscheidung durch die EU? Halten Sie den Ausstieg für einen sinnvollen Weg, den Energieverbrauch in Haushalten zu reduzieren?

Dietrich F. Brennenstuhl: Ich finde die Entscheidung in jedem Fall richtig. Manchmal lassen sich wichtige Entscheidungen nur mit politischem Druck umsetzen. Etwas Ähnliches würde ich mir übrigens auch für die Elektrifizierung von Fahrzeugen wünschen.

So unsinnig die Einführung der Energiesparlampe war, so sinnvoll erachte ich das Glühlampenverbot. Zumal der Markt mit der LED eine echte Alternative bietet.

 

Das Bild zeigt eine zerbrochene Energiesparlampe vor grauem Hintergrund.

Dietrich F. Brennenstuhl betrachtet die Energiesparlampe mit kritischem Blick

 

"Ich halte die Energiesparlampe für ein katastrophales Leuchtmittel."

 

lightMAG: Sie sind folglich kein Anhänger der Energiesparlampe?

Dietrich F. Brennenstuhl: Nein, überhaupt nicht. Ich halte die Energiesparlampe für ein katastrophales Leuchtmittel.

lightMAG: Nimbus hat bislang keine Leuchte konstruiert, die für den Betrieb mit Energiesparlampen ausgelegt war?

Dietrich F. Brennenstuhl: Ich würde gerne ja sagen, aber das ist nicht ganz richtig. Es gab zwei Wandeinbauleuchten, in denen wir dieses Leuchtmittel verbaut haben. Uns war aber nie wirklich wohl dabei. Viele Händler haben regelrecht geflucht, weil das Licht wirklich scheußlich war. Für den Designer ist die Energiesparlampe schon keine Herausforderung mehr, sondern einfach nur eine schreckliche Lichtquelle.

Mittlerweile ist ja auch erwiesen, dass die Energiesparlampe einige gesundheitliche Risiken birgt. Von daher können wir froh sein, dass wir diesen Punkt mittlerweile überwunden haben.

lightMAG: Auch wir erleben im Gespräch mit Kunden häufig eine sehr kritische Haltung bezüglich der Energiesparlampe, insbesondere mit Blick auf die potenziellen Gesundheitsgefahren…

Dietrich F. Brennenstuhl: Früher waren viele der Meinung, dass die Problematik mit dem Quecksilber nur bei der Entsorgung zum Tragen kommt. Jedoch wird das Quecksilber vieler Lampen bereits im Normalbetrieb permanent emittiert.

lightMAG: Die Energiesparlampe würden Sie also nicht vermissen. Wie verhält es sich denn mit der traditionellen Glühlampe? Fehlt Ihnen diese manchmal vom Standpunkt des Designers?

Dietrich F. Brennenstuhl: Nein, überhaupt nicht. Angesichts der Probleme, die diese Leuchtmittel mit sich brachten, bin ich froh, dass wir diese heute nicht mehr haben. Der einzige Bereich, auf den ich manchmal mit einem weinenden Auge zurückblicke, ist die Nieder-Komplexität. Früher bestand unsere Design-Abteilung vornehmlich aus Designern und Architekten. Heute besteht unsere Design- und Entwicklungsabteilung zu einem nicht unerheblichen Teil aus Elektro-Ingenieuren. Die Entwicklung hat sich stark verändert, sie ist mittlerweile sehr stark von Elektronik getrieben.

lightMAG: Der Anspruch an die technischen Aspekte ist also mit der LED stark gestiegen?

Dietrich F. Brennenstuhl

Brennenstuhl über LEDs: „Wir haben die Technik mittlerweile gut im Griff.“

Dietrich F. Brennenstuhl: Absolut. Es ist zwar sehr spannend, mit der LED zu entwickeln, aber die Leichtigkeit, mit der wir früher an unsere Entwürfe herangegangen sind, ist natürlich durch die neue Technologie nicht mehr möglich. Die LED ist dennoch ein wunderbares Leuchtmittel. Wir haben die Technik mittlerweile gut im Griff.

Ein Blick in die Vergangenheit kann auch schön sein und ist auch erlaubt. Aber dass mir persönlich die Glühlampe fehlt, kann ich nicht behaupten. Was die Glühlampe früher noch „besser“ konnte, war die Darstellung warmen Lichtes. Aber auch dies bilden aktuelle LEDs mittlerweile gut nach. Ich halte es auch nur für eine Frage der Zeit, bis diese Technologie für jeden erschwinglich ist. Die Technik dahinter wird die LED zudem für jeden Nutzer individuell anpassbar machen.

 

lightMAG: Sie haben das Thema Nachhaltigkeit bereits angeschnitten. Beim Besuch in Ihrem Hause erfuhren wir unter anderem, dass sie für die Auslieferung Ihrer Produkte auf emissionsfreie Lieferfahrzeuge setzen und eine hauseigene Solaranlage betreiben. Spielt das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle in Ihrer Philosophie?

Dietrich F. Brennenstuhl: Ja, bereits bei der Konzeption neuer Produkte steht das Thema Nachhaltigkeit stets ganz oben im Lastenheft. Dies umfasst Aspekte wie die Materialauswahl, die Materialbeschaffung, die Entsorgung der Werkstoffe und so weiter.

Auch die Energieeffizienz unserer Produkte stand und steht für uns immer im Vordergrund. Aus diesem Grund nehmen wir regelmäßig Effizienzsteigerungen an unseren Serienprodukten vor. Wir lassen sie also nicht so „weiterlaufen“, wie wir sie vor einigen Jahren entwickelt haben, sondern passen sie regelmäßig an aktuelle Standards an.

lightMAG: Wir erleben ja regelmäßig einen neuen „Quantensprung“ bezüglich der Qualität von LEDs…

Dietrich F. Brennenstuhl: …ja, und diesen möchten wir auch immer mitnehmen.

lightMAG: Sie haben das Thema OLED erwähnt. Beschäftigen Sie sich mit dieser Technologie?

Dietrich F. Brennenstuhl: Ja, mit der Technik setzen wir uns bereits seit Jahren auseinander. Wir haben hier sicherlich den Vorteil als LED-Pionier, dass die Hersteller von OLED-Technik, z.B. Osram und andere, uns in Entwicklungsprozesse einbinden und wir stets die neuesten Entwicklungen im Haus begutachten können. Bis heute sehen wir für uns aber in diesem Bereich keinen Einstieg für eine wirklich sinnvolle Anwendung. Das Verhältnis von Preis, Lebensdauer und Lichtleistung stimmt einfach noch nicht.

lightMAG: Sehen Sie künftig Potenzial für die OLED? Kann sie vielleicht die LED irgendwann „ablösen“?

Dietrich F. Brennenstuhl: Ich glaube nicht, dass sie die LED ablösen kann. Die OLED wird sicherlich in einem bestimmten Segment ihre Berechtigung finden, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie die LED irgendwann ersetzen wird.

 

 

"Hinter den „Damen“ stehen starke Songs."

 

lightMAG: Kommen wir zurück zu den Nimbus Leuchten. Beim Rundgang durch den Mock-Up in Stuttgart wurden wir natürlich auf die Namen der Leuchten aufmerksam. Roxxane, Eloise, Lady Jane – was hat es mit den „Damen“ auf sich?

Dietrich F. Brennenstuhl: Hinter den „Damen“ stehen starke Songs. Wir waren auf der Suche nach ausdrucksstarken Namen. Es fing damals an mit der Roxxane. Das Schöne an dieser Namensgebung ist, dass der Sound des bekannten Liedes gleich mitschwingt, wenn der Name fällt. Mit den Stehleuchten, die nach Roxxane erschienen, setzten wir die Namensgebung fort. Hinter den Namen stehen starke Songs, starke Typen – von daher empfinden wir die Namensgebung als „runde Sache“.

lightMAG: Es handelt sich um Songs, die Sie persönlich sehr schätzen?

Dietrich F. Brennenstuhl: Ja.

 

An dieser Stelle möchten wir kurz einwerfen, welche „starken Typen“ hinter den Songs stecken. "Roxxane" spielt auf den beliebten Song von The Police an, hinter "Lady Jane" verbirgt sich ein Klassiker der Rolling Stones, "Eloise" geht auf einen Song von Paul Ryan zurück, berühmt geworden in der Interpretation von Barry Ryan.

 

lightMAG: Was macht für Sie persönlich eine gelungene Leuchte aus?

Dietrich F. Brennenstuhl (überlegt): Zunächst einmal sollte sie gutes Licht erzeugen – dies ist selbstverständlich. Dann stellt sich die Frage: Wo soll die Leuchte eingesetzt werden? Eine Deckenleuchte etwa weist häufig ein eher reduziertes Design auf. Unsere Q-Serie etwa hat natürlich einen ganz anderen Anspruch als Leuchten wie die Roxxane oder die Force One Arbeitsplatz-Stehleuchte. Leuchten wie diese platzieren sich als zentrales Objekt im Raum. Daher stellt sich für mich grundsätzlich die Frage: Für welchen Anwendungsbereich ist das Produkt gedacht? Je nachdem muss die Leuchte anders ausgestaltet werden.

 

Das Bild zeigt eine Installation mehrerer Modul Q Leuchten in der Ausführung "Aqua".

Nimbus Modul Q: „Sie ist eigentlich bis heute eine Art Archetyp für den Wandel von der Glühlampe hin zur LED.“

lightMAG: Haben Sie unter den Nimbus-Leuchten einen „Liebling“?

Dietrich F. Brennenstuhl: Schwer zu sagen. Grundsätzlich mag ich all unsere Produkte. Jede Leuchte hat ihre ganz eigene Geschichte. Eine gewisse Sonderrolle nimmt aber das Modul Q 36 ein, weil sie für uns den Einstieg in den LED-Bereich markierte. Sie steht für einen Paradigmenwechsel, eine neue Art der Gestaltung und anderen Umgang mit der Technik. Sie ist eigentlich bis heute eine Art Archetyp für den Wandel von der Glühlampe hin zur LED.

 

Der deutsche Designer Ingo Maurer im Portrait.

Dietrich F. Brennenstuhl schätzt die Arbeiten des deutschen Designers und Künstlers Ingo Maurer

lightMAG: Gibt es Leuchten anderer Hersteller, deren Design oder Lichtwirkung Sie besonders schätzen?

Dietrich F. Brennenstuhl: Ja, es gibt immer wieder Objekte, die mir gut gefallen. Was ich vom Grundsatz her bereits seit 25 Jahren sehr schön finde, sind die Arbeiten von Ingo Maurer. Es ist einfach eine ganz eigene Welt, sehr künstlerisch geprägt und in sich absolut stimmig.

lightMAG: Welches Objekt würden Sie gern einmal gestalten und wie sähe dieses aus?

Dietrich F. Brennenstuhl: Ein Traumprojekt von mir wäre, einmal ein Flugzeug zu gestalten. Wahrscheinlich würde dies dann aussehen wie eine fliegende Untertasse. Ich kann es nicht genau umreißen, aber es wäre mit Sicherheit überaus elegant.

 

lightMAG: Und gibt es im Gegensatz dazu etwas, was Sie niemals gestalten würden, ganz gleich wie viel Geld man Ihnen dafür böte?

Dietrich F. Brennenstuhl: Dinge und Aktivitäten, die aus einem humanitären und breiten ökologischen Blickwinkel nachhaltig fragwürdig sind.

"Ich sehe Architektur und Design immer in einem sehr engen Kontext."

 

lightMAG: Gibt es unter den aktuellen Designern jemanden, dessen Wirken und Schaffen Sie verfolgen?

Dietrich F. Brennenstuhl: Ich persönlich finde die Arbeiten von Ólafur Elíasson sehr schön. Auch im Bereich der Architektur entdecke ich immer wieder Highlights, etwa von Herzog & de Meuron oder von Sauerbruch Hutton. Grundsätzlich interessiert mich die Architektur immer stärker, als das reine Produktdesign. Ich sehe Architektur und Design immer in einem sehr engen Kontext.

lightMAG: Was verbinden Sie mit Design aus Deutschland? Gibt es ein typisch deutsches Design?

Dietrich F. Brennenstuhl: Ich verbinde deutsches Design vor allem mit Gestaltungsqualität und Zeitlosigkeit. Ich denke, dies sind für mich die beiden wesentlichen Aspekte. Gestaltungsqualität, technische Qualität – die Komposition aus diesen Begriffen ist für mich ausschlaggebend für deutsches Design.

 

Auf dem Bild tollen die beiden Hunde von Dietrich F. Brennenstuhl inmitten des Nimbus-Showrooms herum.

Tierisch: Beim Besuch im Nimbus Showroom trafen wir auf Dietrich F. Brennenstuhl in Begleitung seiner beiden Hunde

lightMAG: Wenn Sie erlauben, möchte ich gern noch etwas Persönliches fragen. Während unseres Besuches bei Nimbus trafen wir Sie in Begleitung Ihrer beiden Hunde an…

Dietrich F. Brennenstuhl: …ja, sie sind meine treuen Begleiter.

lightMAG: Würden Sie sich selbst als Tierfreund beschreiben?

Dietrich F. Brennenstuhl: Absolut. Ich befinde mich gerade mit meiner Familie auf dem Weg in Richtung Vegetarier, fast schon Veganer. Tierliebe hört für mich nicht bei den eigenen Hunden auf, ich möchte im wahrsten Sinne des Wortes über den Tellerrand hinausschauen.

Wir betreiben ja auch ein eigenes Restaurant hier in Stuttgart, das Illuminati. Ich bin sehr froh, dass wir einen Restaurantleiter gefunden haben, der diesen Gedanken entsprechend mitträgt. Auf der Speisekarte finden sich nun auch immer vegane Gerichte. Unser Ziel ist binnen der nächsten ein bis zwei Jahre dieses Thema im Restaurant stark in den Vordergrund zu rücken.

 

Das Foto zeigt eine Delegation von light11 beim gemeinsamen Frühstück mit den Nimbus Mitarbeitern in der Kantine.

Jeden Morgen um 10:00 Uhr trifft sich die gesamte Nimbus-Belegschaft zum gemeinsamen Frühstück

lightMAG: Was uns bei unserem Besuch sehr positiv auffiel, war das gemeinsame Frühstück um 10:00 Uhr, zu dem sich die gesamte Nimbus-Belegschaft zusammenfindet. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Tradition?

Dietrich F. Brennenstuhl: Diese Tradition gibt es bei uns seit eh und je. Es begann mit dem ersten Mitarbeiter, den ich vor 26 Jahren einstellte – heute ist er unser stellvertretender Betriebsleiter. Mit ihm hatte ich damals das gemeinsame Frühstück begonnen, um in Ruhe einige Themen besprechen zu können. Auch mit steigender Mitarbeiterzahl haben wir diese Tradition beibehalten und sie wird bis heute fortgesetzt. Irgendwann wurde jedoch der Frühstücksraum zu klein für alle Mitarbeiter und man begann, in zwei bis drei „Schichten“ zu frühstücken. Hier merkte ich, dass der Grundgedanke verloren geht, und zwar, dass wirklich alle Mitarbeiter aus allen Abteilungen miteinander frühstücken und sich regelmäßig austauschen. So kam es zu der Entscheidung, die neue Kantine in unserem Haus einzurichten, so dass wieder alle gemeinsam frühstücken können. Dies wird von unseren Mitarbeitern sehr genossen und sehr geschätzt.

Es ist auch keineswegs so, dass nach einer Viertelstunde die Glocke läutet und alle zurück zu ihrem Arbeitsplatz eilen. Oft bleiben Leute sitzen, unterhalten sich weiter, und zwar zum Großteil über geschäftliche Themen. Wenn dann das ein oder andere private Wort gewechselt wird, ist auch das kein Problem. Unter dem Strich tut diese Tradition unserem Unternehmen sehr gut.

lightMAG: Eine letzte Frage: Dürfen wir uns erkundigen, an welchem Projekt Sie derzeit arbeiten?

Dietrich F. Brennenstuhl: Wir arbeiten aktuell an einem sehr spannenden Projekt, an einem einerseits sehr archaischen und zugleich völlig neuen Umgang mit Licht im Privatbereich. Genaueres können Sie dann auf der nächsten Light + Building begutachten.

lightMAG: Herr Brennenstuhl, wir bedanken uns sehr herzlich für Ihre Zeit und das spannende Gespräch.

 

 

Dietrich F. Brennenstuhl & die Firma Nimbus

Wie bereits aus dem Interview hervorgeht, startete Dietrich F. Brennenstuhl seine Karriere als Werkzeugmacher und absolvierte im Anschluss ein Architekturstudium. Zunächst machte er sich als Architekt mit einem Partner selbstständig. 1988 erfolgte dann die Gründung der Marke Nimbus als Resultat der hohen Nachfrage für die erste, in Kleinserie produzierte Leuchte. Einige Jahre später verlässt Dietrich F. Brennenstuhl das Architekturbüro und widmet sich von nun an ausschließlich der Marke Nimbus.

 

Das Bild zeigt eine Fotowand im Mock-Up von Nimbus.

Team spirit: Fotos zeugen von gemeinsamen Aktivitäten der Nimbus Mitarbeiter. Oben links im Bild: Squeeze Pendelleuchte von Karim Rashid

Bereits seit 2006 konzentriert sich die Firma Nimbus ausschließlich auf die Produktion hochwertiger LED-Leuchten. Zuvor produzierte der Stuttgarter Hersteller auch Leuchten, die mit konventionellen Leuchtmitteln arbeiteten. Durch den Fokus auf die LED-Technik avancierte Nimbus binnen weniger Jahre zum Experten in diesem Bereich. Insbesondere die Lichtqualität und Energieeffizienz der Nimbus-Leuchten wurde über die Jahre konsequent weiter verbessert. Darüber hinaus pflegt die sympathische Marke aus dem „Ländle“ ein ganz besonderes Selbstbild – „Die Andersmacher“. Dies bezieht sich, wie bereits im Gespräch mit Dietrich F. Brennenstuhl thematisiert, nicht allein auf die ausschließliche Nutzung von LED-Leuchtmitteln, sondern auch auf die besondere Unternehmenskultur bei Nimbus.

 

Auf dem Bild sind Ducati Motorräder und Rennkleidung im Nimbus Showroom zu sehen.

Ein Schnappschuss der „Ducati-Ecke“ im Nimbus Showroom

Während unseres Besuches bei Nimbus in Stuttgart konnten wir uns davon selbst ein Bild machen, so wohnten wir etwa dem gemeinsamen Frühstück mit allen Mitarbeitern bei. Fotos von gemeinsamen Veranstaltungen und Ausflügen zeugen ebenfalls vom ausgeprägten Miteinander bei Nimbus. Zudem lässt Dietrich F. Brennenstuhl auch eine persönliche Note in sein Unternehmen einfließen. So fanden wir im Nimbus Mock-Up unter anderem einen Bereich, der mit Ducatis und Rennsport-Devotionalien geschmückt ist – Brennenstuhl ist nämlich bekennender Rennsport-Fan.


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