Alberto Meda – Designer im Spotlight

Erfolgsmodell von Alberto Meda: Die Berenice Tavolo beleuchtet einen Arbeitsplatz.Für gewöhnlich sind die in dieser Serie vorgestellten Schöpfer von Designerleuchten Absolventen eines Architektur- oder Designstudiums. Der Italiener Alberto Meda hingegen studierte zunächst Maschinenbau und hat daher einen eher technisch geprägten Hintergrund. Das hinderte ihn jedoch trotzdem nicht daran, später in den Olymp der renommiertesten Designer Italiens aufzusteigen. Als solcher verantwortet er nicht nur solch legendäre Leuchten wie die Titania, sondern auch Stühle, Tische und weitere Höhepunkte des Möbeldesigns. Überraschenderweise beschreibt Alberto Meda diese vielfach zu Sammlerstücken avancierten Werke selbst nur als "simple Dinge".

 

Der Designer Alberto Meda im Portraitfoto

Der Quereinsteiger unter Italiens Leuchtendesignern

Bei näherer Betrachtung stellt sich diese Beschreibung jedoch als falsche Bescheidenheit heraus – zu virtuos gelingt diesem Künstler die Verbindung aus Funktionalität und schlichter Eleganz. Hierbei gelingt es dem Italiener immer wieder aufs Neue, die ausgefeilte Technik seiner Werke im Hintergrund zu belassen und stattdessen eine eher zurückhaltende Attraktivität auszustellen, die auf jeden vordergründigen Firlefanz verzichtet. Der zweckmäßige, konstruktive Ansatz von Alberto Meda, verbunden mit einem Gespür für dezente Ästhetik und einem Faible für neue Materialien und deren ungewöhnliche Kombinationen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Karriere dieses Ausnahmekönners.

 

 

Geboren 1945 in Tremezzina, einer Gemeinde in der italienischen Provinz Como, studiert Alberto Meda bis 1969 Maschinenbau am Polytechnikum in Mailand. 1973 heuert er bei Kartell an, wo er als Technischer Direktor arbeitet und erste wertvolle Erfahrungen im Bereich Produktdesign sammelt. Doch die Festanstellung scheint nicht das Richtige für Alberto Meda zu sein. Daher entscheidet er sich 1979 für eine freiberufliche Tätigkeit als Industriedesigner und kann in der Folge so prominente Marken wie u. a. Alfa Romeo, Olivetti, Alessi oder Philips als Auftraggeber gewinnen.

 

Die Luceplan Berenice von Alberto Meda beleuchtet verschiedene Objekte auf einem Tisch.Gelenkiger Lichtassistent: Die Luceplan Berenice Schreibtischleuchte

Sein Stern als Leuchtendesigner geht 1985 auf, als er gemeinsam mit Paolo Rizzatto die Berenice für dessen Unternehmen Luceplan entwirft. Die beiden bilden fortan ein Erfolgsgespann, das die hier aufgeführten Leuchten in Zusammenarbeit entwickelt und wesentlich zum Erfolg der Marke Luceplan beiträgt. Die Berenice Tischleuchte stellt sich mit ihren Gelenkarmen und dem um 360° drehbaren Kopf in Form einer flachen Halbkugel als ideale Schreibtischbeleuchtung vor, die das Licht dorthin führt, wo es erwünscht ist. Seit 2007 ist diese Tischlampe auch als LED-Ausführung erhältlich. Der große Erfolg der Berenice, die u. a. den Compasso d'Oro gewann, animierte Alberto Meda, weitere Leuchten zu konzipieren. Zunächst seien jene vorgestellt, die im Arbeitszimmer mit zweckdienlichem Licht assistieren.

 

Die Luceplan Fortebraccio von Alberto Meda dient als Zonenlicht auf einem gläsernen Schreibtisch.

Die Fortebraccio kann über den markanten Griff ganz nach Bedarf ausgerichtet werden

1998 ersinnt Alberto Meda die Luceplan Fortebraccio. Auch diese Tischlampe überzeugt wie ihre Vorgängerin durch flexible Arme und einen dreh- und schwenkbaren Kopf. Ihr besonderes Charakteristikum erhält die Schreibtischleuchte durch den markanten Haltegriff, der eine bequeme Ausrichtung der Fortebraccio erlaubt. Auch dafür ernten Alberto Meda und Paolo Rizzatto reichlich Anerkennung, u. a. in Form von Designpreisen wie dem Good Design Award und Compasso d-Oro. Als Symbiose aus außergewöhnlichem Design und Bedienkomfort avanciert die Fortebraccio schnell zu einem Bestseller, der in den Folgejahren eine große Leuchtenfamilie aus Steh-, Wand- und LED-Ausführungen begründet.

 

Eine weitere Schreibtischleuchte aus dem Portfolio von Alberto Meda: Die Mix Tavolo, hier vor weißem Hintergrund.

Mit variabler Farbtemperatur: Mix Tavolo

Die Reihe der Schreibtischleuchten setzt sich 2005 mit der Mix Tavolo fort. Diese ist werkseitig mit LED Lampen bestückt, die mittels innovativer Chip-on-Board-Technologie die Farbtemperatur variieren können. Nette Zusatzfunktion: Wird sie ausgeschaltet, schimmert ihr Profil in sanftem Blau, so dass man sie auch im Dunkeln schnell findet. Lohn für die raffinierte Konstruktion: der Zutritt in die permanente Design-Ausstellung des New Yorker Museum of Modern Art, die Auszeichnung mit dem Design Plus Award sowie die Krönung zur "Light of the Future".

 

 

 

 

Die Schreibtsichleuchte Otto Watt beleuchtet ein Buch auf einem Schreibtisch.

Der Verbrauch steckt im Namen: Otto Watt

2011 entwirft Alberto Meda mit der Luceplan Otto Watt eine Leuchte, deren Beleuchtungskompetenz bereits im Namen steckt – ins Deutsche übersetzt heißt sie nämlich "Acht Watt". Schon so wenig Leistungsaufnahme reicht dieser Schreibtischleuchte, um mit dimmbarem LED-Licht bedarfsgerechte Schreibtischbeleuchtung bereitzustellen. Der Clou: Eine patentierte Technik erlaubt die Regulierung der Lichtfarbe zwischen gemütlich-warmen 2.400 und konzentrationsfördernden, neutralweißen 3.500 Kelvin. Eine Drehung des Diffusors reicht hierfür.

 

 

 

 

Die Schreibtischleuchte Bap beleuchtet ein minimalistisch gestaltetes Arbeitsplatz-Szenario.

Perfekt für die Arbeit am Bildschirm: Bap Tavolo LED

Noch im selben Jahr stellt Meda die Bap Tavolo LED vor, die ergonomisches Licht speziell für Bildschirm-Arbeitsplätze bietet. Die Konstruktion dieser Tischleuchte sorgt dafür, dass das Licht stets parallel zur Tischoberfläche abgegeben wird, so dass Reflexionen und Interferenzen mit dem Monitor verhindert werden. Mit ihrer gradlinigen Formensprache steht diese außergewöhnliche Schreibtischleuchte in der Tradition des Bauhaus-Designs – seit 2006 sorgt sie in der Bibliothek der Bauhaus Universität in Weimar für bedarfsgerechtes Leselicht.

 

 

 

 

 

Leuchten von Alberto Meda: funktional & spektakulär

Die Stehleuchte Lola Terra, neben einem Bücherregal positioniert, sorgt für indirektes Raumlicht.

Beweglicher Kopf auf drei Beinen: Lola Terra mit Fußdimmer

Doch Alberto Meda setzte seine Fähigkeiten nicht nur für das Design von Schreibtischleuchten ein. 1987 präsentiert er die Lola, eine ebenso filigran wie futuristisch anmutende Stehleuchte mit Tripod-Fuß, deren beweglicher Kopf auf einer Gabel sitzt. Dadurch kann sie ihren Dienst sowohl als Wand- wie auch als Deckenfluter verrichten. Dank Teleskopstange reckt sie ihren Kopf bis in eine Höhe von 2 Metern, wodurch sie sich auch für einen Einsatz in Räumen mit hohen Decken, etwa in einem Loft, empfiehlt. Lola von Luceplan ist auch als Wandleuchte verfügbar.

 

 

 

 

Die Luceplan On Off spendet ihr behagliches Licht auf einem Nachttisch.

Klein, aber oho: On Off

1988 erscheint die Tischleuchte On Off, die auf dem von ihm selbst entwickelten und patentrechtlich geschützten Schwerkraft-Schalter basiert. Dieser kleine Lichtspender aus weichem, dennoch robustem thermoplastischem Material aktiviert sich, sobald er gekippt wird. Nach einem erneuten Kippen schaltet sich diese originelle Leuchte wieder selbständig aus. Zum Einsatz kommt On Off gerne als Nachtlicht im Schlafzimmer, das sich quasi im Handstreich ein- und ausschalten lässt. Mit ihrem verspielten Design empfiehlt sie sich auch für das Kinderzimmer, wo sich die Kleinen über jedes Licht freuen, das die Dunkelheit ein wenig vertreibt.

 

 

 

Zu den spektakulärsten Werken von Alberto Meda gehört sicherlich die Titania, welche den Italiener 1989 endgültig in die Riege der Top-Leuchtendesigner katapultiert. Die Pendelleuchte, wie häufig in Koproduktion mit Luceplan-Mitbegründer Paolo Rizzatto erschaffen, stellt eine im besten Sinn unkonventionelle Beleuchtungslösung dar. Aus ihrer Mitte strahlt sie nach oben und unten in reinstem Weiß ab. Zu ihrer Rechten und Linken erstrahlt die elliptisch geformte Titania dank einsetzbaren Farbfiltern in Blau, Rot, Gelb oder Lila. Weil sie dabei an fast unsichtbaren Nylonfäden hängt, scheint sie wie ein Raumschiff zu schweben – und sorgt so für einen Anblick zum Niederknien. Dafür erhält die Titania den Design Plus Award.

 

Über ihren Kunststoffdiffusor verbreitet die Luceplan Screen Wandleuchte gleichmäßiges Licht im Raum.

Sanfter Lichtspender: Screen Wandleuchte

Im selben Jahr hat die Luceplan Screen ihren Auftritt. Die Wandleuchte zieht das Interesse durch den sanft gebogenen Schirm auf sich. Dieser besteht aus siebgedrucktem, spritzgegossenem Methakrylat und erinnert ein wenig an einen Bildschirm, auf Englisch: screen. Das sieht nicht nur schmuck aus, sondern gewährleistet auch eine harmonische Lichtverteilung. Ihre visuellen und lichttechnischen Vorzüge entfaltet dieses Beleuchtungsaccessoire gerne in Fluren sowie in Wohn- und Schlafzimmern.

 

 

 

 

Die Wandleuchte Luceplan Metropoli sorgt für harmonisches Raumlicht.

Maritim angehaucht: Metropoli

1992 macht Alberto Meda mit der Luceplan Metropoli auf sich aufmerksam. Die Wandleuchte mit dem wabenartigen Diffusor weckt Assoziationen mit dem Bullauge eines Schiffes und verströmt dadurch einen maritim angehauchten Charme. Das mit dem Compasso d'Oro prämierte Werk verleiht Fluren ein einladendes Ambiente, als größere Ausführung eignet sie sich auch als Raumlicht für größere Zimmer. Als LED-Ausführung mit Schutzart IP65 empfiehlt sie sich auch hervorragend als Außenleuchte. Metropoli entstand in Zusammenarbeit mit Paolo Rizzatto und Riccardo Sarfatti.

 

 

 

Zwei Exemplare der Luceplan Lightdisc sorgen für harmonische Beleuchtung in einem Eingangsbereich.

Schlanke Lichtscheibe: Lightdisc

Ein feines Gespür für innovatives Design beweist Alberto Meda 2004 auch mit der Wand- und Deckenleuchte Luceplan Lightdisc, die nur unwesentlich breiter ist als die einzusetzende Ringröhre und daher fast wie eine Einbauleuchte wirkt. Das Alleinstellungsmerkmal dieser auffällig schlanken Leuchte: Dank spezieller Fertigung weist sie Bereiche mit unterschiedlicher Transparenz auf, so dass der Korpus sowohl als Reflektor wie auch als Diffusor fungiert. Ausgezeichnet mit der Schutzart IP65, ist sie auch gegen widrige Umstände geschützt – wie sie etwa in einem Badezimmer oder im Bereich eines Hauseingangs gegeben sind.

 

 

Vielseitiger Künstler – Alberto Meda

Ein Büroszenario: die Schreibtische sind mit Berenice Schreibtischleuchten mit Tischklemme ausgestattet.

Mit der Ergonomie am Arbeitsplatz beschäftigte sich Meda nicht nur im Bereich der Beleuchtung

Die Arbeiten des Alberto Meda lassen es klar erkennen: Die Vision dieses Mannes sind ergonomische Bedingungen am Arbeitsplatz. Indiz dafür sind nicht nur die oben erwähnten Schreibtischleuchten, die einen Schwerpunkt in der Vita von Alberto Meda darstellen. Abseits von Tischleuchten, die mit zielgerichtetem Licht Tätigkeiten wie Lesen und Schreiben erleichtern und somit den Aufenthalt im Arbeitszimmer angenehmer gestalten, widmet sich Alberto Meda auch gerne der Möblierung im Arbeitsbereich.

1996 entwirft Alberto den nach ihm benannten Meda Chair für Vitra. Der Bürosessel verkörpert eine meisterhafte Mischung aus eleganter Anmutung und raffiniert-rationaler Konstruktion inklusive Synchronablauf, durch den sich der Sessel dem Sitzverhalten des Nutzers anpasst. "Dynamisches Sitzen" ist auch das Thema des Physix, den Albert Meda 2012 als Huldigung an sein Vorbild Charles Eames und dessen EA 117 konstruiert. Eine weitere Inspiration sind die Arbeiten des britischen Architekten Norman Foster. An dessen 80er Jahre-Klassiker Nomos lehnt er seinen zusammenklappbaren Tisch Frametable, der mit seinen leicht ausgestellten Aluminiumbeinen und der rechteckigen Glasplatte dem kühlen Charme von Nomos huldigt.

Des Weiteren hält Alberto Meda zwischen 1983 und 1987 Vorträge an der Domus Akademie, 1995 erhält er die Dozentenstelle für Industriedesign, von 1995 bis 1997 steht er dem Design Labor in Bremerhaven vor. Heute arbeitet Meda in Mailand in seinem eigenen Studio, allerdings zieht er es vor, dies alleine, also ohne Mitarbeiter zu tun.


 

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