Designer im Spotlight — Naoto Fukasawa

Der japanische Designer Naoto Fukasawa gehört zu den Vorreitern des Minimal Design

Preise pflastern seinen Weg, und manche seiner Werke genießen sogar musealen Charakter: Naoto Fukasawa, der als Vorreiter des Minimal Design gilt, gehört zu den renommiertesten Produktdesignern unserer Zeit. Als solcher hat er schon die unterschiedlichsten Produkte entworfen, zu seinem Repertoire gehören auch Leuchten – von denen die Demetra für die italienische Marke Artemide die prominenteste sein dürfte.

 

Naoto Fukasawa kann auf ein weites Betätigungsfeld verweisen, dieses Bild zeigt das Regal Shelf X und das Cloud Sofa
Das Regal Shelf X hat Fukasawa 2005, das Cloud Sofa 2006 entworfen. Bild von: Д.Журнал Wikimedia Commons

Naoto Fukasawa bevorzugt ein einfaches und klares Design; eines, das die innewohnende Attraktivität von alltäglichen Dingen aufzeigt, ohne auf ein Fishing for Compliments aus zu sein. Diesem Prinzip folgend, prägte Naoto Fukasawa gemeinsam mit Jasper Morrison den Begriff des „Super Normal Design“. Im gleichnamigen Buch stellen sie 204 schlicht-schöne Alltagsgegenstände zusammen, entworfen von bekannten und unbekannten Designern. Diese Gemüseschäler, Einkaufskörben, Plastiktaschen etc. gefallen in erster Linie durch ihre Funktionalität denn durch eine allzu vordergründige optische Attraktivität. Dabei verzichteten Morrison und Fukasawa bewusst auf die Nennung der Marke, das Produkt sollte für sich sprechen.

 

Als Designer kann Naoto Fukasawa auf ein breites Œuvre verweisen – von Regalen über Stühlen und Toaster bis Pumps ließ er sich im Laufe seiner Karriere nie auf ein bestimmtes Sujet festlegen. Dass seine Werke stets die Gunst des Betrachters gewinnen, beweisen mehr als 50 Auszeichnungen, u. a. der iF Product Design Award und der Red Dot Design Award. Seine Entwürfe für einen CD-Player und zwei Mobiltelefone können sogar im legendären New York Museum of Modern Art (MoMA) besichtigt werden. Auch sein bislang prominentester Leuchtenentwurf, die Artemide Demetra, wurde mit zahlreichen Preisen wie etwa dem Design Plus prämiert.

 

 

Naoto Fukasawa: die Artemide Demetra

Die Artemide Demetra von Naoto Fukasawa gilt als Nachfolgerin der Tolomeo Tischleuchte

Die Artemide Demetra hat viele Preise gewonnen, u. a. den Red Dot Award

Die Artemide Demetra aus dem Jahr 2012 verkörpert das von Naoto Fukasawa bevorzugte Minimal Design exemplarisch: Die Tischleuchte präsentiert sich formal reduziert und verzichtet auf jeglichen dekorative Schnörkel. Trotzdem wirkt sie mit ihren schlanken Armen, dem flachen Leuchtenkopf und -fuß sowie den geschmackvollen Oberflächen keinesfalls gewöhnlich, sondern verströmt vielmehr eine puristische Eleganz, die den Betrachter in subtiler Weise für sich gewinnt. Dafür erhielt Naoto Fukasawa u. a. den renommierten Red Dot Award.

 

 

Bei genauerem Hinsehen wird schnell klar, warum dieses Werk von Naoto Fukasawa als heimliche Nachfolgerin der legendären Tolomeo Tavolo gilt: Ebenso wie der Klassiker aus den 80er Jahren wartet die Demetra mit einer vorbildlichen Flexibilität auf. Sowohl der obere auch der untere Teil des Arms lässt sich schwenken, dazu kann der gesamte Arm um 360° gedreht werden. Auch der Kopf kann geschwenkt und gedreht werden. Abgerundet wird die bedarfsgerechte Einstellung des Lichts durch den integrierten Dimmer, der die Regulierung der Helligkeit erlaubt. Somit erfüllt die Demetra alle Voraussetzungen für eine individuelle Schreibtischbeleuchtung. Das Seilzugsystem – eine weitere Reminiszenz an die Tolomeo –  sorgt überdies dafür, dass die Demetra sicher in der gewählten Position verharrt. In puncto Lichttechnik setzt die Demetra voll auf die LED, sämtliche Modelle warten mit integrierten, energieeffizienten LED-Modulen auf, die in den flachen Leuchtenköpfen eingebettet sind.

 

Die positive Resonanz auf die Demetra veranlasste Naoto Fukasawa dazu, weitere Ausführungen dieses Erfolgsmodells zu entwickeln: Die Stehleuchte Demetra Lettura bietet sich als Leselicht neben Sessel oder Sofa an, die Variante mit Tischklemme als platzsparende Schreibtischbeleuchtung, die Faretto als Leselicht am Bett und die Parete z. B. als Lichtassistent in einer Leseecke im Wohnzimmer. Dazu sind Tisch- und Wandleuchte als kleinere Versionen erhältlich, als Micro Tavolo und Micro Parete, Letztere übrigens mit praktischem Stecker.

 

Naoto Fukasawa nimmt die Dementra genau unter die Lupe

Der Meister mit seiner Schöpfung.

Neben diesen unterschiedlichen Ausführungen veröffentlichte Naoto Fukasawa auch einige besondere Varianten seines großen Wurfs. Besonders stolz hat uns die Demetra Sonderedition light11 gemacht, die aus Anlass unseres zehnjährigen Firmenjubiläums im Jahr 2013 als Spezialanfertigung in Weißaluminium/Silber erschien. In hochglänzendem Schwarz und mit weiter verbesserter LED-Technik präsentiert sich die Demetra Professional Tavolo: Der von Naoto Fukasawa geschätzte Purismus wird von der komplett in reinem Weiß gehaltenen Artemide Demetra ideal dargestellt.

 

 

 

 

 

Naoto Fukasawa: puristische Deckenfluter

Die Artemide Athena interpretiert überträgt das Design der Demetra-Tischleuchte auf eine Stehleuchte

Athena greift das Design der Demetra auf

Als würdiger Nachfolger der Demetra kann die Athena Terra LED betrachtet werden. Die Stehleuchte respektive der Deckenfluter greift mit ihrem jeweils flachen und kreisförmigen Leuchtenfuß und -kopf das Design der Demetra auf, sogar das ebenmäßig eingebettete LED-Modul zitiert die Tischleuchte. Auch die Athena ist eine perfekte Projektion der zurückgenommenen Formsprache, die Naoto Fukasawa propagiert.

 

 

 

 

 

 

Die Belux LEIA ist eine stattliche Stehleuchte, die durch dezente Form und eindrucksvolle Lichtwirkung gefällt.

Die Stehleuchte LEIA ist ein Musterbeispiel für die zurückhaltende Formensprache von Naoto Fukasawa

Naoto Fukasawa war auch für andere Hersteller tätig, etwa für das renommierte Schweizer Unternehmen Belux. Für dieses entwarf er die LEIA. Die mit rund 1,90 m hochgewachsene Stehleuchte ist ein weiteres Beispiel für das zurückhaltende Design des japanischen Designers. So fungiert LEIA als stattliches, aber dezentes Wohnaccessoire, das mit seiner Lichtwirkung für einen Aha-Effekt sorgt: Werden die insgesamt drei Leuchtmittel im Innern eingeschaltet, verwandelt sich LEIA in eine rundum abstrahlende Lichtsäule, die überdies als Deckenfluter für eine indirekte Raumbeleuchtung sorgt.

 

 

Naoto Fukasawa: zur Person

Der japansiche Designer Naoto Fukasawa interessierte sich schon als Kind für Kunst

Interessierte sich schon als Kind für Kunst: Naoto Fukasawa

Naoto Fukasawa wurde 1956 in der Yamanashi-Präfektur in Japan geboren. Schon als Kind interessierte er sich für Kunst und beschloss, später als Maler zu arbeiten. Das Studium an der Tama Art University, der Kunsthochschule in Tokio, schloss er 1980 mit einem Abschluss in Design ab. Anschließend arbeitete er zunächst als Designer für Seiko-Epson. Später verließ er Japan und betätigte sich fortan für das Designstudio IDEO, USA. 1996 kehrte er nach Japan zurück und gründete dort die japanische Dependance des IDEO-Studios, dessen Geschäftsführer er bis 2002 war. 2003 gründete er mit „Naoto Fukasawa Design“ sein eigenes Designstudio, im selben Jahr seine eigene Marke „Plusminuszero“, die von Luftbefeuchtern über Handstaubsauger bis Regeschirmen praktisch alle Spielarten von Haushaltsgegenständen entwirft. Aktuell arbeitet Naoto Fukasawa als Professor, u. a. an der Musashino Art University, zudem hält er Vorträge an der Tama Art University in Tokyo.

 


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